01. Juli 2015, 08:00 Uhr | Stadtbibliothek Gelsenkirchen
Enthält: Sinfonie Nr. 1 F-dur / Sinfonie Nr. 2 Es-dur
Interpreten: David Porcelijn (Dirigent)/sinfonie-Orchester Enschede
Katalogtitel: Gilse, Jan van: Sinfonien
1 CD, 2008
STH 7 GIL
Zentralbibliothek
Kurzbiographie:
Van Gilses Vater war Journalist, seine musikalische Begabung wurde jedoch früh erkannt und gefördert. Nach der Schulzeit studierte er ab 1897 am Konservatorium Köln bei Franz Wüllner Komposition und Dirigieren. 1902 erhielt er für seine 1. Sinfonie einen Preis des Bonner Vereins „Beethovenhaus“. Nach dem Tod Wüllners wechselte van Gilse nach Berlin und schloss seine Ausbildung bei Engelbert Humperdinck an der Akademie der Künste ab. 1905 bis 1908 wirkte er als Korrepetitor und Dirigent an der Städtischen Oper Bremen. 1909 heiratete er Alida Henriette Hoijer. Dank des Rom-Preises der ostpreußischen Michael-Beer-Stiftung (vergleichbar mit dem französischen Prix de Rome), den er im gleichen Jahr für seine 3. Sinfonie erhielt, verbrachte er einige Zeit in Rom und übersiedelte dann nach München. 1917 übernahm van Gilse die Leitung des Utrechter Stedelijk Orkest (USO). Nach ständigen Auseinandersetzungen mit dem jungen Musikkritiker und Komponisten Willem Pijper legte er das Amt 1922 nieder (eine Autobiographie, in der van Gilse seine Utrechter Zeit beschreibt, wurde postum 2003 gedruckt). Es folgten Aufenthalte in Zürich und – von 1927 bis 1933 – Berlin. In dieser Zeit wirkte er auch als Gastdirigent u.a. in Köln und München. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung verließ van Gilse Deutschland und übernahm die Leitung des Konservatoriums und der Musikschule Utrecht, gab das Amt aber 1937 auf, um sich stärker der Komposition widmen zu können. Im Zweiten Weltkrieg spielte van Gilse eine wichtige Rolle im Widerstand gegen das deutsche Besatzungsregime und musste in den Untergrund gehen. Seine beiden Söhne, ebenfalls im Widerstand, wurden von Besatzern erschossen. In Oegstgeest, wo er mit Unterstützung des Komponisten Rudolf Escher zuletzt untergetaucht war, erkrankte van Gilse schwer und verstarb im September 1944. Um seine Helfer nicht in Gefahr zu bringen, musste er dort unter einem anderen Namen beerdigt werden. (Wikipedia)
CD-Information:
Georgsmarienhütte liegt nur ca 80 km von der holländischen Grenze entfernt, also war es eigentlich überfällig, dass ich nach Schweden, Dänemark, der Türkei und noch weiteren Ländern endlich auch mal unser nächstes Nachbarland cpo-mäßig systematisch erforsche. Bisher also Röntgen und Badings als wahre Juwelenfunde, nun ein dritter Name: Jan van Gilse (sprich: Chilse, ch wie in Kuchen). Richard Strauss kannte und schätzte ihn, und fragte z. B. 1933 an, ob er sich auf internationaler Ebene für die weltweiten Rechte von Komponisten einsetzen wollte. Van Gilse, der bis dahin immer zwischen Deutschland und Holland seinen Wohnsitz gewechselt hatte, lehnte ab, um nicht von den Nazis missbraucht werden zu können. Sein Widerstand gegen die neuen Machthaber war unbeugsam: „In einem Land, wo die Kunst nicht ihrem Werte, sondern ihrer Rasse nach beurteilt wird, will ich meine Werke nicht aufgeführt wissen.“ Als er 1944 an Krebs starb, war er in den besetzten Niederlanden verleumdet und vergessen. Jetzt also die verdiente Rehabilitation: van Gilse war beileibe kein Neutöner. Fest stand er auf den Fundamenten der tonalen Spätromantik und schrieb Musik von gleißender Schönheit. (jpc)