10. Oktober 2011, 16:49 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Mit einem Brandbrief, der inzwischen auch der Stadt Gelsenkirchen vorliegt, versucht der Verein „Künstlersiedlung Halfmannshof e.V.“ einen größeren Verteilerkreis für die „Rettung der Künstlersiedlung“ zu mobilisieren. Gleichzeitig hat der Verein zu einer Demonstration am Samstag auf der Bahnhofstraße eingeladen.
In dem Schreiben, dass heute auch in der WAZ Gelsenkirchen zitiert wird, sind verschiedene Informationen, Behauptungen und Wertungen enthalten, die teilweise nicht richtig oder auch glatt falsch sind.
Die Stadt Gelsenkirchen nimmt dazu folgende Stellung:
1. Der Verein behauptet, die Stadt plane in kürzester Zeit die Zerstörung des traditionsreichen, einmaligen Kulturgutes Künstlersiedlung, um Kapital aus dem Grundstück zu schlagen.
Richtig ist: Um eine Künstlersiedlung zu erhalten, verzichtet die ggw auf realistische Verkaufserlöse für die Altbauten und die Grundstücke. Aber auch so müssen 1,3 Mio € abgeschrieben werden.
2. Der Verein behauptet: „Tatsächlich sollen Luxuswohnungen erstellt und teuer verkauft werden.“
Richtig ist: Luxuswohnungen sind nicht Teil des Konzeptes. Geplant ist normaler Eigenheim-Standard.
3. Der Verein behauptet: „Die Anlage soll zerstückelt und portionsweise an verschiedene Eigentümer veräußert werden.“
Richtig ist: Die Anlage bleibt als Einheit erhalten – allerdings mit unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen. Die Altbauten kommen in gemeinnützige Trägerschaft zur Förderung von Kunst. Im Übrigen gibt es schon seit 50 Jahren Privateigentum in der Künstlersiedlung.
4. Der Verein behauptet: „Die ansässigen Künstler sollen trotz garantiertem "Wohnrecht auf Lebenszeit" und trotz ihrer jahrelangen Investitionen in die angemieteten Gebäude an die Luft gesetzt werden.“
Richtig ist: Alle Mieter haben normale Mietverträge nach geltendem Mietrecht. „Wohnrecht auf Lebenszeit“ ist darin nicht garantiert. Investitionen von z.B. 50.000 DM aus den 70er Jahren sind längst abgeschrieben.
5. Der Verein behauptet: „Die geschichtsträchtige Ausstellungshalle soll ersatzlos abgerissen werden.“
Richtig ist: Das vorgelegte Konzept sieht einen neuen Ort für Ausstellungen vor.
6. Der Verein behauptet: „Die Mieten sollen sich später in Höhen bewegen, die sich kein freischaffender Künstler mehr leisten kann (mindestens 8,-€/m2 kalt).“
Richtig ist: Der Preis für öffentlich geförderte Mietwohnungen liegt aktuell bei 4,45 €/m² zzgl. Betriebs- und Heizkosten.
7. Der Verein behauptet: „Dazu werden die ansässigen Künstler beleidigt, bedroht, verunglimpft und zu Unrecht in die "rechte Ecke" gestellt.“
Richtig ist: Diese Behauptung ist eine böse Unterstellung, die durch nichts bewiesen ist!
8. Der Verein behauptet: „Zerstückelung statt Erhalt, Privatisierung statt Gemeinnützigkeit, Kommerzialisierung statt Kunstförderung“
Richtig ist: Erst durch das neue Konzept kann die Siedlung erhalten und aufgewertet werden. Eine Zerstückelung wäre viel profitabler gewesen. Mehr als die Hälfte des Hofes sind dann im Besitz von gemeinnützigen Organisationen. Erst mit dem neuen Konzept, dass auch Stipendiumsplätze und Förderprogramme vorsieht, gibt es Kunstförderung.
9. Der Verein behauptet: „Alles geschieht hinter verschlossenen Türen“
Richtig ist: Sofort nach der Fertigstellung des Konzeptes wurden die Mieter informiert und der Ratsbeschluss in vier Sitzungen öffentlich vorberaten.
10. Der Verein behauptet: „Warum wird der Abriss beschlossen, bevor die Finanzierung geklärt ist?“ und „Es bleibt nicht mehr viel Zeit, bis die Abrissbirne beschlossene Sache ist! Bereits am 20.10.2011 soll im Rat das Todesurteil über den Hof gefällt werden.“
Richtig ist: Beschlossen wird am 20.10., entlang von konzeptionellen Leitlinien die Planungen voranzutreiben. Für die Umsetzung bedarf es eines gesonderten Beschlusses. Somit bleibt noch einige Zeit bis mit Abriss und Neubau begonnen wird. Im übrigen wäre das kein „Todesurteil“, sondern im Gegenteil die Wiederbelebung eines alten Kunstzentrums !
Die Stadt Gelsenkirchen fördert eine „Künstlersiedlung Halfmannshof“ als den Ort des Austausches von Künstlern und Kreativen. Die Künstlersiedlung ist ein Ort der Chancen und Entwicklungen in den Künsten; ein Ort der gegenseitigen Befruchtung, des Miteinander, der Vielfalt und Dynamik. Von der Künstlersiedlung im Zentrum des Reviers sollen (wieder) Impulse ausgehen. Künstlerinnen und Künstler in unterschiedlichen Lebensentwürfen (Arbeiten in Privateigentum, zur Miete, als Stipendiat, als artist-in-residence) und in unterschiedliche Sparten sollen miteinander leben und arbeiten können.
Kurz: Die Stadt sieht sich der Kunst und allen Künstlerinnen und Künstlern verpflichtet, die gemeinsam arbeiten und die „die Kunst“ an diesem wie auch mit diesem Ort voranbringen wollen.
Dabei haben sich die jetzigen Strukturen als wenig hilfreich erwiesen. Deshalb sollen behutsam und langfristig mit sozialverträglichen Auflösungsverträgen neue Strukturen geschaffen werden.