28. Februar 2008, 08:59 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie heute ganz herzlich in den Räumen der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen in Buer, um mit Ihnen gemeinsam das 25-jährige Bestehen dieser Einrichtung zu feiern.
Jubiläen sind oft Momente, in denen zurück geschaut wird, was geleistet worden ist und ob Ziele erreicht worden sind, die man bei der Gründung zu realisieren erhoffte. Sie dienen also der Bestandsaufnahme.
Aber das heutige Jubiläum wirft auch Fragen auf, die teilweise heiß diskutiert werden, jedenfalls im Zentrum einer öffentlichen Debatte stehen: Was bedeutet es heute, Eltern zu sein, Kinder zu erziehen, mit den Risiken fertig zu werden, die das Leben mit Kindern bietet? Bedeutet Eltern zu sein nur Glück oder ist die Entscheidung heute mehr denn je eine Herausforderung?
Sie alle kennen die Berichte in den Medien, die nicht von Glück und Freude einer Elternschaft berichten, sondern von den tragischen Fällen, in denen Kinder zu Schaden gekommen sind und Hilfen die betroffenen Familien nicht oder zu spät erreicht haben. Oder wir lesen und hören in den Medien, dass die Jugendkriminalität gewachsen sei, Jugendliche keine ausreichenden Wertvorstellungen mehr haben und Eltern ihren heranwachsenden Kindern hilflos gegenüber zu stehen scheinen.
Die Politik ist gespalten in der Einordnung der Geschehnisse. Der unbedachte Ruf nach härteren Strafen wird laut. Ebenso melden sich Stimmen, die auf rechtzeitige Unterstützung setzen.
Diese gibt es in Gelsenkirchen auch Dank der Beratungsstellen. Aber wir haben darüber hinaus ein umfangreiches Angebot, dass von den bundesweit beachteten Elternbesuchen über den Ausbau der Kindertagesstätten und der Ganztagsschulen bis hin zu speziellen Bildungsprogrammen für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund reicht.
Aber wir wollen auch noch mehr. Wir werden unsere Anstrengungen intensivieren, Kinder aus Risikofamilien früher und besser zu identifizieren und hier die nötigen Hilfsangebote zu machen. Und wir werden gleichzeitig Entwicklungsdefiziten bei Kindern durch ein breites Bündnis, in das unter anderem auch die Kinderärzte eingebunden werden sollen, noch früher begegnen als bisher.
Wie ein roter Faden durch nahezu alle städtischen Aktivitäten
Meine Damen und Herren,
in einem afrikanischen Sprichwort heißt es, man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind glücklich aufwachsen zu lassen. Da ist etwas dran! Für uns heißt das: Es braucht das volle Engagement der Stadt, aber auch aller gesellschaftlichen Kräfte.
Deshalb haben wir das Bündnis für Familie gegründet. Deshalb arbeiten wir bei den Ganztagsschulen mit Wohlfahrtsverbänden und anderen Trägern zusammen. Deshalb ziehen sich die Themen Familie und Bildung wie ein roter Faden durch nahezu alle städtischen Aktivitäten.
Erziehung ist kein „Projekt“, das stets und überall allein von Eltern geschultert werden kann. In bestimmten Phasen dieses Prozesses bedarf es der Unterstützung, damit Erziehung gut gelingen kann und Kinder zu den glücklichen Menschen werden können, die das afrikanische Sprichwort verheißt.
Ein Teil dieser Unterstützung wird nun seit 25 Jahren von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen hier in Buer angeboten. Viele Eltern, Kinder und Heranwachsende haben in dieser Zeit Hilfe gesucht. Und sie haben in den qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Beratungsstelle, Ansprechpartner gefunden, die in unbürokratischer Weise klärend und helfend zur Seite gestanden haben.
Die positive Resonanz auf das Angebot der Beratungsstelle ist auch darauf zurückzuführen, dass ohne Voranmeldung und Terminvorgabe beratende und klärende Gespräche möglich sind. Hier kann man also einfach vorbei kommen, wenn es Not tut. Die Schwelle, die Angebote der Beratungsstelle anzunehmen ist denkbar niedrig!
Aber manchmal benötigen Familien auch weitergehende Unterstützung und Hilfen. Auch sie findet man unter dem Dach des Referats Kinder, Jugend und Familie. Die Einbindung der Beratungsstelle in das Referat führt zur Vernetzung von Hilfsangeboten, die dem individuellen Hilfebedarf einer Familie gerecht werden. Zu den kompetenten Mitgliedern der hier vorhandenen Kooperationsgemeinschaft gehören auch die Schulen, Tageseinrichtungen für Kinder in Gelsenkirchen, die Kinderklinik, niedergelassene Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und Kinderärzte, die alle durch ihr Engagement zum Wohle der Familien beitragen.
Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle herzlich danken. Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Beratungsstelle. 25 Jahre Arbeit mit Eltern, Kindern und Jugendlichen erfordert eine hohe fachliche Kompetenz, die einer ständigen Überprüfung und Weiterbildung bedarf, um modernen therapeutischen und beraterischen Ansätzen gerecht zu werden.
Ich wünsche der Beratungsstelle für die Zukunft alles Gute und freue mich, eine fachlich kompetente, mit modernen Ansätzen vertraute Einrichtung zur psychosozialen Infrastruktur der Stadt Gelsenkirchen zählen zu können.
Glück auf!