19. Dezember 2011, 10:56 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Diese Meldung ist vom 19. Dezember 2011, 10:56 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
GE. Die Archivarinnen des Instituts für Stadtgeschichte haben damit begonnen, die Aktenbestände der früheren Gemeinden auf dem heutigen Stadtgebiet Gelsenkirchens inhaltlich neu zu erfassen. Neben dem Findbuch zum früheren Amt Bismarck, welches vor Kurzem erschienen ist, hat nun Annett Schreiber ein ebensolches für Ückendorf fertig gestellt. Das Findbuch stellt die Akten mit genauer Angabe des Inhalts und der Laufzeit in einer sinnvollen Reihenfolge dar. Es handelt sich hierbei um 79 fast ausschließlich handschriftliche Archivalien aus der Zeit zwischen 1876 und 1903, in welcher das Amt Ückendorf Bestand hatte. Durch den enormen Bevölkerungszuwachs ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Gemeinde Ückendorf am 1. Juli 1876 aus dem Amt Wattenscheid ausgeschieden. Mit Beginn der Kohleförderung auf den Zechen Holland, Rheinelbe und Alma hatte sich die Einwohnerzahl rasant vermehrt und der daraus resultierende Verwaltungsaufwand stieg. Das Einzelgemeindeamt Ückendorf wurde 1903 im Rahmen kommunaler Neuordnungen in die Stadt Gelsenkirchen eingemeindet.
Da der Bevölkerungszuwachs gerade auch den Bau oder Umbau sowie die Erweiterung der Schulen erforderte, sind solche Baumaßnahmen in den Akten dokumentiert. Es handelt sich um die Almaschule, die Parkschule, die Alte Schule, die Rhein-Elbe-Schule und die sogenannte Hollandschule. Außerdem sind zahlreiche Polizeiverordnungen überliefert, die das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen regeln sollten. Amüsant zu lesen, aber durchaus vergleichbar mit den heutigen moralischen Ansichten, sind Anzeigen von Bürgern über Geruchsbelästigungen durch Nachbarn, Gewalt in der Ehe und „ausgebüchste“ junge Erwachsene. Auch die Abhaltung von abendlichen Tanzkursen bedurfte unter Angabe der Teilnehmernamen der Genehmigung der Gemeinde. In den überlieferten Akten lässt sich das Alltagsleben, aber auch die Arbeit der Ückendorfer Amtsbehörde sehr gut nachvollziehen.
Da die Nutzer der städtischen Archivalien bisher auf eine Aktenverzeichnung aus dem Jahr 1941 zurückgreifen mussten, stellt das neue Findbuch eine enorme Verbesserung des Zugangs zu den Akten dar. Das Findbuch steht im Internet allen interessierten Nutzern als durchsuchbare PDF-Datei und im Lesesaal als Druckversion zur Verfügung.