12. März 2015, 10:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Häuser sind für die Menschen da, die sie bewohnen und beleben, in ihnen arbeiten und wirken. Zugleich erzählt jedes Haus aber auch etwas von der Zeit, in der es gebaut wurde – und von den Personen, die es errichtet haben. Darum werde ich eines der spektakulärsten Gebäude in unserer Stadt, unser Musiktheater im Revier, auch künftig mit dem jüngst verstorbenen Architekt Werner Ruhnau verbinden.
Kaum ein Haus in Gelsenkirchen ist bekannter als dieses. Unübersehbar platziert am Abschluss der Altstadt und der Ebertstraße, fasziniert das MiR nicht nur uns Gelsenkirchener, sondern auch Architekturfreunde aus aller Welt. Immer wieder kommen Gäste nach Gelsenkirchen, nur um sich dieses Haus anzuschauen. Und selbst Fußballfans der Gästemannschaften, die am Wochenende mit der Straßenbahn zur Arena fahren, staunen über die riesige Glasfassade, die sie auf der linken Hand passieren. Eigentlich würde ich sie gerne mal einladen, für ein paar Minuten auszusteigen, sich das Foyer anzuschauen und die Schwammwände von Yves Klein auf sich wirken zu lassen. Oder vielleicht einmal für eine Aufführung wiederzukommen.
Dann würden sie sehen: Dieses Haus macht Hochkultur leicht und elegant, auch ein halbes Jahrhundert nach der Eröffnung. Und vielleicht würden sie sogar ein Gefühl dafür bekommen, was für ein mutiger Schritt das in den 1950er-Jahren war, als die Stadt der 1.000 Feuer sich eine solche Spielstätte leistete. Auf alten Fotos sieht man ja noch gar nicht so weit hinter dem MiR die rauchenden Schornsteine.
Das Musiktheater war seinerzeit ein starkes und stolzes Bekenntnis unserer Stadt zu ihrer Zukunft – und dafür, dass auch eine Arbeiterstadt in punkto Kultur nicht hinter den alten Residenzstädten zurückstehen braucht. Was ich bis heute völlig richtig finde. Warum sollte sie das auch? Berühmte Künstler wie Yves Klein, Jean Tinguely und Norbert Kricke kamen nach Gelsenkirchen, um an der Gestaltung eines Hauses mitzuwirken, bei dem Architektur und Kunst eine ganz neue Einheit bilden sollten.
Ruhnaus Werk der Baukunst bringt deshalb eine Verpflichtung mit sich: Wir müssen dieses besondere Haus gut erhalten und wollen es auch möglichst gut bespielen. Natürlich kostet das Geld. Doch es ist hier gut angelegt.
Denn: Dieses Theater ist ein Schmuckstück unserer Stadt und ein Ort der Inspiration für alle, die sich darauf einlassen. Nicht umsonst öffnet es sich mit der Glasfassade ganz zur Stadt und ist der Ausgangspunkt der städtebaulichen Achse, die wir gerade auf der Ebertstraße entlang des neuen Hans-Sachs-Haus bis zum Heinrich-König-Platz neu gestalten.
Werner Ruhnau war stets daran interessiert, Menschen zu ermutigen und zu ermuntern, ihre schöpferischen Fähigkeiten lebendig zu erhalten und spielerisch umzusetzen. Bis in sein 93. Lebensjahr hat er regelmäßig Führungen in seinem und unserem Theater gegeben und die Begeisterung für dieses Haus weitergereicht.
Schade, dass er nicht mehr unter uns ist.
Ihr
Frank Baranowski