05. Mai 2011, 12:30 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Ein unachtsamer Moment und schon war es passiert. „Pepe“, der gerade noch am Ufer war, ist ins Wasser gefallen. Da momentan die Schleuse am Rhein-Herne-Kanal überprüft wird, der Wasserstand dadurch deutlich niedriger als üblich ist, ist „Pepe“ tief gefallen und hart auf der Wasseroberfläche aufgeschlagen. „Pepes“ wahrscheinlich verletzter Körper geht unter. Bis auf einige Luftblasen, die an die Wasseroberfläche sprudeln, ist nichts mehr von „Pepe“ zu sehen – wenn nicht schnell Hilfe kommt, wird er ertrinken. Gut, dass „Pepe“ nur eine Puppe und Teil eines Übungsszenarios der Gelsenkirchener Berufsfeuerwehr ist, so dass kein echter Grund zur Sorge besteht.
Normalerweise wird mit einer Schleusenrevision geprüft, ob die Schleuse voll funktionsfähig ist. Gleichzeitig soll ihr reibungsloses Funktionieren in der Zukunft sichergestellt werden. Für die Überprüfung werden die Schleusen trocken gelegt, so dass solche Revisionen für die Binnenschifffahrer eher lästige Angelegenheiten sind. Die Revision der Schleuse am 3. Mai 2011 war für die Feuerwehr in Gelsenkirchen jedoch alles andere als lästig: die Einsatzkräfte der konnten die unterschiedlichen Wasserstände während der Überprüfung nutzen und diverse Übungsszenarien simulieren.
In einem solchen Szenario fiel die Puppe „Pepe“ in die Schleuse und musste vor dem Ertrinken gerettet werden; alleine konnte „Pepe“ es nicht an das rettende Ufer schaffen. Es zählte also jede Sekunde. Ein durchaus realistisches Szenario. Fällt ein echter Mensch in der Nähe der Schleuse ins Wasser, wird er je nach Wasserstand auch erhebliche Probleme haben, sich selbstständig aus dem Wasser zu retten. Vielleicht kann die verunglückte Person nicht schwimmen oder ist durch den Unfall sogar bewusstlos und daher ebenso wie „Pepe“ voll auf seine Retter angewiesen. Damit „Pepe“ nicht ertrinkt, – und im Ernstfall Menschen gerettet werden – müssen die beteiligten Spezialeinsatzkräfte zusammenarbeiten; neben dem fachlichen Können sind daher vor allem auch Koordination und Teamwork gefragt.
Da die Schleuse eine Höhendifferenz von mehr als sechs Metern – also in etwa die Höhe bis zum dritten Stockwerk eines Wohnhauses – überbrückt, sind zunächst die Höhenretter gefragt. Frank Wiedenhöfer von der Höhenrettungsgruppe erklärte die Herausforderung des Einsatzes aber nicht nur mit der beachtlichen Tiefe der Schleuse. Er gab zu Bedenken: „Die Spundwände der Schleuse fallen bei Niedrigwasser steil ab. Dazu kommt, dass die Wände nicht nur steil sondern auch glitschig sind. Hier sind die Gerätschaften der Höhenrettungsgruppe Gold wert!“
Während die Höhenretter eine Rettungstrage zu einem Rettungsboot in die Schleuse hinab lassen, suchen im Wasser bereits Taucher nach dem ertrinkenden „Pepe“. Die Mannschaft im Rettungsboot nimmt die heruntergelassene Trage im Empfang. Die Taucher haben Glück; im Wasser herrscht gute Sicht. Aber dennoch ist die Übung auch für sie eine besondere Herausforderung. Thorsten Banuscher, der die Tauchergruppe während der Übung koordinierte, wusste zu berichten: „Das Tauchen in dem 12 Grad kalten Wasser ist trotz Neoprenanzug eine hohe körperlicher Herausforderung, die ständig geübt werden muss“.
Über ein Tauchertelefon wird den Rettern über Wasser mitgeteilt, dass eine Person gefunden und die Rettung eingeleitet wurde. Kurz darauf erscheint ein Froschmann mit dem geretteten „Pepe“ an der Wasseroberfläche. Die Bootbesatzung kommt ihm zur Hilfe und bettet die Puppe auf die Rettungstrage. Mittels moderner Windentechnik gelangen Trage und Verunglückter zum rettenden Ufer. Aber „Pepe“ hat Pech. Anstatt rettungsdienstlich behandelt zu werden, wie es in einer echten Unfallsituation üblich gewesen wäre, wartet bereits der nächste Taucher auf das Übungsobjekt. So musste „Pepe“ also wieder und wieder in das grünblaue Wasser der Gelsenkirchener Schleuse und auf seine erneute Rettung warten.
Hinweis an die Redaktionen: Bilder von der Übung finden Sie zum Download im Internet unter http://www.flickr.com/photos/stadt_gelsenkirchen/.