31. März 2011, 14:33 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Die Historie von Buer reicht weit zurück: Im Jahr 1003 wurde Buer erstmals urkundlich erwähnt. (1448 bekam Buer vom Kölner Erzbischof die Freiheitsrechte verliehen.) Ein Anlass aus der jüngeren Geschichte gibt nun erneut Grund zu feiern: Offiziell zum 1. April 1911 erhielt die Gemeinde Buer endlich die Stadtrechte. Bis zur Vereinigung von Gelsenkirchen, Buer und Horst im Jahr 1928 existierte Buer als eigenständiges städtisches Gemeinwesen.
„Buer besitzt auch über 80 Jahre nach dem Zusammenschluss eine starke Bindungskraft und zeigt, dass die Menschen vor Ort an ihrer Heimat hängen und stolz auf sie sind. Auch das ist sicherlich ein Ergebnis der über 1000-jährigen Geschichte“, so Oberbürgermeister Frank Baranowski in seiner aktuellen Kolumne (nachzulesen ab 1. April auf der Gelsenkirchener Webseite).
Mit der Entwicklungsgeschichte der Gemeinde Buer, ihrem Aufstieg zur Stadt und ihrem Weg in die Gegenwart wollen sich das Institut für Stadtgeschichte und der Verein für Orts- und Heimatkunde gemeinsam im „Jubiläumsjahr" in einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen beschäftigen. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe wird in einer Festveranstaltung das Jubiläum gewürdigt, zu der Oberbürgermeister Frank Baranowski am 3. Juni 2011 in die Aula des Leibniz-Gymnasiums einladen wird. 13 weitere Veranstaltungen folgen bis zum 30. November 2011, wenn zum Abschluss führende Vertreter aus Politik und Verwaltung zu einer Podiumsdiskussion zusammenkommen. Titel: "Welche Rolle soll Buer in und für Gelsenkirchen spielen?"
Zurück zur Historie: Buer hatte schon über 60.000 Einwohner als der preußische Obrigkeitsstaat der Gemeinde endlich Stadtrechte verlieh und damit den Bueranern wenigstens einige beschränkte Selbstverwaltungsrechte zum Beispiel in der so wichtigen Stadtplanung in die eigenen Hände gab. Seit 1905 hatte man in Buer über die Beantragung der Verleihung von Stadtrechten diskutiert, im Dezember 1906 in der Gemeindevertretung den Beschluss für einen solchen Antrag gefasst. Wie in vielen anderen Ruhrgebietsgemeinden hatte die Obrigkeit Bedenken, vor allem polizeiliche, weil man die Polizeiverwaltung lieber beim staatlich bestimmten Amtmann und Landrat sah als bei einem gewählten Bürgermeister. Das galt gerade für solche Gemeinden wie Buer mit der so zahlreichen Bergarbeiterschaft und den vielen Zuwanderern, die katholische Prägung war im protestantischen Preußen ein zusätzliches Problem.
Im ganzen Ruhrgebiet wurden so vor dem Ersten Weltkrieg keine Strukturen geschaffen, in denen eine sinnvolle Stadtplanung frühzeitig möglich war. In der wuchernden Agglomeration des Ruhrgebiets bemühten sich die wenigen Beamten und kommunale Praktiker sowie einige Angehörige der nur schmalen Mittelschichten zwischen den Zechenherren und Schlotbaronen und der Masse der mit der alltäglichen Lebensbewältigung ringenden überwiegend zugewanderten Arbeiterschaft um Ordnung und planmäßige Gestaltung. Dabei blieben die frühen Versuche der Gestaltung der Industrieregion eingeklemmt zwischen dem durch das preußische Dreiklassenwahlrecht gewährleisteten Vorrang alter agrarischer Interessen und neuer Industrieinteressen und der damit auch geringen Finanzkraft der ja nicht nur im Falle von Buer nur unter Schwierigkeiten gebildeten Städte.
So entstand im Ruhrgebiet ein polyzentrischer Ballungsraum mit vielen kleineren Zentren und weiteren Unterzentren um alte Dorfkerne wir im Falle Buers, um Bahnhöfe oder bei den montanindustriellen Großbetrieben. Das heutige Gelsenkirchen, das 1928 aus der Vereinigung von Buer, Gelsenkirchen und Horst hervorging, ist ein Spiegelbild dieser Entwicklung mit den beiden Zentren Buer und Gelsenkirchen und vielen weiteren kleineren Zentren. Diese Kleinräumigkeit und Nähe bei gleichzeitiger Ausstattung der Region mit allen Einrichtungen einer Metropole ist wohl das, was für viele die Lebensqualität unserer Region ausmacht.
Die Bueraner in Gelsenkirchen haben das dazu gehörige Selbstbewusstsein und ihren Lokalpatriotismus, der auf eine lange Geschichte der Gemeinde seit der ersten urkundlichen Erwähnung vor mehr als 1000 Jahren, die Freiheitsrechte von 1448 und jetzt auf 100 Jahre Stadtrechte zurückblickt. Auch ganz handfest ermöglichten die Stadtrechte in Buer manches Projekt, von dem heute (nicht nur) alle Gelsenkirchener etwas haben, beispielweise wurde in den 1920er Jahren nach vorangehenden Planungen der Buersche Grüngürtel geschaffen.
Seit der Vereinigung der Städte Buer und Gelsenkirchen und des Amtes Horst im Jahr 1928 sind wir eine Stadt und wie im polyzentrischen Ruhrgebiet gibt es eben in unserer Stadt nicht ein Zentrum. Ein wichtiges Zentrum - Buer - hat am 1. April einen denkwürdigen Jahrestag - herzlichen Glückwunsch.