26. November 2010, 08:35 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrter Herr Duran,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen in Gelsenkirchen und herzlich willkommen zu unserer diesjährigen Fachtagung zum Thema Integration. Dass wir uns ganz intensiv und im Dialog mit diesem Thema beschäftigen hat Tradition. Dabei ist es uns wichtig, jedes Jahr aufs Neue einen Schwerpunkt zu wählen, der zu Diskussionen anregt. Im Jahr 2010 lag es daher nahe, sich mit dem Thema Kultur zu beschäftigen. Einerseits als Reminiszenz auf das, was in den bislang elf Monaten war. Noch wesentlich interessanter scheint mir indes der Blick nach vorne. Der Ausblick auf das Jahr 2011 und folgende soll zeigen, was von der Kulturhauptstadt wohl übrig bleibt.
"Kultur für alle"
Anderswo diskutiert man die letztgenannte Frage vor allem institutionell. Wie kann man die Strukturen der Zusammenarbeit auch über den 31. Dezember 2010 erhalten und weiter ausbauen. Auf das Thema Integration heruntergebrochen ergeben sich jedoch ganz andere Fragestellungen. Zum Beispiel die nach den Erfahrungen, die wir in den vergangenen Monaten im Großversuch „Kultur für alle“ gemacht haben.
Da ist zum Beispiel das Kulturfestival „Melez“, das 2010 erstmals auf die Schiene gesetzt wurde, um das Thema einer multikulturellen Gesellschaft in die gesamte Kulturhauptstadt zu tragen. Eine S-Bahn, in der Musikgruppen spielten, Autoren aus ihren Werken lasen und die Passagiere ihre Eindrücke zwanglos online stellen konnten. Das hatte schon eine neue Qualität und bedeutete vor allem eine Fortentwicklung des Festivals, das bereits seit einigen Jahren – zunächst nur in Mülheim – die kulturelle Vielfalt unserer Region beleuchtete. Der Melez-Zug hat auch in Gelsenkirchen Station gemacht und nicht wenige Menschen sind zugestiegen, um das Festival der Kulturen mitzuerleben.
Durch Einflüsse verschiedener Kulturen bereichert
Durch die Einflüsse unterschiedlicher Kulturen wesentlich bereichert wurde auch das Märchenfestival, das hier in Gelsenkirchen stattgefunden hat. Neben den Gebrüdern Grimm kamen auch die Geschichten uns vielfach leider unbekannter Autorinnen und Autoren zum Vortrag. Unter anderem die Märchen aus dem arabischen Kulturkreis – denken Sie nur an Scheherazade und ihre Erzählungen aus 1.001 Nacht – haben das Publikum besonders fasziniert.
Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Kulturhauptstadt aufgrund ihrer von Zuzügen geprägten Entwicklung in diesem Jahr aus dem Vollen schöpfen konnte und dies auch getan hat. Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur – diesen Gedanken müssen wir nun weiterdenken. Nicht nur wirtschaftlich oder kulturell, sondern auch was das Thema Integration angeht. Denn zum Beispiel vermag es die Buchmesse Ruhr seit einigen Jahren, die großen Werke türkischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. In zweisprachigen Lesungen, auch das hilft bei der Verständigung, werden die Leistungen von Künstlerinnen und Künstlern aus der Türkei einem breiten Publikum vorgestellt. Somit wächst das Verständnis für andere Kulturen und die Achtung, die man ihr entgegen bringt. Und diese gegenseitige Anerkennung braucht es, damit eine gleichberechtigte Teilhabe möglich wird.
Meine Damen und Herren,
für die Integration in Deutschland und gerade in Gelsenkirchen, wo rund 22 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, kann die Kultur ein wesentlicher Antrieb sein. Ich wünsche Ihnen allen deshalb noch einen spannenden und erkenntnisreichen Tag sowie in Ihrer täglichen Kulturarbeit viel Erfolg.
Glück auf!