23. Februar 2012, 12:26 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Es ist nicht das Schlechteste, wenn man als Gratulant einer Jubilarin ohne jedes Flunkern sagen kann, dass sie deutlich jünger erscheint, als es die nun erreichte Jahreszahl anzeigt. Dass man dieses Alter – 50 Jahre schon! – nun wirklich nicht vermutet hätte. In dieser glücklichen Lage befinde ich mich heute zum 50. Jahrestag der Gelsenkirchener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale.
Meine Einschätzung hat gewiss etwas mit der Frische der Beratungsstelle und der hier beschäftigten Menschen zu tun. Aber ebenso hängt sie auch mit der Erwartung zusammen, dass eine Einrichtung, die Verbraucher schützen und aufklären will, die sich für mündige Konsumenten einsetzt – dass eine solche Einrichtung doch eigentlich ein paar Jahre jünger sein müsste. Weil nach meinem Gefühl die Gründung einer solchen Einrichtung eher zu den 1970er-Jahren passt als zu den Hoch-Zeiten des Wirtschaftswunders.
Nun wurde die Gelsenkirchener Außenstelle der Verbraucherzentrale tatsächlich bereits 1962 eröffnet, damals noch in den Räumen der Sparkasse am Neumarkt. Aber, und da hat mich meine Erwartung nicht getrogen: Das Aufgabenprofil hatte in den ersten Jahren noch keine große Ähnlichkeit mit dem heutigen. Manches von dem, was hier geleistet wurde, lässt einen schmunzeln, sagt aber auch etwas aus über die Wirtschaftswunderjahre. Als viele Konsumgüter endlich für breite Gesellschaftsschichten bezahlbar wurden, da ging es zunächst einmal darum, diese Segnungen des Wohlstands richtig nutzen zu können. Also unterrichtete die Beratungsstelle Hausfrauen im Umgang mit Waschmaschinen und Gefrierschränken. Außerdem half sie mit, die Aussteuer junger Paare zusammenzustellen.
In dem halben Jahrhundert seit 1962 hat sich in allen Lebensbereichen sehr viel getan, und viele dieser Entwicklungen spiegeln sich auch im Wandel der Verbraucher-Beratung wider. Die Aussteuerberatung wurde längst abgelöst durch andere Aufgaben, die dann nach einiger Zeit wieder Platz machen mussten für neuen Aufklärungs- und Beratungsbedarf in anderen Gebieten.
Durch fünf Jahrzehnte hat die Beratungsstelle die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener nun begleitet – und geholfen, so manchen Fehlgriff und zu mache Ungerechtigkeit zu vermeiden. 870.000 Ratsuchende, wird geschätzt, haben die Unterstützung der Beraterinnen und Berater gesucht. Und da waren wichtige Hilfestellungen dabei, zum Beispiel als in den 1980er eine Bank in unserer Stadt reihenweise sittenwidrige Kredite an ihre Kunden vermittelte.
Über die Jahre lässt sich sagen, dass immer größere Lebensbereiche von Märkten bestimmt werden. Und mehr Markt, das kann zwar mehr Möglichkeiten bedeuten, aber in aller Regel bedeutet es auch deutlich mehr Informationen, die erst einmal verarbeitet sein müssen. Das war bei der Liberalisierung von Energie und Telekommunikation zu erleben; bei der zunehmenden Notwendigkeit, individuell für das Alter vorzusorgen, verhält es sich ähnlich. Die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen, Vertragsbedingungen und Tarife ist häufig kaum zu überblicken. Darum ist es richtig und nötig, dass jemand hilft, den Wissensvorsprung der Anbieter auszugleichen.
Dabei sind in meinen Augen zwei Dinge wichtig: Zum einen, dass sich eine Beratungsstelle in der Nähe des Wohnortes befindet und für ein Gespräch gut erreichbar ist – was hier in der Gelsenkirchener Innenstadt für die meisten Bürgerinnen und Bürger der Stadt möglich ist. Zum anderen ist die Unabhängigkeit der Verbraucherzentralen unverzichtbar. Nur durch öffentliche Finanzierung erhält und rechtfertigt sich das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Beratung. Darum unterstützen wir als Stadt Gelsenkirchen diese Stelle auch künftig. Und wir bauen unser gemeinsames Engagement sogar noch aus – im Rahmen unseres Engagements für Klimaschutz wird ab März eine zusätzliche Stelle für die Vor-Ort-Energieberatung geschaffen.
Ich bedanke mich bei allen, die in den vergangenen Jahrzehnten zur guten Verbraucher-Beratung in Gelsenkirchen beigetragen haben – und wünsche der Beratungsstelle noch viele gute Jahre. Der Beratungsbedarf, da können wir sicher sein, wird nicht ausgehen. Glückauf!