Demonstration & Kundgebung
Aufruf der Demokratischen Initiative zum Gedenken an die Pogrome in der so genannten Reichskristallnacht
02. November 2010, 11:31 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Die Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen ruft zu einer Demonstration und Kundgebung am 9. November 2010 zum Gedenken an die Pogrome in der so genannten Reichskristallnacht auf.
Programm:
18.30 Uhr: Treffen vor dem Elisabeth-Krankenhaus, Cranger Straße 226 in Gelsenkirchen-Erle
Von dort aus Schweigezug zum Platz vor der Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“
19.00 Uhr: Kundgebung vor der Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“, Cranger Straße 323 in Gelsenkirchen-Erle
Begrüßung: Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Schirmherr der Demokratischen Initiative
Erinnerungsrede: Prof. em. Dr. Günter Brakelmann, Christliche Gesellschaftslehre, Evangelisch-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
Anschließend besteht in der Dokumentationsstätte und der Stadtbibliothek die Möglichkeit für Begegnungen und Gespräche sowie Führungen durch die Ausstellung. Karl-Heinz Rotthoff wird im Haus an der Cranger Straße seine Bilderserie „Der Kreuzweg des 20. Jahrhunderts“ zeigen, die die biblischen Stationen des Kreuzweges mit dem Verbrechen des Nationalsozialismus verbindet.
Die Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen ruft alle Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener auf: Beziehen Sie mit Ihrer Teilnahme an der Demonstration und Kundgebung Stellung!
Für Respekt, Toleranz und Zivilcourage -
gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die noch in Deutschland lebenden jüdischen Menschen, das zynisch „Reichskristallnacht“ genannt wurde. Menschen wurden misshandelt und getötet. Bei diesem Pogrom wurden in ganz Deutschland die Synagogen in Brand gesteckt und noch bestehende Geschäfte jüdischer Bürgerinnen und Bürger zerstört.
Auch bei uns in Gelsenkirchen wurden die Synagogen in Gelsenkirchen und Buer in Brand gesetzt. Zahlreiche Geschäfte an den Einkaufsstraßen der Stadt wurden verwüstet, Menschen wurden gequält, ihr Hab und Gut vernichtet, viele wurden inhaftiert. Die Verbrechen dieser Nacht, waren ein neuer Höhepunkt des von breiten Bevölkerungskreisen getragenen Antisemitismus‘ und des staatlich legitimierten Terrors gegen die jüdische Bevölkerungsgruppe - nach Boykotten, vielfältiger Diskriminierung, Nürnberger Rassegesetzen, fortschreitender Ausplünderung durch so genannte Arisierungen und tagtäglichen Erniedrigungen.
Nach der Zerstörung der Synagogen und insbesondere mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges gingen die Nationalsozialisten und ihre Helfer zur systematischen Ermordung der europäischen Juden über. Die entrechteten Juden, die nicht aus Gelsenkirchen hatten fliehen können, wurden schließlich ab Anfang 1942 vor den Augen der Bevölkerung in Ghettos und Lager deportiert. Die weitaus meisten der Deportierten wurden schließlich ermordet oder Opfer der bewusst geschaffenen Bedingungen in den Lagern.
Diskriminierung, Entrechtung und Misshandlung sowie schließlich die Deportationen aus Gelsenkirchen fanden in aller Öffentlichkeit und für zahlreiche Gelsenkirchener sichtbar statt. Etliche profitierten von der Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland. An diesen Verbrechen waren viele Menschen beteiligt, noch mehr wussten oder ahnten zumindest, was geschah.
Seit 1964 erinnern Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener regelmäßig in Gedenkveranstaltungen am Abend des 9. November an die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung.
Wie notwendig Erinnerung ist, zeigen Parolen alter und neuer Rechtsextremisten und auch der überall in Europa erstarkenden Rechtspopulisten. Den Taten der Rechtsextremisten und jedem antidemokratischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Denken muss frühzeitig entgegengetreten werden - das lehrt die historische Erfahrung. Gerade in Nordrhein-Westfalen haben in jüngster Zeit immer wieder Bürgerinnen und Bürger ganz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung in ermutigender Weise gegen neue Rechtsextremisten, Antidemokraten und fremdenfeindliche Populisten Farbe bekannt und demonstriert.
Gelsenkirchen hat eine lebendige Erinnerungskultur - das soll auch die Veranstaltung an der 1994 eröffneten Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“ zeigen. Allerdings belegen Veranstaltungen von Rechtsextremisten und Wahlergebnisse, dass auch in unserer Stadt Wachsamkeit und Aufklärung über die Konsequenzen rechtsextremen Denkens ungebrochen wichtig und notwendig bleiben.
Die Demokratische Initiative ruft alle Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens auf, jeder Form von Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt entschieden entgegenzutreten.
Wachsamkeit, Nachbarschaftshilfe, Mut, Zivilcourage und Engagement im Alltag finden unsere Unterstützung. Demokratie muss täglich gelebt werden, Erinnerung ist ein wichtiger Teil davon.