21. September 2009, 16:13 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrter Herr Professor Kriegesmann,
tja, jetzt sind Sie also in Gelsenkirchen gelandet... Als Oberbürgermeister dieser Stadt freut es mich natürlich ganz besonders, dass wir bei der Wahl Ihres Studienortes die Konkurrenz wie Heidelberg, Göttingen oder Tübingen hinter uns lassen konnten. Ich bin mir sicher, Sie werden in den nächsten Monaten feststellen, dass Sie eine gute Wahl getroffen haben.
Klar: Gelsenkirchen, das Ruhrgebiet ist kein klassischer Hochschulort. Wer beschauliche alte Städtchen mit Kopfstein gepflasterten Gässchen sucht, der ist hier nicht richtig. Wer aber - wie Sie - Innovationen zu seinem Beruf machen will, wer gestalten will, anpacken kann, Brüche nicht scheut und das echte Leben sucht, der muss zu uns ins Revier!
Jahrzehntelang galt der Ausspruch von Kaiser Wilhelm II., dass es im Ruhrgebiet keine Kasernen und keine Universitäten geben darf. Die Kombination von sozialer Wirklichkeit und Geist galt als ebenso explosiv und bedrohlich wie die Kombination von sozialer Wirklichkeit und Waffen. Das waren damals also dieselben Gründe, aus denen sich heute ein Studium im Revier lohnt: Hier gärt es, hier geschehen Revolutionen, heute jedoch zumeist technologischer Art.
Einst galt, dass die Malocher gefälligst malochen und nicht auf dumme und womöglich gefährliche Gedanken gebracht werden sollten. Heute sind es gerade die neuen, die vielleicht auch einmal ketzerischen Gedanken, die uns nach vorne bringen. Und der Ausspruch Wilhelm II. ist Beweis genug dafür, dass der Nährboden für solche Gedanken im Ruhrgebiet seit jeher in idealer Weise vorhanden ist. Auch deswegen, glaube ich, war Ihre Wahl eine gute.
Und wenn ich mich heute hier im Audimax so umschaue, dann bin ich sicher, dass ich unter Ihnen auch einige sehe, deren Großväter und Urgroßväter zu eben diesen Malochern gehörten - wie mein Großvater übrigens auch noch. Zu denen, die man klein halten wollte.
Malocht wird hier heute natürlich immer noch. Aber mit Köpfchen. Und dafür ist Ihre künftige Hochschule das allerbeste Beispiel. Mit der Erforschung und Lehre von anwendungsorientierter Hochtechnologie, der produktiven Nähe zur Industrie und der zukunftsfähigen Transformation der Themen, die hier eine große Tradition haben wie zum Beispiel Energie und Werkstoffe, aber auch mit der Erschließung ganz neuer Themen- und Lehrgebiete im Gesundheitsbereich oder im Kulturmanagement.
Liebe Studierende,
der Beginn eines Studiums ist eine aufregende Sache. „Ersti" sein bedeutet, sich erst einmal zu orientieren. Das beginnt bei Fragen, wie der, wo denn um alles in der Welt dieser Hörsaal mit dem kryptischen Kürzel ist. Das geht weiter damit, sich im Fach einen Überblick darüber zu verschaffen, ob es den eigenen Vorstellungen entspricht. Und es gehört auch dazu, sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Das ist erst einmal ziemlich viel auf einmal. Das kenne ich alles noch sehr gut aus meiner Zeit. Aber ich kann Ihnen versichern: Schon nach ein paar Monaten werden Sie denken, Sie hätten nie etwas anderes gemacht als zu studieren. Sie werden in Rekordzeit gelernt haben, mit chronischem Schlafmangel auszukommen. Und auch an den unterschiedlichsten Kopierermodellen werden Sie es schnell zu einiger Exzellenz bringen.
Es beginnt also in vielerlei Hinsicht ein neuer Lebensabschnitt für Sie. Für einige von Ihnen auch in einer neuen Stadt. Ich weiß sehr wohl, für Auswärtige haben die Städte des Ruhrgebiets auf den ersten Blick zunächst einen etwas - nun, sagen wir - herben Charme. Auf den zweiten Blick aber werden Sie viele lebens- und liebenswerte Seiten an uns entdecken. Wir wollen halt erobert werden. Und genau dazu möchte ich Sie, liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen, heute einladen.
Ganz gleich, ob Sie neu hinzugezogen sind, immer schon hier wohnen oder weder das eine noch das andere tun, sondern nur nach der Vorlesung noch etwas in Gelsenkirchen unternehmen wollen - ich verspreche Ihnen: An Möglichkeiten wird es Ihnen nicht mangeln. Einen kleinen Überblick darüber erhalten Sie in den Begrüßungspaketen, die die Stadt heute hier für Sie bereit hält. Schauen Sie mal rein. Neben Informationen über Gelsenkirchen, Sehenswürdigkeiten und Freizeittipps haben wir auch Gutscheine für echte Highlights wie das Musiktheater und die ZOOM Erlebniswelt für Sie hineingepackt.
Ich wünsche mir jedenfalls, dass Sie die Stadt Gelsenkirchen nach und nach für sich entdecken und zu Ihrer ersten oder zweiten Heimat machen. Ich wünsche Gelsenkirchen, dass möglichst viele von Ihnen, viele junge Studentinnen und Studenten, unsere Stadt bereichern, sie noch bunter, noch vielfältiger, vielleicht sogar noch schräger machen. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie sich rasch in Gelsenkirchen und rasch an Ihrer Hochschule heimisch fühlen und Ihr Studium genießen können.
Denn genau jetzt beginnt für Sie die Zeit, nach der Sie sich später zurücksehnen werden!
Viel Spaß dabei und
Glück auf!