27. Mai 2008, 09:33 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Lieber Dietmar Diekmann,
liebe Genossinnen und Genossen,
meine Damen und Herren,
wenn wir über die Wirtschaft im Ruhrgebiet sprechen, dann klingt da immer der etwas sperrige Begriff „Strukturwandel“ mit.
Aber tatsächlich haben sich die Wirtschaftsstrukturen ganz fundamental verändert. Waren vor Jahren noch wenige Großunternehmen dominierend, lebt das Revier heute von den vielen, vielen Mittelständlern.
Und der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft:
- Rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland sind in mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Der Mittelstand stellt darüber hinaus etwa 70 Prozent aller Ausbildungsplätze.
- Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Bruttosozialprodukts wird von mittelständischen Unternehmen erwirtschaftet und
- der Mittelstand kommt für einen erheblichen Teil der öffentlichen Finanzen auf.
Die kleinen und mittleren Unternehmen, sind es, die immer wieder ihre Innovationskraft unter Beweis stellen, die flexibel auf Marktveränderungen reagieren, die eine absolute Stärke unserer Region sind!
Und die Lücken, die durch den Abbau von Großindustrien im Ruhrgebiet gerissen werden, können nur durch eben diese viele kleinen und mittleren Unternehmungen mit guten Ideen und innovativen Lösungen wieder gefüllt werden.
Deshalb fördern wir die Ansiedlung und Gründung mittelständischer Unternehmen aktiv.
Liebe Genossinnen und Genossen,
meine Damen und Herren,
die Wirtschaft in der Region ist im Aufbruch. Das zeigt sich bei den vielen börsennotierten Unternehmen, die ihren Sitz in der Region haben. Aber das zeigt sich eben auch bei den vielen Mittelständlern, die sehr flexibel auf die Marktdynamik reagieren können und deren Auftragsbücher sich spürbar füllen.
Aber weil hier im Revier traditionell eher die großen Industriekonzerne das Wirtschaftsgeschehen dominiert haben, gibt es beim Mittelstand durchaus Nachholbedarf – dieses Potenzial wollen wir nutzen.
Wir als Stadt tun was wir können, damit Unternehmen in Gelsenkirchen ideale Ausgangsbedingungen finden: wir halten eine hervorragende Infrastruktur bereit – mitten im Ballungsraum Ruhrgebiet. Und wir haben mit unserer Wirtschaftsförderung einen kompetenten Ansprechpartner für die Unternehmen in unserer Stadt. Hier wird auch einmal unkonventionell geholfen!
Liebe Genossinnen und Genossen,
es ist gut und wichtig, dass die Gelsenkirchener Wirtschaft am Aufschwung partizipiert. Aber ich möchte mehr! Der Aufschwung soll auch bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen!
Natürlich ist der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in unserer Stadt auch dank der hervorragenden Arbeit des IAG überdurchschnittlich hoch, aber knapp 16 Prozent sind noch immer viel zu viel!
Das belastet die Sozialkassen, es hemmt die Nachfrage und damit insbesondere das Wachstum bei Handel und Gewerbe.
Und es ist vor allem für jeden arbeitslosen Menschen, für viele Familien eine enorme Belastung – nicht nur wirtschaftlich!
Wir sind auf einem guten Weg, dass für manch einen die Situation besser wird – und das wird sich dann wieder positiv auf die Unternehmen in Gelsenkirchen auswirken. Aber wir müssen auch immer wieder Rückschläge hinnehmen – zum Beispiel mit der frühen Schließung des Bergwerks Lippe.
Das macht überdeutlich: Wir stecken eben doch noch mitten im Strukturwandel. Da widerspreche ich der Landesregierung ausdrücklich und lade sie gerne dazu ein, sich einmal intensiv in Gelsenkirchen umzuschauen. Aber: die Talsohle ist durchschritten. Wir beginnen auf dem Fundament unserer gewachsenen Wirtschaftsstruktur Neues aufzubauen. So bleiben wir zum Beispiel mit Zukunftsenergien dem Thema Energie treu, dass in den letzten Jahrzehnten so prägend für unsere Stadt war.
Meine Damen und Herren,
die Menschen brauchen Arbeit und ein Einkommen, von dem sie leben können. Und deshalb ist es wichtig, den Strukturwandel weiter zu betreiben. Der Initiativkreis Ruhrgebiet hat im letzten Jahr mit einer Veranstaltung auf Zollverein einen wichtigen Akzent in diesem Prozess gesetzt.
Ein Verdienst der Veranstaltung war die Herausarbeitung der Stärken des Ruhrgebietes. Der Initiativkreis sieht die Schwerpunkte einer künftigen Entwicklung in den Bereichen Energie, Logistik und Werkstoffe.
Wer genau hinguckt, erkennt da die langen Linien in der Entwicklung: Aus Kohle, Stahl und Verkehr wurden Energie, Materialentwicklung und Logistik. Und mit dieser Weiterentwicklung, meine Damen und Herren, verschiebt sich auch das Gewicht hin zum Mittelstand. Das ist ein ganz wichtiger Teil des Wandels, um den es heute Abend geht!
Liebe Genossinnen und Genossen, meine Damen und Herren,
in diesem Sinne freuen wir uns auf einen informativen Vortrag von Hanns-Ludwig Brauser und eine anregende Diskussion im Anschluss.
Glück auf!