19. April 2013, 14:35 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Bildung – so lautet ein Satz aus den 1960er-Jahren, der bis heute nichts von seiner Kraft eingebüßt hat – Bildung ist ein Menschenrecht. Ralf Dahrendorf hat das als erster so bündig formuliert, und seine Aussage steht für eine in der Bundesrepublik der 60er- und 70er-Jahren weit verbreitete Aufbruchstimmung. Für eine Zeit, in der eine echte Bildungsexpansion in Gang gesetzt wurde. Als Volkshochschulen gegründet, die Berufsbildung verbessert und das BAföG geschaffen wurden. Als das Ruhrgebiet endlich Universitäten und Fachhochschulen bekommen hat. Als dafür gesorgt wurde, dass auch Arbeiterkinder eine Chance auf das Abitur und auf ein Studium erhalten – wovon viele unter uns profitiert haben. Auch ich.
Heute nun, meine Damen und Herren, ist unsere Bildungslandschaft wieder stark in Bewegung geraten. Abermals wollen wir Bildungsangebote ausweiten und besser zugänglich machen. Erneut wollen wir die Chance auf Bildung und Bildungserlebnisse erhöhen, Benachteiligungen reduzieren oder am besten ganz beseitigen. Angefangen von den Anstrengungen für frühkindliche Bildung bis hin zum Ausbau des lebenslangen Lernens.
Allerdings, und das ist der Unterschied zu den 1960er und 1970er-Jahre, wird es dieses Mal nicht damit getan sein, neue Schulen und Hochschulen zu bauen, mehr Gebäude zu errichten. Nein, unsere Bildungsexpansion muss anders aussehen. Und das tut sie auch.
Wir sind ja bereits in den vergangenen Jahren in Gelsenkirchen ziemlich weit gekommen. An ganz unterschiedlichen Stellen haben Sie, meine Damen und Herren, haben wir schon vieles bewegt: in den Schulen, bei der vorschulischen, aber auch bei der außerschulischen Bildung. Eine Vorstellung davon, was Sie, was wir alles auf die Beine gestellt haben, liefert ja die hier präsente Ausstellung mit gut 40 Projekten. Und die Stadt beteiligt sich an diesen Anstrengungen nach Kräften, ich verweise nur auf die früh einsetzende Gelsenkirchener Bildungs- und Familienpolitik, die unter Fachleuten als vorbildlich gilt und mit der wir, denke ich, auch nicht ganz umsonst Modellkommune beim Landesprojekt „Kein Kind zurücklassen!“ geworden sind.
Bei der aktuellen Bildungsexpansion geht es nicht darum, mehr vom Bestehenden zu leisten – sondern darum, das Bestehende besser zu machen: Wir können und müssen die einzelnen Abschnitte in den Bildungsbiografien stärker verzahnen, die Übergänge besser gestalten, die verschiedenen Bildungsträger können und müssen noch enger zusammenarbeiten, wir können und müssen auch die Chancen des außerschulischen Lernens intensiver nutzen.
Und vor allem stehen wir vor der Herausforderung, dem individuellen Bedarf des einzelnen Kindes, des einzelnen Jugendlichen stärker gerecht zu werden. Zwar werden wir nicht zu einem Betreuungsschlüssel von einem Lehrer auf zwei oder drei Schüler kommen. Aber wir müssen dennoch im Auge behalten, dass Bildung immer ein individuelles Erlebnis ist, dass es stets darum geht, dass ein einzelner Mensch seine Potenziale kennenlernt und seine Fähigkeiten entfaltet. Und darum sind wir heute hier: Dass wir in diesem Bereich noch etwas besser werden und vereinbaren, wie wir in Gelsenkirchen das schaffen können und schaffen wollen.
Ich bin gespannt auf Ihre Ideen und wünsche uns eine spannende Konferenz!
Glück auf!