02. Juni 2014, 08:34 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
2013
Es ist 929 und die Brandenburg wird belagert. Der Sachsenkönig Heinrich geht gegen jene Fürsten vor, die ihm den Gehorsam verweigern, und er ist äußerst erfolgreich. Als die Burg schließlich erobert wird, nimmt Heinrich den Fürstensohn Tugomir und dessen Schwester Dragomira als Geiseln. Ob sie ihre Heimat jemals wieder sehen werden ist ungewiss.
Viele Figuren in Rebecca Gablés Roman „Das Haupt der Welt" sind historisch belegt. Das gleiche gilt für die von ihr aufgeführten Schlachten. Dabei spinnt sie um die tatsächlichen Ereignisse eine derart spannende und unterhaltsame Geschichte, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Trotzdem bleibt die Handlung des Romans glaubhaft. Sinnigerweise kamen mir ausgerechnet einige der Szenen ein bisschen übertrieben vor, die wirklich stattgefunden haben, wie zum Beispiel die Konflikte zwischen Otto und seinen Brüdern.
Frau Gablé hat jedenfalls Ahnung davon, wie man Geschichte erzählt. Schön ist, dass sie bei aller Sympathie für die Personen nicht zu sehr ausschmückt. Sie bleibt immer nah an der Figur, aus deren Blickwinkel die Geschichte jeweils erzählt wird, und widersteht dadurch der Versuchung, als allwissende Erzählerin dem Leser vorzeitig Informationen zu geben, die der Handlung die Spannung nehmen würden.
Das Hauptaugenmerk des Romans liegt also auf den Personen. Sie sind aber unabdingbar verknüpft mit den Religionskonflikten der damaligen Zeit. Das fängt im Kleinen an, zu welchen Göttern die Slawen und Sachsen beten, um Trost und Unterstützung zu finden, und es geht natürlich um politische Hochzeiten, Machtsicherung und kriegerische Allianzen. Bei all dem spielt die Kirche eine nicht zu unterschätzende Rolle, sind doch auch die jüngeren Söhne der Fürsten und Könige oft in einem kirchlichen Amt untergebracht.
Ich war fasziniert von den damaligen Konflikten. Würden nicht ab und zu die bekannten Ortsnamen genannt, ich hätte nicht geglaubt, dass die Handlung in Deutschland spielt.
Bleibt mir nur noch zu hoffen, dass Rebecca Gablé weiterhin über Tugomir und seine Nachkommen berichten wird, so wie sie es bei den Waringhams gemacht hat. Ich würde mich sehr darüber freuen.
Iris Jockschat
GESCHICHTE GAB
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