05. Juli 2011, 12:11 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Wenn Paul Rhein und Markus Berck mit ihren blauen Spezialfahrzeugen im Schritttempo durch die Straßen Gelsenkirchens rollen, regelmäßig aussteigen, messen und bestimmen, dann tun sie das nur für „RoSy“. Die beiden Straßentechniker der Gesellschaft für Straßenanalyse (GSA) führen im Auftrag der Stadtverwaltung eine Bestandsdaten- und Zustandserfassung durch. Die Ergebnisse werden in eine Datenbank und der zugehörigen Software mit Namen Roadsystem (RoSy) eingepflegt.
Paul Rhein und Markus Berck vermessen alle Straßen, Wege, Zufahrten, Geh- und Radwege per Computer und tragen ebenfalls die genauen Orte von Beschädigungen, Schlaglöchern, Spurrinnen oder Flickstellen der jeweiligen Straßen in eine Datenbank ein.
Das Erfassen und Vermessen der rund 680 Kilometer Straßen und Wege samt Nebenflächen, wie Geh- und Radwege, in den fünf Gelsenkirchener Bezirken kostet die Stadt rund 140.000 Euro. Es handelt sich um eine Wiederholungserfassung; die Erstaufnahme erfolgte im Jahr 2005. Damals bestand erstmals für Kommunen der gesetzliche Auftrag, ihr Infrastrukturvermögen zu bewerten. Hierzu gehörten neben Gebäuden, den Abwasserkanälen und Ingenieurbauwerken auch die Straßen, Wege und Plätze.
Die Zustandsdaten werden konform zu den Empfehlungen für das Erhaltungsmanagement von Innerortsstraßen (E EMI 2003) der Forschungsgesellschaft für Straße und Verkehr (FGSV) aufgenommen und mit zusätzlichen Schadensmerkmalen abgeglichen.
Diese Daten können visuell sensitiv erfasst werden. Das heißt, alle Oberflächen werden mit dem Auge betrachtet und die aufgenommenen Schäden sofort mit Hilfe einer Erfassungssoftware verarbeitet. Die Länge des Straßennetzes erfordert den Einsatz von Fahrzeugen, die über eingebaute Wegaufnehmer die Straßenlängen automatisch erfassen. Die Breiten von Straßen und Nebenanlagen werden mit dem Messrad aufgenommen.
Kommunalstraßen unterliegen besonderen Bedingungen, die Straßenränder oder Nebenanlagen sind oft zugeparkt, das Verkehrsaufkommen ist teilweise sehr hoch, bestimmte Schadengruppen sind häufig überproportional vertreten. Messtechnische Verfahren, reine Video- oder Fotodokumentationen bilden daher häufig nur einen Teil des Straßenraumes ab und sind sehr aufwändig in der Nachbearbeitung, bedürfen eines örtlichen Vergleichs. Die visuell sensitive Erfassung ermöglicht den individuelleren Umgang mit der lokalen Situation auch und gerade in Gelsenkirchen.
Mit den erhaltenen Datensätzen und dem bei der Stadtverwaltung bereits vorhandenen Pavement Management System (PMS), einem Prognosemodul der RoSy-Software, sollen Reparaturen und Sanierungen von Straßen, Wegen und Plätzen in Gelsenkirchen möglichst langfristig planbar gemacht werden. Die Stadt (Referat Verkehr) kann somit verschiedene Unterhaltungsstrategien unter Berücksichtigung der jeweiligen Straßenart, Bauart, Verkehrsbelastung, des Schadensbildes und möglicher Sanierungsverfahren am Rechner durchspielen. So können Sanierungsprogramme zum wirtschaftlich sinnvollsten Zeitpunkt angestoßen bzw. den politischen Gremien als Basis für Entscheidungen vorgestellt werden. Gleichzeitig wird das Infrastrukturvermögen der Stadt dauerhaft bewahrt.
Das Ergebnis der Erfassungsarbeiten wird in etwa acht Wochen vorliegen und der Datenbestand wird der Stadtverwaltung mit aktuellen Fotos bis September aufbereitet übergeben werden.