01. Oktober 2015, 08:00 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
Inhalt: Concerto S 214 / Concert S 237 / Ouvertüre S 206 / Concerto S 228 / Concerto S 224 / Ouvertüre S 205
Interpreten: Paul Dombrecht (Dirigent)/Il Fondamento
1 CD, 2002
STH HEI
Kurzbiographie:
Heinichen war Thomasschüler in Leipzig und durchlief eine juristische Ausbildung (ab 1705 Advokat in Weißenfels). Wieder in Leipzig trat er 1709 mit Opern hervor, lebte 1710-16 in Italien und wurde ab 1717 Kapellmeister am Hof in Dresden. Heinichen schrieb Opern, Orchester- und Kammermusik, Oratorien, Messen, Motetten und Psalmen. Er vertrat den so genannten vermischten Stil, der deutsche, italienische und französische Einflüsse miteinander verband, und ließ strenge Kontrapunktik weitgehend zurücktreten. Dadurch gerät seine Musik bereits in die Nähe der Vorklassik. Sein Lehrbuch „Der Generalbaß in der Composition“ (1728) zählt zu den bedeutenden Kompositionslehrern des frühen 18. Jahrhunderts. (Brockhaus Musik)
CD-Informationen:
Zu Lebzeiten genoss Heinichen hohes Ansehen als Komponist und Theoretiker. Freilich betrachtete der sächsische Hof seine Werke als exklusives Eigentum, dessen allgemeine Verbreitung nicht im Interesse der höfischen Verwaltung lag. Der Schatten Bachs tat dann sein Übriges, dass man die farbigen Concerti und Suiten des Dresdner Hofkapellmeisters schlichtweg vergaß. Mit der gewohnten Begeisterung und Sorgfalt widmet sich Il Fondamento den kursächsischen Preziosen. (jpc)
Heinichen übte alle üblichen Musikformen seiner Zeit aus. Er komponierte keine Cembalomusik. Sein Instrumentalwerk besteht aus Concerti, Sinfonien, Ouvertüren (Suiten) und Sonaten. Den größten Teil seiner Musik hat er im Rahmen seiner Pflichten als Hofkapellmeister komponiert. Stil und Sphäre seiner Orchesterwerke sind mit dem Kontext der Entstehung verbunden: Es handelt sich um festliche Hofmusik, die von der Hofkapelle ausgeführt wurde. Heinichen war der Auffassung, dass Musik in einem gemischten Stil aus deutschen, französischen und italienischen Elementen zu komponieren sei. Im Vergleich zu der Komplexität der norddeutschen Barockkompositionen ist der Stil von Heinichen galanter und präklassisch. Seine Concerti und Sonaten wurden deutlich durch seinen Aufenthalt in Italien beeinflusst. In Heinichens Werken findet man eine große Vielfalt an Instrumentaltexturen und eine variierte Sonorität. In den Suiten mit konzertierenden Instrumenten wechseln die Solo- und die Begleitinstrumente von Teil zu Teil. (Els Moens im Beiheft)
Rezensionen:
„Das 1989 von dem Oboisten Paul Dombrecht gegründete Ensemble Il Fondamento vermag all diese Eigenschaften von Heinichens Musik auf höchstem spieltechnischem und gestalterischem Niveau zu veranschaulichen: die ausgezeichnete Artikulation, die fein abgestufte Dynamik sowie die Transparenz der Stimmführung lassen Heinichens Werke voller Eleganz und Lebendigkeit erklingen." (Klassik 7/99)
„Große Musik ganz nach dem Geschmack der Zeit, kunstvoll gearbeitet - aber nie akademisch - schwungvoll und phantasiereich. Man langweilt sich nicht, sondern wird bestens unterhalten. Und weil das treffliche Ensemble der guten galanten Laune dieser Musik noch ein Schippchen Virtuosität nachwirft, kommt man aus dem Vergnügen kaum heraus.“ (Rheinische Post)