Säuglingssterblichkeit erfolgreich gesenkt
Gelsenkirchen ist ausgezeichnet… mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2010“
04. November 2010, 16:05 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Das Projekt „Netzwerk und Aktionsprogramm – Gesunder Start ins Leben“ der Gesundheitskonferenz der Stadt Gelsenkirchen erhält den mit 5.000 Euro dotierten „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2010“. Das hat das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter heute mitgeteilt. In der Begründung erklärte Ministerin Barbara Steffens: „Die in Gelsenkirchen etablierten Maßnahmen haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Säuglingssterblichkeit dort kontinuierlich gesunken ist“.
Oberbürgermeister Frank Baranowski beglückwünschte das Netzwerk und alle Beteiligten der Stadt Gelsenkirchen, die dieses Projekt mit viel Engagement über viele Jahre vorangetrieben haben: „Ich freue mich über diese Auszeichnung, noch mehr freue ich mich allerdings darüber, dass es uns gelungen ist, die Säuglingssterblichkeitsquote zu senken und Leben zu retten. Dieser Erfolg zeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir wissen aber auch, dass wir diesen Weg weiter konsequent verfolgen müssen.“
Der „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen“ wird jährlich im Rahmen der von der Landesgesundheitskonferenz beschlossenen Landesinitiative „Gesundes Land Nordrhein-Westfalen“ vergeben. Im diesem Jahr lautete der Titel: „Für einen guten Start ins Leben: Kindergesundheit in Nordrhein-Westfalen verbessern“. Insgesamt haben sich 65 Institutionen mit ihren Projekten beworben.
Das Gelsenkirchener „Netzwerk und Aktionsprogramm – Gesunder Start ins Leben“ setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen. Dazu gehört in erster Linie eine ressortübergreifende und interdisziplinäre und Kooperation aller beteiligten Expertinnen und Experten im Netzwerk GEsunder Start ins Leben. Das Netzwerk entwickelte einen Katalog von Maßnahmen und Angeboten, der von allen Beteiligten getragen und begleitet wird. Durch die enge Verzahnung der örtlichen Einrichtungen und Professionen wurde eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Senkung der Säuglingssterblichkeit geschaffen.
Das Netzwerk setzt sich zusammen aus Vertreter/innen der niedergelassene Gynäkolog/innen und Kinderärzt/innen, Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Familienzentren, aller Gelsenkirchener Geburts- und Kinderkliniken, den Referaten Erziehung und Bildung sowie Gesundheit und der „Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod e.V.“
Die Gelsenkirchener Angebote und Projekte:
Frühe Intervention und Hilfen durch den Einsatz von zwei weiteren Familienhebammen im Referat Gesundheit
Schwangere Frauen, Mütter und ihre Säuglinge, die besonderen gesundheitlichen und psychosozialen Risiken ausgesetzt sind, werden in Gelsenkirchen verstärkt durch aufsuchende lebenspraktische Hilfen von Familienhebammen unterstützt, um Überforderungssituationen frühzeitig zu verhindern und damit die Risiken für eine Frühgeburt bzw. für eine Kindesvernachlässigung zu minimieren. Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise Suchtprobleme, psychische Auffälligkeiten oder Krankheiten der Eltern, frühe bzw. ungewollte Schwangerschaft, familiäre Konflikte und Gewalt, ein niedriger sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund, Entwicklungsauffälligkeiten des Kindes, etc.
Mehrsprachige Informationsveranstaltungen
Im Rahmen des Projektes „Mit Migranten für Migranten“ (MiMi) wurden engagierte Migrant/innen als interkulturelle Gesundheitsmediator/innen gewonnen und geschult. Diese informieren ihre Landsleute in der jeweiligen Muttersprache über das deutsche Gesundheitssystem sowie über weitere gesundheitliche Themen. In diesem Zusammenhang werden derzeitig verstärkt Informationsveranstaltungen zum Thema „Schwangerschaftsvorsorge“ angeboten, um die Inanspruchnahme der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen durch Migrantinnen zu erhöhen.
Aufsuchende Betreuung von schwangeren Migrantinnen
Vor dem Hintergrund einer überdurchschnittlich hohen Säuglingssterblichkeit bei Kindern aus Migrantenfamilien ist das Gesundheitsprojekt „MiMi - Mit Migranten für Migranten“ ausgeweitet worden, in dem ausgewählte Gesundheitsmediatorinnen ergänzend zu ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld Hausbesuche bei schwangeren Migrantinnen, die einen Unterstützungsbedarf haben, durchführen. Damit soll gewährleistet werden, dass Migrantinnen lebenspraktische Unterstützung erhalten und gezielt an das hiesige Gesundheitssystem herangeführt werden, etwa durch die Teilnahme an Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen. Die Besuche erfolgen in enger Kooperation mit den Familienhebammen des Referates Gesundheit.
Reduzierung der Frühgeburtenrate durch Screening von Infektionen
Durch gezieltes Screening und Behandlung von Vaginalinfektionen kann die Frühgeburtenrate, die mit einer höheren Säuglingssterblichkeit einhergeht, signifikant verringert werden. Hierzu können entzündungshemmende Scheidenzäpfchen angewandt werden, die jedoch nicht mehr verordnungsfähig sind. Auf Initiative des Berufsverbandes der Frauenärzte wurde mit einer Pharmafirma eine Sondervereinbarung für Gelsenkirchen getroffen. Sie beinhaltet, dass die Firma den niedergelassenen Gynäkolog/innen ein entsprechendes Medikament für einkommensschwache Frauen kostenlos zur Verfügung stellt. Ziel ist es, durch die kostenlose Vergabe die Bereitschaft, dieses Medikament anzuwenden zu erhöhen und damit einen Rückgang des Anteils an Frühgeburten, die durch Scheideninfektionen ausgelöst sind, zu erreichen.
Handlungsstrategien gegen Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft
Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit von Mutter und Kind ganz erheblich. So erhöhen sich allein durch das Rauchen die Risiken für eine Frühgeburt um ein Vielfaches. Bereits der Genuss von kleineren Alkoholmengen kann irreversible Schädigungen beim Fötus hervorrufen. Im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen wurden daher Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Ziel ist es, den Alkohol- und Nikotinkonsum in der Schwangerschaft zu senken und damit die Frühgeburtenrate zu reduzieren.
Babyschlafsack-Aktion:
Jedem Baby einen Schlafsack!
Die Nutzung von Babyschlafsäcken gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen den plötzlichen Säuglingstod (SIDS). Um eine breite Inanspruchnahme zu erreichen, wurde im März 2009 die Gelsenkirchener Babyschlafsack-Aktion gestartet. Durch eine großzügige Spende der Sparkasse Gelsenkirchen ist es seitdem möglich, allen Eltern bei der Entlassung aus der Geburtsklinik einen hochwertigen Babyschlafsack als Geschenk zu überreichen. Gelsenkirchen war damit die erste Kommune in NRW, die diese Aktion flächendeckend anbietet.
Stillkampagne als gesundheitsfördernde
Maßnahme für Mutter und Kind
Zu den einzelnen Maßnahmen der Stillkampagne zählt die Vergabe des Labels „BABYFREUNDLICH wird bei uns groß geschrieben!“ als Anreiz für Gaststätten und Hotels, ein babyfreundliches Signal zu setzen und damit einen wichtigen Beitrag zur Familienfreundlichkeit in Gelsenkirchen zu leisten.
Hinweis an die Redaktionen: Weitere Informationen erhalten Sie bei Angelika Rasseck unter der Rufnummer 0209 1692253.