22. August 2011, 10:27 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Am Mittwoch, 24. August 2011, um 11.00 Uhr werden Mitglieder des Vereins "Kulturgut Bergbau e.V." eine neue Tafel im Rahmen des Projektes "Erinnerungsorte" der Öffentlichkeit vorstellen. Die Tafel erinnert an die Bergbaugeschichte in Gelsenkirchen-Erle und gleichzeitig macht sie den enormen Wandel in Gelsenkirchen sichtbar. Die Informationstafel wird an einem Rest der Zechenmauer der Schachtanlage Graf Bismarck 3/5 an der Ecke Frankampstraße/An der Gräfte angebracht.
Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zur Berichterstattung in Wort, Ton und Bild herzlich eingeladen.
Die Tafel entstand im Rahmen des Projektes "Erinnerungsorte", das von der Demokratischen Initiative vorgeschlagen und vom Rat der Stadt Gelsenkirchen beschlossen wurde.
Die Tafel gibt die Geschichte des Gebietes der heutigen "Gräfte-Siedlung wieder. Der Text lautet:
"Durch Zusammenlegung von 17 Grubenfeldern entstand 1868 die Zeche Graf Bismarck. Mit Einverständnis des deutschen Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten war die Zechengesellschaft nach Otto von Bismarck benannt worden. Die Anteilseigner unter Führung von Friedrich Grillo drückten mit dieser Namensgebung ihr Nationalbewusstsein im entstehenden deutschen Kaiserreich aus.
Mit dem Bau des ersten Zechenschachtes südlich der Emscher wurde 1869 begonnen, die Förderung lief dort 1873/74 an. 1882 folgte ein zweiter Schacht nördlich der Emscher. Eine dritte Schachtanlage entstand ab 1893 mit der Niederbringung des Schachtes 3 in Erle. An den drei Standorten wurden in den folgenden Jahren die leistungsfähigen Doppelschachtanlagen 1/4, 2/6, 3/5 geschaffen. Eine vierte Schachtlage mit den Schächten 7 und 8 kam in der Resser Mark ab 1910 hinzu.
Die Zechengesellschaft wechselte in den 1920er Jahren den Besitzer und kam zur Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft (DEA). 1924 wurde noch Schacht 9 bei Schachtanlage 2/6 erbaut. In der Weltwirtschaftskrise wurde die Schachtanlage 3/5 1931-1938 stillgelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand der Zentralwetterschacht 10 (später Emschermulde 1).
Nach dem Ausbruch der Kohlekrise wurde 1959 zunächst die älteste Schachtanlage 1/4 stillgelegt. Trotz erheblicher Investitionen wurde dann am 30. September 1966 die gesamte Zeche geschlossen. Diese Stilllegung, die sich für die Besitzer der Zeche wegen der Stilllegungsprämien lohnte, ging als „Knall von Gelsenkirchen“ in die Geschichte ein. In Erle wehten die schwarzen Fahnen.
In den folgenden Jahren wurden die Schächte verfüllt, die Tagesanlagen abgerissen und die Baufelder auf die umliegenden Zechen verteilt. In den 1980er Jahren entstand auf dem früheren Gelände der Schachtanlage Graf Bismarck 3/5, das mit Hilfe des NRW-Zukunftsinvestitionsprogramms saniert worden war, die „Gräfte-Siedlung“. Die Benennung der Siedlung wie auch die Straßennamen erinnern an die vorindustrielle Zeit der Gegend um das nahegelegene Haus Leithe. In der Siedlung konnten sich angesichts gewandelter Wohnwünsche, die auch Ergebnis des Strukturwandels waren, viele Gelsenkirchener den Wunsch nach einem Eigenheim verwirklichen."
Hintergrund:
Der Rat der Stadt Gelsenkirchen hat am 27. Oktober 2005 die Durchführung eines Projekts „Erinnerungsorte“ beschlossen. An verschiedenen Orten im Stadtgebiet sollen Informationstafeln vergangene zentrale Ereignisse und Entwicklungen exemplarisch darstellen. Dabei soll zunächst vor allem, aber nicht nur an die Verbrechen des „Dritten Reiches“ erinnert werden. Auch Aspekte der Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft sollen thematisiert werden.
Das Projekt wird von bürgerschaftlichem Engagement getragen, insbesondere im Kontext der „Demokratischen Initiative“, und vernetzt verschiedene erinnerungspolitische Initiativen. Die längerfristige Umsetzung des Projekts koordiniert das Institut für Stadtgeschichte.