18. Oktober 2008, 16:59 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrter Herr Dr. Eichert,
herzlich willkommen im Bildungszentrum der Stadt Gelsenkirchen. Ich freue mich, dass Sie heute den Weg hierher gefunden haben, um gemeinsam über ein Thema zu diskutieren, das die Öffentlichkeit lange Zeit nicht im Blick hatte. Den demografischen Wandel deklinieren wir schon länger vorwärts und rückwärts. Viele Facetten dieses Phänomens einer älter werdenden Gesellschaft haben wir dabei berücksichtigt: Was heißt das etwa für die Stadtplanung? Was bedeutet es für unsere Gesundheitsversorgung was für unsere Sozialsysteme?
Etwas, das wir lange nicht berücksichtigt haben, ist die ethnische Komponente. Vor mittlerweile über 50 Jahren kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Sie wollten später wieder in ihre Heimat zurückkehren. Viele hätten es sich damals nicht träumen lassen, dass aus dem geplanten Intermezzo mehr werden könnte.
Doch so ist es: Viele Zuwanderer sind in Deutschland heimisch und dabei eben auch älter geworden.
Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Die Zahl der über 60-jährigen ausländischen Staatsangehörigen wird sich in Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2020 ungefähr verdoppeln.
Die Zahlen für Gelsenkirchen sind noch deutlicher: Der Anteil der Ausländer und der Deutschen mit zwei Staatsangehörigkeiten an der Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei 22,1 Prozent, die Altersgruppe der 50 bis 60-jährigen Migrantinnen und Migranten macht schon heute 14,5 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Diese Übersicht macht deutlich, dass Gelsenkirchen in besonderem Maße von der Entwicklung betroffen ist.
Und der Trend hält an: Seniorinnen und Senioren mit Zuwanderungsgeschichte werden in Nordrhein-Westfalen voraussichtlich die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe sein. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns alle fragen, wie wir diesen Teil des demografischen Wandels gestalten wollen.
„Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Nordrhein-Westfalen" heißt folgerichtig die Veranstaltungsreihe, die vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration sowie der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen und der Landesseniorenvertretung gemeinsam getragen wird. Nach dem erfolgreichen Start im Januar geht es nun in den Regionen des Landes weiter. Den Auftakt macht Gelsenkirchen.
Das freut mich besonders, weil wir uns in Gelsenkirchen schon länger des Themas angenommen haben und bereits Erfahrungen sammeln konnten. Nehmen Sie nur das Demenz-Service-Zentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, über das Sie nachher noch mehr erfahren werden. Im Rahmen dieses Projektes hat die Arbeiterwohlfahrt bereits im Jahr 2004 damit begonnen, das Krankheitsbild Demenz bei Menschen mit Migration zu untersuchen und Betroffenen Hilfe anzubieten. Dazu gehört, dass eine muttersprachliche, in diesem Falle türkische, Fachkraft als erster Ansprechpartner fungiert. Auch dies eine Folgerung aus den Erfahrungen, die gemacht wurden.
Insofern wünsche ich Ihnen, dass Sie heute noch viele weitere interessante Eindrücke gewinnen können und Ideen aus anderen Projekten mitnehmen. Am Nachmittag folgen dann sicherlich eine Vielzahl ergiebiger Diskussionen in den Foren.
Ihnen allen wünsche ich dabei interessante Anregungen, aber auch viel Spaß und für Ihre weitere Arbeit viel Erfolg.
Glück auf!