27. November 2012, 14:51 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Klimaschützerinnen und Klimaschützer,
warum sind Sie heute hier? Warum sind Sie jetzt nicht zu Hause auf der Couch? Oder gehen Spazieren? Oder Shoppen? Warum schlagen Sie sich Ihren Feierabend um die Ohren, um ein doch immer noch recht abstraktes Thema zu bearbeiten? Ich vermute, es geht Ihnen ähnlich wie mir. Wir wissen doch ganz genau. Von allein wird es nichts mit der Energiewende. Weil Sie wissen, dass es keine Energiewende gibt ohne jemanden, der sie einleitet. Dass es keinen Klimaschutz gibt ohne Klimaschützer. Dass keine Energieversorgung nachhaltig gestaltet wird ohne Gestalter. Kurz: Weil Sie wissen, dass nichts von alleine kommt.
Sie sind heute hier, weil Sie wollen, dass es was wird. Weil Sie wissen, dass es gar nicht sein darf, dass es nichts wird mit der Energiewende. Und weil Sie wissen, dass es nur was wird, wenn jeder einzelne von Ihnen, von uns etwas dazu beiträgt. Am Ende ist nämlich auch ein so abstraktes Thema wie Klimaschutz ganz beängstigend konkret. Es geht uns an. Es fordert uns auf, uns zu verhalten. Vielleicht auch anders als bisher. Denn wenn wir wollen, dass der Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid in Gelsenkirchen bis zum Jahr 2020 um 25 Prozent sinkt, dann müssen wir was tun. Und was – dazu gibt unser Klimaschutzkonzept zahlreiche Antworten. Aber das allein reicht noch nicht. Wir wollen heute gemeinsam neue Ideen entwickeln.
Das Thema Energie hat eine lange und starke Tradition
Als Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener wissen Sie, dass es etwas gibt, mit dem wir uns besonders gut auskennen: Energie. Wie sollte es auch anders sein in einer Stadt, die mit Stolz den Titel „Stadt der tausend Feuer“ trug? Hier hat das Thema Energie eine lange und starke Tradition. Zwischenzeitlich war Gelsenkirchen die größte Bergbaustadt Europas. Doch diese Zeiten sind unwiederbringlich vorbei.
Bei allem berechtigten Stolz auf das Vergangene müssen wir zukünftig wegkommen von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und irgendwann auch Gas. Wir werden sie noch eine ganze Weile brauchen, keine Frage. Nutzen sollten wir sie aber so umweltschonend und effizient wie möglich. Die fossilen Ressourcen werden in einer energiehungrigen Welt immer knapper, die aus ihnen erzeugte Energie immer teurer. Und: Ihre Verbrennung belastet die Umwelt, beeinflusst das Klima und führt in der Folge zu zum Teil verheerenden Naturkatastrophen. Da erzähle ich Ihnen nichts Neues.
Wer heute sagt, er kennt sich aus mit Energie, der setzt auf Energieeinsparung, auf Effizienz sowie erneuerbare Energien und schafft damit Arbeitsplätze. So wie wir es in unserer Stadt tun. In Gelsenkirchen, der Stadt der Zukunftsenergien sind Arbeit und Umwelt kein Widerspruch.
Schauen Sie sich um in unserer Stadt. Wir haben uns auf den Weg von der Kohle zur Sonne gemacht. Hier finden Sie zum Beispiel über 150 Solaranlagen. Auf über 2000 Quadratmetern Fläche wird mit der Kraft der Sonne in solarthermischen Anlagen Wärme erzeugt. Wir haben in Bismarck die erste Solarsiedlung des Ruhrgebiets errichtet.
Doch wir setzen nicht nur auf die Sonne. In Sichtweite des heutigen Veranstaltungsortes steht die erste Klimaschutzsiedlung des Landes Nordrhein-Westfalen. Dort setzt man mit Wärmedämmung und einem ausgefeilten System der Wärmerückgewinnung auf Energieeffizienz.
Auf einem guten Weg in der Stadt der Zukunftsenergien
Hier, im Wissenschaftspark, hat übrigens die Energielounge NRW ihren Standort, wo man sich über die Energieregionen des Landes informieren kann. Es ist kein zufällig gewählter Standort. Schließlich ist der Wissenschaftspark ein etablierter Veranstaltungsort wenn es um Zukunftsenergien geht. Für sein Engagement bei erneuerbaren Energien ist er über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
In unserer Stadt gibt es weithin sichtbare Windräder, wird Grubengas ebenso genutzt wie Biogas, werden Brennstoffzellen, Wärmepumpen und Komponenten für Windenergieanlagen produziert. Diese Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen. Wir befinden uns also auf einem guten Weg in unserer Stadt der Zukunftsenergien. Aber wir müssen noch besser werden. Noch viel besser.
Dabei kommt es eben nun entscheidend auf Sie an. Auf die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener. Auf Ihre Ideen, auf Ihr Engagement, auf Ihre Beharrlichkeit. Dabei gibt es sicherlich Themenfelder, die wir noch stärker in den Blick nehmen müssen. Wie können wir zum Beispiel mit unserem Konsumverhalten den Klimaschutz stärken? Selbst Öko-Strom beziehen, regionale Produkte kaufen, im Stadtteil einkaufen statt auf der grünen Wiese? Ich bin mir sicher, dass schon diese Auftaktveranstaltung viele neue Ideen bringen wird. Wir brauchen diese vielen kleinen Schritte auf unserem sicherlich noch langen Weg. Das wird uns allen noch viel Energie abverlangen.
Aber mit Energie kennen wir uns ja aus und das schon seit Jahrzehnten und immer wieder neu. Und so ist der Gruß auch am Ende dieser Rede keineswegs veraltet oder nur rückwärtsgewandt. Im Gegenteil!
Ihnen allen ein herzliches
Glück auf!