29. April 2014, 14:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
seien Sie ganz herzlich willkommen im Hans-Sachs-Haus zur Konferenz „Älter werden in Gelsenkirchen“! Ich freue mich, dass Sie auch dieses Mal mit dabei sind, bei der inzwischen schon sechsten Seniorenkonferenz in unserer Stadt!
Ich freue mich zum einen, weil es natürlich immer schöner ist, wenn man zu Menschen statt zu leeren Stuhlreihen spricht. Ich freue mich aber vor allem deswegen, weil mir Ihre Anwesenheit ganz deutlich zeigt, dass das Thema „Älter werden in Gelsenkirchen“ nicht nur eins ist, das uns alle betrifft. Sondern weiterhin auch und vor allem eines, um das wir uns gemeinsam kümmern!
Wir wollen uns auch in Zukunft gemeinsam dafür einsetzen, dass wir – die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener – auch im zunehmenden Alter, auch und gerade nach dem Ende des Erwerbslebens ein gutes, aktives, selbstbestimmtes Leben führen können. Ein Leben, das nicht einfach nur eine etwas blassere Kopie des vorherigen ist, sondern das ganz eigene Qualitäten hat. Qualitäten, die uns das Gefühl geben: Ja, wir leben doch ziemlich genau das Leben, das wir auch führen wollen. Ein Leben, das Spannung und Tiefe hat, das jene Freiräume nutzt, die es in den vorangegangenen Lebensphasen so nicht gab. Denn auch wenn wir ja alle immer noch die Jugend als wunderbare Zeit im Kopf haben, oder die so genannten „besten Jahre“, wenn man im Zenit seines Berufsleben steht – richtig ist ja doch, dass diese Jahre sehr oft relativ fremdbestimmte Jahre sind.
In den vermeintlich guten und jugendlichen Jahren muss man schließlich schauen, dass man sich zunächst im Beruf etabliert; dann vielleicht, dass man ein wenig vorankommt; aber bald auch wieder, dass man sich behauptet. Es sind Jahre, in denen man sich zuerst um die Kinder kümmert und anschließend um die pflegebedürftigen Eltern. Kurzum: Es sind Jahre, in denen die eigenen Wünschen und Bedürfnissen oft hinten anstehen.
Und dann ändert sich das plötzlich. Mit 55, 60 oder 65 lässt der Zugriff von Arbeitswelt und Familie nach, und das leider häufig, ohne dass man darauf vorbereitet ist oder es sich wirklich wünscht. Da kann es durchaus schwierige Übergänge geben. Aber es birgt eben auch die große Chance, Potenziale, die in uns schlummern, freizusetzen. Und genau das soll allen Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt möglich sein. Diese Potenziale zu nutzen, das ist nach wie vor, auch bei der 6. Seniorenkonferenz, unser großes Anliegen. Und dabei setzen wir unser bewährtes Vorgehen fort: Wir unterstützen uns gegenseitig, in einem großen Zusammenspiel engagierter Frauen und Männer, die alle ihre jeweils eigenen Erfahrungen, Vorstellungen und Hoffnungen einbringen!
Auf diese Weise haben wir schon vieles bewegt. Wie viel, das wird einem ja oft erst im Kontakt zu Außenstehenden bewusst. Wenn man Woche für Woche, Monat für Monat an einer Sache tätig ist, merkt man es oft gar nicht so sehr. Aber inzwischen finden ja häufiger überregional Konferenzen und Tagungen zum Thema „Älterwerden gestalten“ statt, und wenn ich da einmal zu Gast bin, dann merke ich immer wieder und bekomme das auch von Expertinnen und Experten ausdrücklich bestätigt: Ja, es ist schon außergewöhnlich, was wir in Gelsenkirchen auf die Beine gestellt haben!
In der Tat: Dieses Seniorennetz, das wir in den zurückliegenden Jahren geknüpft haben, mit all seinen großen Linien und kleinen Verästelungen, mit den ZWAR-Gruppen, mit den Nachbarschaftsstiftern, den InfoCentern, mit all den ehrenamtlich Tätigen wie auch den professionellen Stellen – dieses Netz ist schon etwas ganz Besonderes. Nur wenige andere Städte können eine vergleichbare Struktur vorweisen. Oder anders gesagt: Sie, meine Damen und Herren, haben da etwas aufgebaut, auf das Viele mit Neugier und Hochachtung blicken!
Ein Beleg dafür ist, dass Gelsenkirchen den Zuschlag für eine Förderung des Bundesforschungsministeriums für das Projekt „Quartiersnetz“ bekommen hat – als eine von fünf Kommunen unter 78 Kandidaten. Diese Entscheidung war und ist eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit, und natürlich ist sie auch Ansporn, die Chancen dieses Projektes zu nutzen. Wie das genau aussehen kann, darüber wollen wir heute sprechen.
Aber nicht nur darüber. Ich habe eben gesagt, dass wir hier etwas ganz Herausragendes geschaffen haben. Und dass wir es gemeinsam geschaffen haben. Das ist so. Und es ist auch nur so möglich gewesen. Trotzdem: Jede Mannschaft braucht einen, der die Taktik entwickelt, jedes Netzwerk braucht einen, der es webt, der es knüpft. Und ich möchte an dieser Stelle einmal einem Mann meinen Dank ausdrücken, der über viele Jahre Architekt und Motor der Gelsenkirchener Seniorenpolitik war. Das heute so tragfähige Gelsenkirchener Seniorennetz ist ohne Frage ein großes Gemeinschaftswerk – aber es trägt doch, auch wenn es ein wenig paradox klingt, die Handschrift eines Mannes. Uns allen, lieber Herr Dr. Reckert, ist bewusst, dass wir ohne Ihren Beitrag, ohne Ihre Handschrift nicht da stünden, wo wir heute stehen. Ohne Ihr Organisationsgeschick und Ihre stille Überzeugungskraft, auch ohne Ihren unermüdlichen Einsatz wären die Erfolge, die inzwischen zu verbuchen waren, nicht denkbar!
Und wenn Sie nun nach neun Jahren als Seniorenbeauftragter morgen wirklich aufhören, selbst in den so genannten Ruhestand wechseln – dann geht das nur, weil wir wissen, dass die Ermöglichungsstrukturen, die Sie mit aufgebaut haben, auch für Sie bereitstehen. Weil wir Ihre Zusage haben, nach einer Zeit in einer anderen Rolle wieder aktiv zu werden, als Nachbarschaftsstifter zum Beispiel. Ich persönlich würde mich sehr freuen, Sie wieder zu sehen – jetzt aber möchte ich Ihnen ganz herzlich danken für das, was Sie in all den Jahren geleistet haben!
Meine Damen und Herren,
jeder Abschied ist auch mit einem Neubeginn verbunden: Das ist das Credo unserer Seniorenarbeit und das gilt selbstverständlich auch hier. Darum möchte ich Ihnen heute Astrid Rumpf-Starke vorstellen, die neue Gelsenkirchener Senioren- und Behindertenbeauftragte. Wir sind sehr froh, Frau Rumpf-Starke, dass wir Sie für diese Aufgabe gewonnen haben; für eine Tätigkeit im sozialen Netz der Gelsenkirchener Senioren- und Quartiersarbeit, bei der Sie mit vielen Frauen und Männern in Kontakt kommen werden – und bei der Sie gewiss eine eigene Handschrift entwickeln werden. Für Ihre Arbeit, für unsere gemeinsame Arbeit wünsche ich Ihnen alles Gute – und heiße Sie ganz herzlich willkommen – mit einem Gruß, an den Sie sich nun bestimmt sehr rasch gewöhnen werden: Glück auf!