20. September 2011, 11:15 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sehr geehrte Frau Kaykin,
liebe Amtskolleginnen und –kollegen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
schön, dass Sie heute hier sind! Schön, dass heute bereits so viele Städte, so viele Unternehmen, so viele Institutionen und Menschen zusammengekommen sind, die bereit sind, hier und heute ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für Vielfalt und Talente. Und damit ein Zeichen für die Zukunft unserer Region! Herzlich willkommen Ihnen allen hier im Wissenschaftspark Gelsenkirchen!
Der Ort, an dem wir uns hier befinden – vielen von Ihnen ist er sicher bekannt – ist einer dieser typischen Orte, wie es sie im Ruhrgebiet in vielen Städten gibt. Orte, die der Strukturwandel hervorgebracht hat. Orte, die unsere schwerindustrielle Vergangenheit verbinden mit einer wissensbasierten Zukunft. Orte, die uns von der Pionierzeit des Ruhrgebiets erzählen. Hier an dieser Stelle hat einmal ein Gussstahlwerk und nebenan die Zeche Rheinelbe gestanden. Und die Geschichte dieses Ortes wäre nicht vollständig erzählt ohne die Nennung derer, die diese typischen Orte der Montanindustrie erst ermöglicht haben. Arbeiter aus Schlesien, Ostpreußen, Masuren. All die Koslowskis, die Kuzorras und – ja, eben auch - die Baranowskis. Sie alle haben den Aufstieg des Ruhrgebietes erst möglich gemacht. Später, die spanischen, italienischen und türkischen Arbeiter, die diese Geschichte fortgeschrieben haben.
Dass diese Veranstaltung heute im Wissenschaftspark Gelsenkirchen stattfindet, freut mich als Gelsenkirchener Oberbürgermeister ungemein. Sie könnte aber genauso gut in jeder anderen Stadt stattfinden. Denn wir haben alle dieselbe Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte der Zuwanderung, die eng verknüpft ist mit einer Geschichte des wirtschaftlichen Aufschwungs, eine Geschichte vom Ankommen, vom Arbeiten und vom Bleiben.
Es ist unsere gemeinsame Geschichte hier im Ruhrgebiet. Sie sollte uns ermutigen, unsere Zukunft auch als eine gemeinsame zu begreifen. Sie sollte uns ermutigen, diese Zukunft aktiv zu gestalten, bevor wir nur noch passiv reagieren können. Und sie sollte uns ermutigen, bei dieser Gestaltung, weit mehr, als es bisher der Fall ist, wieder das wirtschaftliche Potenzial von Zuwanderung nutzbar zu machen. Nur dann kann diese beispiellose wirtschaftliche und soziale Entwicklungsgeschichte des Ruhrgebiets fortgeschrieben werden. Wir brauchen eine neue Pionierzeit!
Gleiche Bildungs- und Zukunftschancen für alle Kinder
Meine Damen und Herren,
das Ruhrgebiet ist ein Schmelztiegel. Das ist wahr. Schon immer gewesen und vermutlich sogar der Schmelztiegel par excellence in Deutschland. Aber in diesem Schmelztiegel sind immer noch viel zu starke Zentrifugalkräfte am Werk. Auch im Schmelztiegel Ruhrgebiet entscheiden immer noch zu oft ethnische und soziale Herkunft über Bildungs- und Zukunftschancen. Auf der anderen Seite beklagen wir jetzt schon einen absehbaren Fachkräftemangel, der neueren Studien zufolge spätestens 2013 auch in unserer Region zu einem ernsthaften Problem wird. Wir haben also auf der einen Seite immer noch Gruppen von Menschen, die abgehängt sind. Und auf der anderen Unternehmen und Institutionen, die Menschen brauchen. Und wir müssen uns schleunigst überlegen, wie wir dieses Missverhältnis beseitigen und die losen Enden zusammen bekommen.
Um unsere Potenziale zu heben, müssen wir dafür sorgen, dass es nicht mehr von der Herkunft, vom Geldbeutel und vom Bildungshintergrund der Eltern abhängt, welche Bildungs- und Zukunftschancen ein Kind hat. Die heutige Initiative ist dabei einer von vielen Mosaiksteinen, die zusammengelegt werden müssen. Unserem Startschuss heute müssen viele, viele konkrete und vernetzte Initiativen folgen, um unsere ureigenen Talente zu heben und die Vielfalt zu fördern.
Dass das elementar wichtig ist für die Zukunft des ganzen Reviers, muss ich Ihnen nicht erzählen. Angesichts immer noch weiter anhaltenden Bevölkerungsrückgangs, angesichts der Tatsache, dass wir als Ruhrgebiet mit anderen, auf den ersten Blick womöglich attraktiveren Regionen um die besten Köpfe konkurrieren, kann unsere Zukunft nur in der konsequenten Besinnung auf unsere ureigenen Potenziale liegen.
Wenn wir aber auch in der Konkurrenz um die hochqualifizierten Eliten von außen mal den einen oder anderen Stich landen wollen, dann müssen wir uns auch sehr genau überlegen, ob jede Stadt für sich genommen die erforderliche Strahlkraft aufbringt, um mit Hamburg, München oder Berlin konkurrieren zu können. Oder ob dies nicht nur dann gelingt, wenn wir auch hier gemeinsam auftreten und wuchern können: mit einer der dichtesten Bildungsinfrastrukturen, einer der dichtesten Gesundheitsinfrastrukturen und der dichtesten Kulturlandschaft Europas…Eben als Metropolregion Ruhr. Auch daran müssen wir also arbeiten.
Die Zukunft unserer Städte liegt in der Besinnung auf unsere eigenen Potenziale. Und sie liegt in der Region. Und diese Zukunft ist eine gemeinsame oder gar keine!
Glück auf!