08. September 2015, 11:15 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Gleich viermal gastieren Trias Theater und BiR – Bühne im Revier am 18. und 20. September sowie 16. und 17. Oktober mit dem Kammerspiel „Die Polizei“ von Sławomir Mrożek im Kulturraum „die flora“ (Florastraße 26, GE-Altstadt).
Das Stück spielt in dem fiktiven Land des „Onkels Regent“. Dort gibt es nur noch einen politischen Häftling. Dieser hat vor 10 Jahren ein Bombenattentat auf den General verübt. Als dieser Häftling seine oppositionelle Haltung aufgibt, muss er, wenn auch widerwillig, aus dem Gefängnis entlassen werden und avanciert in der Folgezeit zum Experten „für die Abwehr umstürzlerischer Tätigkeiten“. Nun aber ist die Polizei, die bisher mächtigste Institution im Lande, arbeitslos. In ihrer Verzweiflung darüber, dass sie niemanden zum Verhaften findet, wählt der Polizeipräsident einen „Retter“ aus ihrer Mitte: den Sergeanten, der auch öfter als Provokateur tätig gewesen ist. Dieser ruft wie befohlen: „Unser Regent, der Onkel des Infanten, ist eine alte Sau!“ und wird unverzüglich verhaftet. Um noch einen weiteren Beweis der Unentbehrlichkeit der Polizei zu liefern, inszeniert der neue Experte in Sachen „Abwehr umstürzlerischer Tätigkeiten“ ein weiteres Attentat auf den General. Die Bombe explodiert und die Ordnungshüter verhaften sich gegenseitig. Aber kann ein Polizeibeamter, der sich im Zustand der gegenseitigen Verhaftung befindet, einen dritten verhaften? In diesem Durcheinander erscheint nicht nur der tot geglaubte General, sondern auch in der sonst friedlichen Seele des Sergeanten erwacht der Rebell, und er ruft mit durchdringender Stimme: „Es lebe die Freiheit!“
Wenn man sich das von Sławomir Mrozek 1958 verfasste Theaterstück ansieht, hat man das Gefühl im Geheimdienstwirrwarr zu stecken. Wer bespitzelt eigentlich wen? Oder wer bespitzelt wen nicht? Mrozek enthüllt wie Edgar Snowden die Machenschaften von Geheimdiensten und Überwachungsstaaten. Heute hat die Überwachung eines jeden ein Maß angenommen, die Mrozek 1958 nicht für möglich gehalten hätte. Damit hat „Die Polizei“ ihre traurige Aktualität behalten. Aus der Satire ist ein Stück Zeitgeschichte geworden.
Sławomir Mrożek (* 29. Juni 1930 in Borzęcin bei Krakau; † 15. August 2013 in Nizza, Frankreich) war polnischer Schriftsteller und Dramatiker. 1958 gelang ihm mit seinem dramatischen Sketch „Die Polizei“ am 27. Juni im Teatr Dramatyczny in Warschau uraufgeführt, der große Durchbruch. Mit den Mitteln des absurden Theaters kritisiert er mit griffigen Pointen das Leben in einer Gesellschaft, das geprägt ist von der Kontrolle durch die Polizei, einer Partei, den Staat und seiner Bürokratie. Mrozek weist darauf hin, dass diese Satire „nichts außer dem enthält, was es enthält“, also: keine Metaphern. Zwischen seinen Zeilen steht nichts, zwischen ihnen lesen zu wollen ist daher verlorene Liebesmüh.
Auf der Bühne stehen Ulrich Penquitt (Trias Theater Ruhr, Gelsenkirchen) als Polizeipräsident, Timo Knop (Ensemblemitglied vom Theater Glassbooth, Essen) als General, Jonas Wenz (u.a. bekannt als Pontius Pilatus bei den Passionsfestspielen, Gelsenkirchen) als Häftling und Adjutant, Behlül Taskingül („Petrus“ bei den Passionsfestspielen) als Sergeant und Alexander Welp (BiR – Bühne im Revier) als Polizist. Die Regie hat Elmar Rasch (BiR).
Diese Produktion ist, nach „Drei Ecken Elfer“ und „Heute weder Hamlet“, die 3. Kooperation der Bühnen BiR und Trias Theater-Ruhr. Sie wird durch den Kulturcent des Musiktheaters im Revier unterstützt. Weitere Infos unter www.die-flora-gelsenkirchen.de .
Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt für Schüler/-innen, Studierende, Auszubildende und Schwerbehinderte 12 Euro.
Info und Reservierung: Telefon 0209 169-9105. Der Vorverkauf erfolgt ausschließlich im Stadt- und Touristinfo im Hans-Sachs-Haus.
Redaktioneller Hinweis: Ein Logo zur Veranstaltung ist beigefügt (Logo_TriasBiRflora.jpg).