16. März 2011, 14:30 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Ein besonders feierlicher Moment im Amt eines Oberbürgermeisters ist immer wieder die Verleihung einer Auszeichnung des Bundesverdienstordens. Das liegt nicht nur daran, dass es relativ selten vorkommt – viel seltener als noch vor einigen Jahren. Das liegt nicht nur an dieser staatstragenden Amtskette, die ich bei dieser Gelegenheit trage. Es liegt auch am würdigen Rahmen hier im Schloss Horst. Das ist ja auch der Grund, weshalb sich so viele Paare hier das Ja-Wort geben. Nicht zuletzt Sie, lieber Herr op de Weegh, haben sich hier im Schloss getraut. Insofern ist dies genau der richtige Ort, um Ihre Verdienste zu würdigen.
Lieber Herr op de Weegh,
für mich sind Sie ja fast so etwas wie ein alter Bekannter. Schließlich hatte ich vor knapp zwei Jahren schon einmal die Freude, Ihr Wirken beim Tag des Ehrenamtes zu würdigen. Seit über zehn Jahren unterstützen Sie nun die Arbeit der Arche Noah. Für die Kurzzeiteinrichtung und das Hospiz für Kinder am Marienhospital sammeln Sie Spenden, indem Sie Jahr für Jahr eine große Gala organisieren. Wie ich hörte, haben Sie bei der elften Veranstaltung im vergangenen November erneut eine Rekordsumme zusammen bekommen. Dieses Geld wird wiederum dabei helfen, den Kindern und ihren Angehörigen letzte Tage und Stunden erträglicher zu machen.
Ein solches Ehrenamt, das viele Stunden Vor- und Nachbereitung auf eine solche Gala beinhaltet, ist nicht immer leicht. Aber es bereitet auch Freude. Anders ist es nicht zu erklären, dass in Deutschland jedes Jahr Millionen von Menschen ehrenamtlich aktiv werden. Bundesweit sind immerhin ein Drittel aller Menschen über 16 Jahren in irgendeiner Weise ehrenamtlich engagiert.
Der „Ehrenamtsatlas Deutschland“ hat einmal den Versuch unternommen, den volkswirtschaftlichen Wert ehrenamtlicher Arbeit zu ermitteln. Die 16,2 Stunden, die pro Freiwilligem in Deutschland monatlich und durchschnittlich geleistet werden, entsprechen demnach rund 3,2 Millionen Vollarbeitsstellen. Bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro ergäbe das einen Wert von 35 Milliarden Euro. Sicher ist das eine hypothetische Betrachtung – aber auch ein imposanter Wert.
Die Motive, warum Menschen Menschen helfen, sind dabei vielfältig: Manchen geht es darum, etwas in ihrem direkten Lebensumfeld zu verbessern. Andere möchten sich jenseits ihres Wohnumfelds betätigen. Wieder andere, schauen noch etwas weiter über den Tellerrand und erblicken dabei jenseits der Landesgrenzen Orte, in denen es sich zu helfen lohnt.
Ich finde, dass das ehrenamtliche Engagement leider oft nicht die Würdigung erfährt, die es verdient hätte. Umso mehr freue ich mich, heute eine wirklich verdiente Persönlichkeit auszeichnen zu dürfen. Damit wird auch das öffentliche Bewusstsein gestärkt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für unsere Gesellschaft tatsächlich ist. Bürgerschaftliches Engagement ist nicht nur wegen der Ergebnisse, wegen der guten Tat wichtig, sondern auch, weil es das Bewusstsein fördert, Teil der Gesellschaft zu sein und so Zusammenhalt herstellt. Und darauf sind wir angewiesen, denn wir müssen verhindern, dass das Band der gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten zerfasert oder gar zerreißt.
Ganz in diesem Sinne haben Sie sich, lieber Herr op de Weegh, für die Gesellschaft eingesetzt. Deshalb hat sich der Bundespräsident auf Vorschlag der Ministerpräsidentin entschlossen, Ihnen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Der Orden ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Er wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger verliehen für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, auch Verdienste aus dem sozialen, karitativen und mitmenschlichen Bereich.
Lieber Herr op de Weegh,
bevor ich zur Verleihung des Ordens komme, danke ich Ihnen ausdrücklich im Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gelsenkirchen für Ihr nicht selbstverständliches Engagement. Ich gratuliere Ihnen herzlich zur Verleihung dieser Auszeichnung, die ich Ihnen nach dem Verlesen des Verleihungstextes im Namen und mit den Glückwünschen der Ministerpräsidentin überreichen darf.
Sehr geehrter Herr op de Weegh, die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wird vom Bundespräsidenten wie folgt begründet [Die Begründung wird in gekürzter und bereinigter Form wiedergegeben.]:
Herr Gerhard op de Weegh hat durch sein langjähriges Engagement im sozialen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.
Herr op de Weegh ist verheiratet und Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern. Sowohl seine verstorbene erste Frau als auch zwei seiner Kinder waren bzw. sind an der unheilbaren und tödlich verlaufenden Krankheit „Chorea Huntington“ erkrankt. Seine erste Frau erlag im Jahr 2000 ihrer schweren Krankheit. Seitdem unterstützt Herr op de Weegh die Arbeit der seit 1999 existierenden „Arche Noah“ durch eine jährlich im November stattfindende Benefiz-Gala in den Räumen der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde in Gelsenkirchen.
In dieser Zeit war die Benefiz-Gala mit rund 300 Zuschauern stets restlos ausverkauft. Dabei ist Herr op de Weegh für alle organisatorischen Vor- und Nachbereitungen verantwortlich – unter anderem für die Auswahl von und die Terminabsprachen mit Künstlern, Verhandlungen mit Sponsoren, Anmietung und Ausstattung des Veranstaltungsraumes sowie Sammlung und Transport von Spenden. Auch der Vorverkauf der Eintrittskarten für die Veranstaltung liegt weitgehend in seinen Händen.
Zentraler Bestandteil der Benefiz-Gala ist eine Tombola. Deren Preise – bis hin zu Fahrrädern, Fernsehern, Digitalkameras und sonstigen elektronischen und elektrischen Geräten – werden von Herrn op de Weegh in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der heimischen Wirtschaft akquiriert. Jedes Jahr werden auf diese Weise etwa 4.000 Preise im Gesamtwert von rund 140.000 Euro verlost.
Im Rahmen der Verhandlungen erreicht Herr op de Weegh immer wieder, dass die von ihm verpflichteten Künstlerinnen und Künstler – unter ihnen so bekannte Schlagersänger wie Jürgen Drews, Andreas Martin, Gabi Baginsky und Olaf Henning – unentgeltlich auftreten.
Mit seinem Engagement konnte Herr op de Weegh im Rahmen der bisherigen elf Benefiz-Galas mehrere zehntausend Euro erwirtschaften, die der „Arche Noah“ und dem Förderkreis Kinderhospiz Gelsenkirchen e.V. zugute kamen. Aus diesen Mitteln wurden Personal, Ausstattungsgegenstände und Projekte zum Wohl der betroffenen Kinder finanziert. Hierzu gehören „Klinikclowns“, die jede Woche in die „Arche Noah“ kommen, um die kleinen Patientinnen und Patienten aufzuheitern. In den Ferien besucht eine „mobile Tierfarm“ mit Kaninchen, Rennmäusen, Pony und Esel die Kinder im Garten der „Arche Noah“.
Darüber hinaus hat Herr op de Weegh durch die große und positive Resonanz der Veranstaltungen auf die Arbeit der Einrichtung aufmerksam gemacht.