01. Februar 2012, 12:26 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen zur 1. Gelsenkirchener Klimaschutzkonferenz im Wissenschaftspark! Wir haben Sie eingeladen, um heute gemeinsam zu vereinbaren, was wir in den nächsten Jahren für den Klimaschutz und damit auch für den Wirtschaftsstandort Gelsenkirchen tun können.
Dafür haben wir die Überschrift „Energiewende Gelsenkirchen“ gewählt – denn seit der Katastrophe von Fukushima im vergangenen März zeichnet sich ja in der Bundesrepublik mit dem Atomausstieg tatsächlich so etwas wie eine Energiewende ab. Und auch in etlichen anderen Ländern ist die nötige Umstellung auf eine klimafreundliche Energieproduktion und -anwendung zu einem Thema der Industriepolitik geworden. Obwohl die globalen Klimagipfel, zuletzt in Durban, leider immer noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse gebracht haben.
Wir in Gelsenkirchen wollen natürlich auch einen Beitrag zur Energiewende leisten – wobei wir dafür keine neue Richtung einschlagen müssen. Wir brauchen unseren Blick nicht zu wenden, denn unsere Energiewende läuft bereits. Wir haben in den vergangenen Jahren in Gelsenkirchen schon vieles getan für den Übergang zu schadstoffarmen Energieerzeugung und effizienter Nutzung natürlicher Ressourcen. Daran können wir anknüpfen, wollen aber jetzt noch etwas entschlossener und zügiger voranschreiten.
Wir haben uns vorgenommen, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 25 Prozent des in Gelsenkirchen emittierten CO2 einzusparen. Das ist ein ehrgeiziges und stolzes Ziel. Aber es ist auch ein realistisches Ziel. Erste Weichen sind bereits gestellt. Selbst wenn wir keine neuen Initiativen starten würden, sondern nur das fortführen, was wir ohnehin auf den Weg gebracht haben, dann reduziert sich das in Gelsenkirchen ausgestoßene CO2 um 9 Prozent.
In meinen Augen sind 9 Prozent jedoch nicht genug – nicht für das Klima und auch nicht für die Entwicklung unserer Stadt. Ich möchte Sie darum herzlich einladen, noch mehr zu tun und gemeinsam noch ein paar Schippen draufzulegen. Damit wir bis zum Ende des Jahrzehnts möglichst nahe an die angestrebten 25 Prozent herankommen – oder vielleicht sogar etwas darüber hinaus.
Klimaschutz wichtiger Faktor für gute Wirtschafts- und Stadtentwicklung
Die dafür nötigen Anstrengungen kommen der Atmosphäre zugute und damit auch uns allen, die wir ein Interesse an einer intakten Umwelt haben. Sie können aber auch langfristig die Kostenstrukturen der Unternehmen verbessern. Es gibt kaum einen besseren Weg, um Geld zu sparen, als weniger Energie zu verbrauchen – und als weniger Schadstoffe und andere Abfälle zu produzieren. Erfahrungen aus dem Ökoprofit-Projekt zeigen uns: Manche lohnende Veränderung lässt sich sogar ohne große Investitionen erzielen.
Vor allem sollen die Anstrengungen zur CO2-Reduktion aber dazu beitragen, die „Stadt der Zukunftsenergien“ weiter zu entwickeln. Die weltweite Nachfrage nach Technologien zur sauberen Energieerzeugung und effizienten Anwendung wird in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Wir sollten alles dafür tun, damit Gelsenkirchener Unternehmen ihre Chance auf diesen Märkten ergreifen können. Wenn wir da Erfolg haben, dann ist der Klimaschutz ein ganz wichtiger Faktor für eine gute Wirtschafts- und Stadtentwicklung.
Das ehrgeizige CO2-Einsparziel von 25 Prozent soll uns dabei ein Ansporn sein. Wobei natürlich klar ist: Eine solche Reduktion an Treibhausgasen wird die Stadtverwaltung nicht allein erreichen. Das können wir nur gemeinsam schaffen, als gesamte Stadtgesellschaft. In einer großen konzertierten Aktion, an der sich viele unterschiedliche Kräfte beteiligen: die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Engagement und ihren Initiativen; die Unternehmen und die Beschäftigten mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität; die Hausbesitzer und künftigen Hausbauer; die Handwerker und Ingenieure; die Wissenschaftler in den Forschungsinstituten und die Tüftler in den Betrieben; die Rad- und Autofahrer und überhaupt alle Erzeuger und Nutzer von Energie, von Strom und Wärme.
Bei der Energiewende wird es auf das Miteinander ankommen, auf eine enge und gute Kooperation vieler. Aus diesem Grund haben wir Sie heute zu dieser Konferenz der Fachleute geladen, und aus diesem Grund wollen wir auch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger im Sommer über eine Bürgerwerkstatt beteiligen.
Ich bin optimistisch, dass sich dabei eine produktive Atmosphäre entfalten wird. Schließlich pflegen wir in Gelsenkirchen seit Langem eine Kultur des Gemeinsam-Anpackens, und gerade beim Thema Energie verfügen wir über gute Erfahrungen der Kooperation. Ich denke da an unsere intensive Zusammenarbeit bei der Bewerbung zur „Innovation City“ und beim Erstellen unseres Klimaschutzkonzeptes. Viele der heute Anwesenden haben die Stadtverwaltung dabei und auch schon zuvor unterstützt, und ich würde mich freuen, wenn wir auch künftig auf Sie alle zählen können!
Mehr Geld und Personal für den Klimaschutz als je zuvor
Die Stadt wird nach dem im vergangenen Jahr vom Rat beschlossenen Klimaschutzkonzept vorgehen, zu dem ja auch ein Maßnahmenprogramm für die Jahre 2012 bis 2014 gehört. Wir stellen aus unserem – bekanntlich nicht allzu üppig ausgestatteten – Haushalt mehr Geld und Personal für den Klimaschutz bereit als je zuvor. So richten wir derzeit gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW eine Energieberatungsstelle für Gelsenkirchen ein. Das bedeutet: In wenigen Monaten wird ein Gelsenkirchener Energieberater hier vor Ort Hausbesitzer, Handwerker, Kreditinstitute und Architekten zur energetischen Gebäudesanierung und zu anderen Fragen informieren können.
Wir werden außerdem zwei Klimaschutzmanager einstellen. Die sollen den Klimaschutz- und Solarbeauftragen der Stadt bei der Koordinierung der gesamtstädtischen Klimaaktivitäten unterstützen und Projekte aus dem Maßnahmenkatalog betreuen. Das aus meiner Sicht wichtigste Projekt wird der Aufbau eines Gelsenkirchener Unternehmensnetzwerks zum betrieblichen Klimaschutzmanagement sein. Ein Netzwerk, in dem sich die Klimaschutzexperten der Betriebe austauschen und externen Rat einholen können.
Doch wir wollen nicht nur Moderator in diesem Prozess sein. So, wie wir alle Privaten unterstützen, sich um die Energiebilanz ihrer Gebäude zu kümmern, werden wir das bei den städtischen Immobilien tun. Und bei allen Aufgaben, die die Stadt erfüllt, bei allen Entscheidungen, die sie fällt, werden wir die Belange des Klimaschutzes berücksichtigen.
Einen maßgeblichen Abschnitt des Klimaschutzkonzeptes haben wir das „Handlungsfeld Solarstadt“ genannt. Dieser Titel ist ein wenig verkürzt, denn inzwischen haben wir das Label „Solarstadt Gelsenkirchen“ ausgeweitet zur „Stadt der Zukunftsenergien“ – schließlich wollen wir sämtliche Erfolg versprechende Produktions- und Anwendungsformen erneuerbarer Energien und des Energiesparens in Gelsenkirchen unterstützen.
Dafür steht ein großes Netzwerk mit zahlreichen Partnern bereit: der Wissenschaftspark, der seit Kurzem mit der EnergyLounge ausgestattet ist, als Informations-Drehscheibe; in diesem Gebäude befindet sich zudem auch ein Sitz der EnergieAgentur.NRW. Es gibt dasAm Energieinstitut an der FH Gelsenkirchen, wo sich angehende Ingenieure schon im Studium auf regenerative Energien spezialisieren, wird ebenso hat daswie am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme an innovativen Zukunftskonzepten gearbeitet. Und nicht zuletzt sind die zahlreichen Unternehmen der Branche aus Gelsenkirchen zu nennen – mit ihrer Expertise in der Windkraft, der Nutzung von Biomasse, der Photovoltaik, der Kraftwerkstechnik und der Geothermie. Diesen Energie-Cluster, den wollen und werden wir stärken.
Werben für eine andere Mobilitätskultur
Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld ist der Verkehr, der ein knappes Drittel des in Gelsenkirchen ausgestoßenen Kohlendioxids verursacht. Hier haben wir das größte Einsparpotenzial – und zugleich als Stadt den geringsten Handlungsspielraum. Ein Ausbau des ÖPNV ist in unserer Haushaltssituation kaum möglich und allenfalls denkbar, wenn die Nutzung, der gemessene Bedarf spürbar steigt. Aber ich möchte für eine andere Mobilitätskultur werben: für eine verstärke Nutzung von Fahrrädern, Bussen und Bahnen in der Stadt, für mehr Fahrgemeinschaften, für mehr Car Sharing und saubere Fahrzeuge, für ein besseres Mobilitätsmanagement gerade auch in den Betrieben. Da gibt es ja zahlreiche Möglichkeiten, ein verstärktes Angebot von JobTickets für die Beschäftigten ist nur ein Beispiel.
Gerade beim Thema „Verkehr“ wird es besonders spürbar: Gelsenkirchen lässt sich nicht aus dem Ruhrgebiet herauslösen. Wir haben sehr ähnliche Handlungsbedarfe und Chancen wie die anderen Städte der Region. Diese Tatsache haben wir in der Vergangenheit immer wieder berücksichtigt Deswegen arbeiten wir mit anderen zusammen – zum Beispiel durch unsere Zusammenarbeit mit Herne, Bottrop und Herten beim Ökoprofit-Projekt, aber eben auch bei unserer gemeinsamen Bewerbung für die „Innovation City“ mit der Stadt Herten. Und so wollen wir es auch in Zukunft halten.
Zumal weitere große Ziele anstehen. Energie war nicht nur in der Vergangenheit das große Thema im Ruhrgebiet, Energie und Klimaschutz sind das auch jetzt. Hier zukunftsweisende und marktgängige Lösungen zu finden, das ist unsere Aufgabe – und dieser Aufgabe werden wir uns weiter gemeinsam stellen. So ist hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft angekündigt, im Jahr 2020 eine Klima-Expo mit dem Schwerpunkt im Ruhrgebiet durchführen zu wollen – ein wichtiger Baustein für ein nach der Kulturhauptstadt im zurückliegenden Jahrzehnt zu Recht das neues Dekadenprojekt, mit dem wir in der Region Ressourceneffizienz, Klimaschutz, ökologisches Bauen und Wohnen, umweltfreundliche Mobilität sowie nachhaltige Industriepolitik weiterentwickeln wollen.. Dieses Dekadenprojekt soll 2020 in eine KlimaExpo münden. Bei der wollen undDabei werden wir – die Stadt der Zukunftsenergien – eine wichtige Rolle spielen. Und gemeinsam mit anderen Ruhrgebietsstädten möchten wir auf dem Weg dorthin, im Jahr 2015, Europas Grüne Hauptstadt werden und in diesem Jahr unsere Bewerbung dafür abgeben.
Für diese Projekte und für die zuvor genannten Ziele brauchen wir Ihre Unterstützung und Ihren Einsatz – von dem wir alle profitieren werden. Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Beitrag für die heutige Diskussion und für ihren Beitrag zur Energiewende in Gelsenkirchen!
Glückauf!