16. Dezember 2012, 08:51 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Aktive des Gelsenkirchener Kreuzbundes,
herzlichen Dank für Ihre Einladung zur heutigen Jubiläumsfeier, der ich sehr gerne gefolgt bin. Ich bin ihr gerne gefolgt, weil ich Ihnen einerseits natürlich gratulieren möchte; aber auch weil ich es richtig und gut finde, dass Sie dieses 25-jährige Jubiläum und damit auch sich selbst feiern. Selbst wenn das vielleicht ein wenig im Kontrast steht zu Ihrer alltäglichen Arbeit, die Sie ja eher im Stillen leisten, in geschlossenen Räumen. Die viel Zeit und Geduld, jedoch kein Publikum braucht.
Aber obwohl der Stadtverband Kreuzbund nicht auf der vermeintlich großen Bühne tätig ist, sollten wir uns nicht täuschen lassen. Über die Bedeutung des Stadtverbandes des Kreuzbundes sagt das wenig aus. Im Gegenteil. Um es einmal deutlich zu formulieren: Der Stadtverband Kreuzbund mit all seinen Gruppen und Mitwirkenden gehört in meinen Augen zu den wirklich wichtigen und unverzichtbaren Einrichtungen in unserer Stadt!
Denn das, was Sie, meine Damen und Herren, gemeinsam in den vergangenen Jahren geleistet haben und hoffentlich auch weiter leisten werden, das lässt sich nicht einfach ersetzen. Und das macht sich bemerkbar. Vielleicht nicht in den Zeitungen und im Fernsehen, aber im echten Leben. Im Leben des oder der einzelnen Suchtkranken, der endlich wieder die Chance erhält, sein Leben in den Griff zu bekommen. Im Leben der Menschen, die dem oder der Suchtkranken nahe stehen. Und was wäre wichtiger als das?
Uns allen ist klar: Ohne die ehrenamtliche Selbsthilfe, ohne die gegenseitige Unterstützung der Betroffenen gäbe es keine effektive Suchthilfe. Ohne diese Hilfe wären vermutlich auch professionelle Therapeuten machtlos. Ihre gemeinsame Arbeit ist maßgeblich dafür, um auch die seelische Abhängigkeit von Alkohol oder Medikamenten nach und nach zu lösen. Dafür braucht es in einer Gesellschaft, in der Suchtmittel allgegenwärtig sind, viel Widerstandskraft. Kraft, die eine einzelne Person kaum aus sich allein heraus aufbringen kann, sondern die sich eigentlich nur in einer Gruppe, in einer Gemeinschaft entwickeln lässt.
Gesellschaft hat eine Verantwortung für Suchterkrankungen
Trocken zu werden, ist ein schwieriger Schritt, und es zu bleiben, eine Lebensaufgabe. Mit der dürfen wir niemanden allein lassen, denn natürlich hat unsere Gesellschaft eine Verantwortung für Suchterkrankungen. Sie trägt ja nicht wenig dazu bei, dass Menschen süchtig werden. Wer von uns hat schon sein erstes Bier nicht aus Geselligkeit getrunken? Und wäre der Missbrauch von Medikamenten wirklich so weit verbreitet, wenn die Gesellschaft nicht von jedem erwartet, dass er jederzeit leistungsfähig und gut gelaunt ist?
Möglicherweise sind diese permanenten Versuchungen, denen wir alle ausgesetzt sind, auch der Grund, warum in unserer Gesellschaft so ausgiebig über das Thema Alkohol- und Medikamentensucht geschwiegen wird. So, als sei eine Gefahr aus der Welt, wenn man sie nicht beachtet.
Wir arbeiten in unserer Stadt mit daran, dieses Tabu aufzubrechen. Viele unterschiedliche Stellen und Organisationen aus Gelsenkirchen haben in diesem Jahr die Kampagne „100 % (er)leben“ durchgeführt, um auf Suchtgefahren hinzuweisen und Widerstandskräfte bei jungen Leuten zu stärken. Eine ganz wichtige Rolle dabei haben Mitglieder des Gelsenkirchener Kreuzbundes übernommen. Einige von Ihnen, meine Damen und Herren, sind als Experten in eigener Sache aufgetreten. Sie haben Schülerinnen und Schüler aus Ihren Erfahrungen berichtet und dabei sehr wichtige, sehr überzeugende Aufklärungsarbeit geleistet. Und dieser Beitrag, der beeindruckt die Jugendlichen, und er beeindruckt auch mich. Denn ganz sicher ist es nicht einfach, seine schmerzlichen Erlebnisse öffentlich zu schildern. Aber Sie sind in der Lage dazu, Sie haben den Mut dazu und können damit sehr viel bewirken. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken!
Meine Damen und Herren,
hinter jeder Sucht steht ein persönliches Drama. Die Tatsache, dass viele von Ihnen die eigene Sucht mit Erfolg bekämpft haben, dass viele nun helfen, die Sucht eines anderen zu bekämpfen, die macht natürlich Hoffnung.
Viele Menschen haben in den 25 Jahren, in denen es den Stadtverband Kreuzbund Gelsenkirchen gibt, ihre Abhängigkeit in den Griff bekommen. Das ist ein großartiger Erfolg, zu dem ich Ihnen noch mehr als zum Jubiläum gratulieren möchte!
Herzlichen Dank für Ihre Arbeit!
Glück auf!