21. Januar 2011, 14:41 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen zum Neujahrsempfang 2011 der Stadt Gelsenkirchen im Musiktheater im Revier!
Mein besonderer Gruß gilt den Damen und Herren Abgeordneten sowie den Stadt- und Bezirksverordneten.
Herzlich willkommen auch an die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Behörden, der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Wissenschaft, der Kultur und der Medien. Ebenso begrüße ich die Vorstände vieler Vereine und Verbände.
Unser diesjähriger Ehrengast ist erst vor wenigen Wochen zurückgekehrt von einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort hat sie als Dozentin an der Emory University in Atlanta gelehrt. Ihre wissenschaftliche Tätigkeit wird sie künftig als Gastprofessorin an der Ruhr-Universität Bochum fortsetzen. Ihre Schwerpunkte dort sind die Ökumene und das Feld der Sozialethik. Als ehemalige Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kennen wir sie als Freundin deutlicher Worte. Ich freue mich, dass Frau Professor Käßmann unserer Einladung gefolgt ist. Liebe Frau Käßmann: Herzlich willkommen in Gelsenkirchen.
Last but not least möchte ich der Leitung sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Musiktheaters danken, weil wir unseren Neujahrsempfang erneut hier ausrichten können.
Den heutigen Tag überhaupt erst ermöglicht hat die Gelsenwasser AG, die uns als Sponsor tatkräftig unterstützt. Lieber Herr Dr. Scholle: Herzlichen Dank dafür!
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
in den vergangenen sechs Jahren habe ich den Neujahrsempfang dazu genutzt, Ihnen von dem zu berichten, was wir angestoßen und umgesetzt haben. Ich habe Ihnen erzählt, was unsere Pläne sind, um Gelsenkirchen weiter lebens- und liebenswert zu gestalten.
Bildung und Stadtentwicklung, Zukunftsinvestitionen und Zusammenhalt waren unter anderem die Themen, die ich hier angesprochen habe. Über Sport habe ich genauso gesprochen wie über Kultur.
Dem ein oder anderen war das stets zu wenig. „Was bringt uns das denn alles?“ haben die Zweifler gefragt.
Das Jahr 2010 war ein Jahr der Ernte
Dabei weiß jeder gute Gärtner, dass zwischen Saat und Ernte immer einige Zeit vergeht.
Deshalb fasse ich mich heute kürzer, weil ich weiß, dass für die Darlegung der Details im Rahmen der Haushaltseinbringung noch genügend Zeit sein wird.
Heute geht es mir darum, Ihnen zu zeigen, dass die Saat, die wir in den vergangenen Jahren gemeinsam ausgebracht haben, tatsächlich aufgeht bzw. streckenweise schon aufgegangen ist.
Das hinter uns liegende Jahr 2010 war durchaus ein Jahr der Ernte. An vielen Stellen haben uns Jurys und Juroren, unabhängige Organisationen und Initiativen bestätigt: Das, was ihr in Gelsenkirchen macht, ist ausgezeichnet. Auf dem Weg ins Musiktheater haben Sie vielleicht die Plakate bemerkt, mit denen wir diese Erfolge visualisiert haben. Mit unserer Kampagne „Ausgezeichnetes Gelsenkirchen“ wollen wir bei den Menschen darum werben, einmal die eigene Perspektive zu überdenken. Weil der Prophet im eigenen Land oftmals nichts gilt, weisen wir hin auf die externen Auszeichnungen, die unsere Stadt im vergangenen Jahr erhalten hat.
Für unser Konzept der frühkindlichen Förderungen beispielsweise hat man uns mit dem European Award of Excellence „City for Children 2010“ ausgezeichnet – vor 42 anderen europäischen Städten wie Porto, Krakau und Bukarest.
Der Gesundheitspreis NRW ist uns zugesprochen worden, weil wir mit dem Projekt „Gesunder Start ins Leben“ unter anderem die Säuglingssterblichkeit in Gelsenkirchen gesenkt haben. Auf der Einladungskarte zum Neujahrsempfang finden Sie überdies ein Bild der „Grimberger Sichel“. Die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal am Hafen Grimberg wurde als eine der schönsten Brücken Europas mit dem „European Steel Bridges Award 2010“ gewürdigt. Die Reihe der Auszeichnungen ließe sich noch fortführen.
Demnächst sind wir wieder bei einer Preisverleihung. Dieses Mal in Brüssel. Wir haben an einem Wettbewerb teilgenommen, der innovative kommunale Initiativen zur Integration älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auszeichnet. [Der Wettbewerb heißt in voller Länge: ELAC - „European Local Authorities Competition on Good Practices on the Support for Migrant Elders’ Initiatives“] Wer weiß, vielleicht muss ein weiteres Kapitel in der Broschüre, die sie heute alle erhalten haben, geschrieben werden.
Wenn ich Ihnen das alles so erzähle, dann tue ich das nicht, um damit zu prahlen. Die so genannten Rankings, in denen deutsche Städte verglichen werden, zeigen ja oft die Relativität solcher Treppchenplätze.
Da werden Städte aneinandergereiht, ob sie wollen oder nicht, und nach Kriterien bewertet, die irgendjemand willkürlich festlegt. Den unfreiwilligen Teilnehmern wird weder vermittelt, wie diese Kriterien zustande kommen, noch wie deren Gewichtung erfolgt. Je nach Auftraggeber steht Gelsenkirchen da mal mehr und mal weniger weit vorne. Vom letzten Städteranking der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ im vergangenen Dezember blieb in der Berichterstattung lediglich haften, dass Gelsenkirchen auf dem letzten Platz der 30 größten deutschen Städte gelandet sei. Doch galt das nur für die Bevölkerungsentwicklung Gelsenkirchens. Wer genauer hingeschaut hat, findet uns zum Beispiel beim Standortindex auf Platz 23 - noch vor Münster. Beim Trendindex, der alle Indikatoren berücksichtigt, stehen wir an 21. Stelle - noch vor Essen, Bochum und Stuttgart. Und in Sachen Produktivität, gemessen an der Entwicklung des Brutto-Inland-Produktes in den Jahren 2003 bis 2008, sind wir sogar absolute Spitze - Platz eins - vor allen anderen!
Was ich damit sagen will ist, dass solche Rankings für sich genommen, wenig aussagekräftig sind. Vor allem die kaum transparente und vielfach willkürliche Gewichtung einzelner Faktoren lässt vieles zu wünschen übrig. Stärken und Schwächen lassen sich jedoch aus einzelnen Indikatoren ablesen. Auffallend ist nämlich, dass wir in Sachen Dynamik quer durch die Bank vordere Plätze belegen. Sogar bei der durchaus umstrittenen Arbeitslosenstatistik, von der viele meinen, dass unsere dortige Platzierung in Stein gemeißelt ist, trennen uns vom vorletzten Platz mittlerweile nur noch 0,4 Prozent. Damit besteht die realistische Chance, die Rote Laterne in absehbarer Zeit auch in Sachen Arbeitslosigkeit abzugeben. Das alles zeigt: Hier bei uns ist etwas in Bewegung. Das Gesicht unserer Stadt verändert sich – und es verändert sich zum Positiven.
Das sehen auch und gerade Außenstehende so, die sich intensiv mit unserer Stadt und unserer Arbeit beschäftigt haben. Sie haben statt der einzelnen Mosaiksteinchen das Ganze in den Blick genommen und vieles gesehen, das einzigartig und ausgezeichnet ist. Darauf dürfen wir also – von unabhängiger Seite bestätigt – zu Recht stolz sein, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Aber ich verspreche Ihnen auch, wir werden uns darauf nicht ausruhen.
Hinter Auszeichnungen und Erfolgsgeschichten stecken immer auch Menschen
Hinter den Auszeichnungen im Großen, aber auch hinter den kleinen Erfolgsgeschichten stecken immer auch Menschen. Mit ihrem Engagement haben sie dafür gesorgt, dass etwas Außergewöhnliches gelingen kann.
Zu dem Gästekreis des diesjährigen Neujahrsempfangs gehören deshalb erneut auch die Jahrgangsbesten der Gelsenkirchener Schulen sowie die besten Prüflinge der Industrie- und Handelskammer. Außerdem sind die Absolventinnen und Absolventen der FH Gelsenkirchen heute zu Gast, die bereits für ihre sehr guten Abschlussarbeiten ausgezeichnet worden sind. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen und ein dickes Kompliment für Ihr Engagement!
Manchmal werde ich gefragt, warum sich eine Stadt so sehr ins Zeug legt, um ihren Bürgerinnen und Bürgern beste Bildung, Chancengleichheit und optimale Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Neben der Tatsache, dass sich Bildung und Qualifikation immer mehr auch zu einem Standortfaktor entwickeln, ist dies für mich eine Frage der Gerechtigkeit.
Die neue PISA-Studie hat wiederholt gezeigt, dass es in Deutschland noch immer vom Geldbeutel der Eltern und der sozialen Herkunft abhängt, ob ein Kind die optimale Bildung und Ausbildung erhält. Von Beginn an sind damit viele Mädchen und Jungen benachteiligt, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.
Oft besuche ich Kindertagesstätten und Grundschulen in Gelsenkirchen und weiß deshalb um die Situation der Jüngsten in unserer Stadt. Diese Begegnungen erinnern mich immer wieder daran, dass wir nicht aufhören dürfen, die persönliche Fortentwicklung von Menschen zu ermöglichen und diese zu fördern. Egal ob es dabei um Bildung, um Arbeit oder um gerechte Löhne geht.
Eine Kommune ist dabei viel, sehr viel mehr als nur der effizienteste Weg, Verwaltung und Infrastruktur vorzuhalten.
Hier vor Ort wird die Zukunft der Menschen organisiert.
Deshalb sind wir Städte systemrelevant. Sie können sich darum darauf verlassen, dass wir auch weiterhin das Leben in Gelsenkirchen gestalten werden und ich lade Sie ein, sich daran aktiv zu beteiligen!
Die Entwicklung einer Stadt braucht Zeit
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
nach einem ereignisreichen Kulturhauptstadtjahr und Fußballweltmeisterschaft und vielen weiteren bewegenden Ereignissen liegt nun ein Jahr vor uns, in dem mit Ausnahme der Frauen-Fußball WM weniger die Superlative gefeiert werden, und in dem es vielleicht auch nicht so viele Auszeichnungen für die Stadt Gelsenkirchen geben wird.
Aber darauf kommt es nicht an, wenn uns allen klar ist, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.
Zukunftsinvestitionen und sozialer Zusammenhalt bleibt die Strategie. Es bleibt bei Investitionen in Bildung und Stadtentwicklung.
Und insbesondere in Zeiten demographischen Wandels und zunehmenden Fachkräftemangels gilt weiterhin: Die Zukunft unserer Stadt geht jeden Tag durch die Türen unserer Kindergärten und Schulen. Deshalb müssen wir dort für die bestmöglichen Bedingungen sorgen.
Und weil die Menschen in unserer Stadt immer weniger, dafür aber durchschnittlich immer älter werden, sorgen wir für die Anpassung unserer Infrastruktur.
Wir entwickeln weiter industrielle Brachflächen.
So werden zum Beispiel in den kommenden Wochen die ersten rund 2,3 Hektar Gewerbefläche im Stadtquartier Graf Bismarck europaweit ausgeschrieben. Und auch in diesem Jahr werden die ersten Grundstücke zu Wohnzwecken verkauft.
Somit bietet das Areal in der geografischen Mitte Gelsenkirchens nach der jahrelangen Entwicklungsphase nun großzügige Flächenangebote für unterschiedliche Nutzungen wie individuelles Wohnen am Wasser, kreatives Arbeiten in modernen Büro- und Gewerbegebäuden, gastronomische Angebote und vieles mehr.
Wir erneuern darüber hinaus einzelne Stadtquartiere umsichtig und im Dialog mit den Menschen.
Generationengerechtigkeit und Teilhabe bis ins hohe Alter gilt auch weiterhin.
Das war, das ist und das bleibt unsere durchaus erfolgreiche Strategie.
Wie schnell wir sie umsetzen können, das hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Haushaltslage der Stadt Gelsenkirchen künftig entwickelt und wie stark uns Bund und Land helfen.
Wir bleiben sparsam, jedoch: Wir werden uns nicht kaputt sparen.
Denn, und auch das weiß jeder gute Gärtner: Wer aufhört zu säen, um Geld zu sparen, der wird künftig auch nichts mehr ernten.
In einem Brief schrieb mir kürzlich ein Journalist, der Gelsenkirchen in den vergangenen 6 Jahre beobachtet hat, dass sich der Ruf und das Image unserer Stadt in dieser Zeit spürbar gewandelt hätten. Zitat: „Nicht von ungefähr ist Gelsenkirchen oft genug für sein modellhaftes Arbeiten ausGEzeichnet worden. (…) Noch ein wenig mehr Selbstbewusstsein und Identität mag Gelsenkirchen dennoch nicht schaden. Die Stadt, ihre Bürger haben es verdient.“ Zitat Ende.
Die Ernte an Auszeichnungen in diesem Jahr sollte uns ermuntern, weiter die Saat auszubringen und das - den Hinweis befolgend - durchaus selbstbewusst tun.
Die Entwicklung einer Stadt braucht Zeit.
Erfolge sind nicht von heute auf morgen zu erzielen. Die Erfolge des vergangenen Jahres sollten uns dabei aber Motivation genug sein.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2011. Möge es für Gelsenkirchen und seine Bürgerinnen und Bürger ein gutes Jahr werden.
Der Stadt Gelsenkirchen und Ihnen allen ein
Herzliches Glück auf!