23. September 2010, 09:01 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener,
liebe Enthusiasten und Optimisten;
liebe Querköpfe, Hartnäckige und Traumtänzer;
liebe Anstifter und unerschütterliche Idealisten –
kurz: liebe Stadterneuerer!
Wenn ich mich jetzt hier so umschaue, dann stelle ich fest: Wir sind doch ganz schön viele! Ganz schön viele, die sich einbringen in die Gestaltung ihres Wohnquartiers. Ganz schön viele, die sich kümmern um die Nachbarschaft vor ihrer Haustür. Ganz schön viele, die wollen und die auch dazu beitragen, dass es mit ihrem Stadtteil aufwärts geht. Ganz schön viele, die unermüdlich rotieren, um Kindern, die nicht auf Rosen gebettet sind, Zukunft zu ermöglichen. Ganz schön viele, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sich in ihren Vierteln Menschen nach Ethnien sortieren und nicht in Kontakt miteinander kommen. Ganz schön viele, die an allen Ecken und Enden für Aufschwung, für tausende kleiner Impulse sorgen. Kurz. Wir sind ganz schön viele, denen es nicht egal ist, wie es mit ihrem Stadtteil, mit ihrer Stadt weitergeht. Und ganz schön viele, die dafür sorgen, dass es gut weitergeht!
Und dass wir ganz schön viele sind – das zu wissen, das tut gut. Es tut gut zu wissen, dass man eben nicht allein ist. Dass man nicht irgendwo in einem vergessenen Winkel der Stadt vor sich hin „prutscht“, und keiner bekommt es mit. Wir sind heute auch hier um zu zeigen: So wie es in Bulmke-Hüllen, Ückendorf und der Neustadt, in der City, in Bismarck und Schalke Nord Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener gibt, die Schulhofgestaltungen mitplanen, sich mit großem Engagement in Straßen- und Platzumgestaltungen einbringen oder sich um Kinderbetreuung oder Sprachförderung kümmern, so gibt es diese Menschen, die ganz Ähnliches machen, auch in Schalke, Buer oder Hassel. Und gemeinsam arbeiten Sie alle an etwas ganz Großem: nämlich dem größten und ambitioniertesten Stadterneuerungsprogramm der Geschichte Gelsenkirchens. In neun Stadtteilen arbeiten Politik, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger wie Sie derzeit gemeinsam an zukunftsfähigen, nachhaltigen und intelligenten Entwicklungsprojekten.
Strukturen schaffen, die Chancen ermöglichen
Stadterneuerung – Sie wissen das, meine Damen und Herren – ist nicht nur eine Angelegenheit von Beton und Kränen. Nein, Stadterneuerung ist auch eine Angelegenheit von Köpfen – und von Herzen. Denn es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Chancen ermöglichen – und zwar gerade den Menschen, die es schwerer haben als andere: Familien, sozial Schwache, Senioren, Migranten. In Gelsenkirchen gibt es überdurchschnittlich viele von Ihnen. Und an den Bedürfnissen dieser Bürgerinnen und Bürger orientiert sich die Stadterneuerung Gelsenkirchens.
Sie sind es, die diesen gewaltigen Prozess in unserer Stadt am Laufen halten. Sie, nämlich die Bürgerinnen und Bürger, sind Herz und Kopf dieses Projekts, das derzeit die Lebenswelten von rund 100.000 Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchenern mitgestaltet. Stadterneuerung ist kein abstrakter Planungsprozess, kein Verwaltungsakt. Stadterneuerung ist Graswurzelarbeit, greift Ideen und Initiativen vor Ort auf, vernetzt Akteure, ist Katalysator für bestehende Projekte. Denn nur dann, wenn die Menschen vor Ort Verantwortung für die Entwicklung ihres Viertels übernehmen – nur dann kann Stadterneuerung gelingen.
Und deshalb möchte ich mich hier und heute auch bei Ihnen stellvertretend für all die anderen mehrere hundert Ehrenamtlichen bedanken, die diesen gewaltigen Prozess möglich machen. Sie gestalten die Zukunft unserer Stadt! Ohne Sie – ganz konkret z. B. den Initiativkreis Bergwerk Consolidation, der für den Erhalt und die Sicherung des nördlichen Maschinenhauses gesorgt hat, in dem wir uns gerade befinden - wäre es gar nicht möglich, dass wir heute hier auf dem CONSOL-Gelände diese Veranstaltung durchführen. CONSOL ist ein Musterbeispiel eines Stadterneuerungsprojekts, das Städtebau, Kultur (mit dem CONSOL Theater), Bürgerengagement (mit dem Forum 2000) und lokale Ökonomie verbindet. CONSOL ist eine Errungenschaft unseres allerersten Stadterneuerungsgebiets und längst zum Wahrzeichen eines ganzen Stadtteils geworden. So etwas wünsche ich mir auch für alle anderen - mittlerweile sage und schreibe acht - Stadterneuerungsgebiete. Bei vielen sind wir schon auf dem besten Weg dahin, bei einigen fangen wir gerade an. Und ich bin mir sicher: Bei allen wird es uns gelingen. Das Ziel, das uns alle, die wir heute hier sind, verbindet, ist: Wir wollen eine Stadt schaffen, in der Platz für jeden ist, an der alle teilhaben können, die niemanden ausschließt, in der Menschen gut leben und arbeiten können.
Stadterneuerung verändert das Gesicht unserer Stadt
Meine Damen und Herren,
Stadterneuerung ist eine ziemlich dezentrale Sache. Genauso, wie Sie, die Akteure, oft nicht von dem wissen, was Ihre „Kolleginnen und Kollegen“ in anderen Stadtteilen tun, genauso wenig wird oft der Zusammenhang der Spielplatzgestaltung in Hassel mit dem Angebot der Sprachförderung in Bismarck gesehen. Um zu zeigen, das all diesen Projekten dieselben Leitideen zu Grunde liegen, um zu zeigen, dass die großen Projekte wie das Neue Hans-Sachs-Haus oder das Stadtquartier Graf Bismarck ebenso dazugehören wie die Schulhofneugestaltung in Schalke – um das zu zeigen, haben wir in diesem Jahr die 1. Woche der Stadterneuerung veranstaltet. An dieser Stelle auch mein herzlicher Dank an die vielen städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Woche mit großem Einsatz erst möglich gemacht haben!
Ich denke, es ist uns in der zurückliegenden Woche gelungen, deutlich zu machen, dass Stadterneuerung überall ist, dass Stadterneuerung aus vielen, vielen kleinen Mosaiksteinchen besteht. Jedes einzelne dieser Mosaiksteinchen mag für sich besehen unspektakulär sein. Wenn man aber einmal alle zusammenlegt und einen Schritt zurücktritt, so dass man einen Überblick gewinnt, dann sieht man, dass sich aus den einzelnen Steinchen ein Bild ergibt. Das Bild der Zukunft dieser Stadt. Und dieses Mosaik zu legen – das bleibt auch für die Zukunft ein gewaltiges Unterfangen. Ein Unterfangen, in das in den letzten 15 Jahren allein über 100 Mio. Euro an Förderung geflossen sind. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Euro an Fördergeldern 8 Euro an Folgeinvestitionen auslöst, dann ist die Stadterneuerung in Gelsenkirchen ein 800 Mio. Euro-Projekt. Das muss man sich immer mal wieder klar machen, auch wenn es im Alltag manchmal unspektakulär aussehen mag: Wir alle hier sind Teil von etwas Großem.
Ob das Neue Hans-Sachs-Haus, ob die Erneuerung des Tossehofs, ob Flaniermeile Ebertstraße, ob Umnutzung Bergwerk Westerholt, Revitalisierung Bochumer Straße oder Fassadensanierung an der Bahnhofstraße: Die Stadterneuerung verändert deutlich das Gesicht unserer Stadt. Und sie tut das behutsam auf der Grundlage des Vorhandenen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Ein einzigartiger Prozess wie ich finde. Und ein Prozess, der so wie in Gelsenkirchen in kaum einer anderen Stadt umgesetzt wird. Sorgen wir dafür, dass dieser Prozess weitergeht. Wir können das! Denn wir sind ganz schön viele!
Glück auf!