07. Februar 2010, 14:31 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrter Herr Hoffmann,
auf ein Vierteljahrhundert schaut der Förderverein Schloss Horst heute zurück. Das ist sozusagen ein Silbernes Jubiläum. In einer Ehe würden dazu zwei Menschen gehören. In unserem Fall sind es vielleicht Förderverein und Stadt Gelsenkirchen, die seit 25 Jahren mit einem der markantesten Bauwerke unserer Region beschäftigt sind. Ich glaube, wir alle wissen, dass es zu Beginn keine Liebesheirat war, die uns zusammengeführt hat. Als engagierte Horster Bürgerinnen und Bürger 1985 auf die Stadt zugingen, um die heruntergekommenen Überreste des Schlosses vor dem Verfall zu bewahren, da setzte bei den Verantwortlichen erstmal eine Abwehrhaltung ein. Ich will das mal einen Pawlowschen Reflex nennen. Wenn neue, zumal absehbar kostenintensive, Anforderungen auf uns zukommen, nehmen wir fast schon naturgemäß eine Abwehrhaltung an. Gut, dass sich der Förderverein vor 25 Jahren davon nicht hat abschrecken lassen.
Im Gegenteil haben der Vereinsgründer, der mittlerweile leider verstorbene Johannes Kollner, und seine Mitstreiter nicht nachgelassen. Mit den unterschiedlichsten Aktionen und mit einer Öffentlichkeitsarbeit, für die der Verein unter anderem auch mit dem „Deutschen Preis für Denkmalschutz" ausgezeichnet wurde, gelang Ihnen das Bohren dicker Bretter. Als die Stadt Gelsenkirchen schließlich 1988 das Schloss Horst kaufte, war die Beziehung zwischen Förderverein und Stadt schon mehr als eine reine Vernunftehe. Ich glaube, dass Sie die Akteure vom Sinn dieses, ich will es aus damaliger Sicht mal ein Abenteuer nennen, überzeugt haben. Von da an schritten die Beteiligten Seite an Seite.
Viele Einzelne haben Anteil an diesem gewaltigen Werk
In der Rückschau können wir sagen: Ohne die Hartnäckigkeit und das Selbstbewusstsein des Fördervereins und seiner Mitglieder hätte Düsseldorf nicht so schnell die Förderung zugesagt. Und ohne die massive Unterstützung des Landes hätten wir in Gelsenkirchen die Summe nie und nimmer aufbringen können. Sie haben die Gelsenkirchener Landtagsabgeordneten in die Pflicht genommen, damit sie in Düsseldorf immer wieder vorstellig wurden. Zum Glück für das Schloss haben sich auch immer wieder großzügige Menschen gefunden, die tief ins eigene Portemonnaie gegriffen oder aber andere Menschen bewegt haben, für das Schloss zu spenden statt Geschenke zu kaufen. Und so haben viele Einzelne einen Anteil an diesem gewaltigen Werk - sei es durch ihren ehrenamtlichen Einsatz, sei es durch großzügige Spenden oder auch durch ein Engagement weit über den Rahmen ihres Brotberufes hinaus.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat dafür, wie ich finde, sehr treffende Worte gefunden. Ich zitiere: „Was Bürger vermögen, um ein Bauwerk als Zeugen einer vergangenen Zeit für unsere Zeit zu erhalten, um so eine Brücke zu schlagen zwischen Gestern und Heute, das haben die Bürger von Horst mit ihrem Förderverein Schloss Horst auf beispielhafte Weise bewiesen. Wer weiß, wie viel Engagement, wie viel Geduld, wie viel Hartnäckigkeit und wohl auch Leidensfähigkeit notwendig sind, um ein Bauwerk vor dem Verfall zu retten, der wird sich mit Respekt vor der Leitung des Fördervereins beugen."
Meine Damen und Herren,
heute wird der Förderverein 25 Jahre alt. Er ist damit längst volljährig und aus dem Gröbsten heraus. Wir alle können heute stolz sein auf unser Schloss Horst. Ich nenne es immer die gute Stube Gelsenkirchens, wenn an dieser Stelle, wie zuletzt, der Bundespräsident, der Ministerpräsident oder Delegationen aus unseren Partnerstädten empfangen werden. Aber auch für die Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens bedeutet Schloss Horst eine ganze Menge. Nicht umsonst lassen sich viele Menschen hier trauen. Verdiente Persönlichkeiten bekommen hier das Bundesverdienstkreuz verliehen. Und ich hoffe, dass man im Schlossrestaurant und hier in der Glashalle schon bald wieder von einem neuen Gastronomen bewirtet werden wird. Auch wenn uns das Hotel Maritim derzeit in erstklassiger Art und Weise in der Übergangszeit zur Seite steht, kann ein fester Pächter neue Akzente setzen. Deshalb soll, so ist es mit der Politik vereinbart, noch einmal in Ruhe über passende Konzepte beraten werden. Es muss geklärt werden, welches Konzept am besten trägt. Welches Modell schafft am besten den Spagat zwischen Wunschvorstellung und wirtschaftlicher Realität? Das ähnelt so ein bisschen der Frage, die vor rund 20 Jahren um die Folgenutzung dieses Schlosses diskutiert wurde. Ich würde mir wünschen, dass wir auch diesmal eine ähnlich erfolgreiche Antwort finden.
Aufwändige Nachbesserungen
Das Schloss Horst entwickelt sich stetig weiter. Das wird beim Blick vor die Türe besonders deutlich. Derzeit richten wir die Vorburg her. Hier soll ein Bürgercenter entstehen. Die Stadtteilbibliothek wird in der Vorburg auch ein neues Zuhause finden. Ebenso das Archiv Gelsenkirchener Autoren und die historische Druckwerkstatt. Es gibt viele, die die Fertigstellung kaum noch erwarten können. Gerne wollten wir im Kulturhauptstadtjahr fertig werden mit der Restaurierung des historischen Gebäudes. Aber wer sollte es besser wissen als Sie, die Mitglieder des Fördervereins Schloss Horst, dass bei einem solchen Projekt unendlich viele Stolpersteine lauern. Sehr viel schlechter als ursprünglich erwartet ist beispielsweise die Bausubstanz. Hier mussten wir sehr aufwändig nachbessern. Auch die Archäologen fordern ein ums andere Mal ihr Recht - und so soll es ja auch sein. Allerdings führt das zusammen mit dem sehr strengen Winter dazu, dass es erhebliche Verzögerungen bei den Bauarbeiten gegeben hat. Ich will deshalb keinen Hehl daraus machen, dass die Fertigstellung der Vorburg noch in diesem Jahr derzeit in weite Ferne gerückt ist. Aber auch wenn der Eröffnungstermin nicht schon 2010 sein sollte, die Reaktivierung dieses Teils von Schloss Horst wird erneut einen positiven Impuls in den Stadtteil und darüber hinaus aussenden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
der Förderverein hat sich für das Schloss als Gebäude stark gemacht, aber auch immer mitgetan, wenn es darum ging, das Schloss mit Leben zu füllen. Bis heute beteiligen Sie sich an der Gestaltung des kulturellen Programms. Ohne Sie würde die Museumspädagogik nicht so funktionieren, wie sie es tut. So manche Führung fände ohne die Mitglieder des Vereins nicht statt. Und auch die kostenintensive Realisierung des Schlossmodells im Maßstab 1 zu 40 wäre ohne Ihr Zutun nicht möglich.
Für das Engagement des Fördervereins Schloss Horst in den vergangenen 25 Jahren danke ich Ihnen allen auch im Namen der Stadt Gelsenkirchen sehr herzlich. Bleiben Sie bitte weiter so aktiv für Ihr Schloss. Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg und ein herzliches Glück auf!