29. Februar 2012, 11:34 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Diese Meldung ist vom 29. Februar 2012, 11:34 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
GE. Nach dem Armutsbericht im Dezember legt der Paritätische Wohlfahrtsverband nun eine Studie zu Familien in Hartz IV vor.
Diese zeigt unter anderem auf, dass Gelsenkirchen im Ruhrgebiet die höchste Quote von Kindern unter 15 Jahren hat, die von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) leben. Diese Quote ist deutlich höher als in vielen Regionen Ostdeutschlands.
Der Verband leitet in erster Linie Forderungen an die Bundesregierung aus der Studie ab: Ausbau der Kindertagesbetreuung und Schaffung familienfreundlicher Arbeitsplätze, öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote, passgenaue Qualifizierung und sozialpädagogische Betreuung. Ferner wird eine deutliche Erhöhung des Kinderzuschlags gefordert, damit Familien mit Kindern nicht trotz eines vorhandenen Arbeitsplatzes zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen sind („Working Poor“). Schließlich wird eine deutliche Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze für Kinder gefordert. Nach Meinung des Verbandes sei das Bildungs- und Teilhabepaket ein Flop.
Dr. Manfred Beck, Kultur-, Bildungs-, Jugend- und Sportvorstand der Stadt Gelsenkirchen: „Die Analyseergebnisse des Paritätischen kommen für uns nicht überraschend. Natürlich kennen wir die Arbeitslosenquote und den Anteil der Langzeitarbeitslosen sowie die finanziellen Probleme der Familien im Ruhrgebiet und in Gelsenkirchen. Auch den Forderungen des Verbandes in Richtung Bund kann ich mich weitgehend anschließen. Sie zeigen meines Erachtens einerseits, dass Gelsenkirchen auf dem richtigen Weg ist, andererseits muss der geforderte Maßnahmen-Katalog deutlich erweitert werden. Bezüglich des Bildungs- und Teilhabepaketes hat die Stadt Gelsenkirchen allerdings durch offensive Ansprache von Familien eine weit höhere Inanspruchnahme als Vergleichskommunen. Trotz aller Kritik am Verfahren ist das Bildungs- und Teilhabepaket in Gelsenkirchen kein Flop!“
Neue Arbeitsplätze für Gelsenkirchen können nicht per Fingerschnipp geschaffen werden. Ebenso wenig kann durch Umlegen eines Schalters die Qualifikation der Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger so verbessert werden, dass Unternehmen jene Arbeitskräfte in unserer Stadt finden, die sie benötigen. Vielmehr ist eine langfristige Strategie erforderlich, die mit der Beratung und Unterstützung Schwangerer und junger Familien beginnt, sich über qualifizierte Bildung und Betreuung im Vorschulalter fortsetzt, im Schulalter ganzheitliche Wissens- und Persönlichkeitsentwicklung fördert und den Übergang Schule-Beruf erfolgreich gestaltet.
Für diesen Ansatz wurde die Stadt Gelsenkirchen mehrfach ausgezeichnet! European Award „City for Children“, UN-Dekadenstadt Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Landesauszeichnung für kulturelle Bildung und die Auswahl für das Landesprojekt „Kein Kind zurücklassen - Kommunen in NRW beugen vor”, sprechen für sich.
Beck: „Es fehlt in Gelsenkirchen nicht an Ideen – es fehlt trotz der Schwerpunktsetzung auf Bildung und Erziehung manchmal das Geld zu ihrer Umsetzung. Deshalb muss der Forderungskatalog unbedingt erweitert werden: Anstelle der Förderung von Kommunen und Regionen nach geografischer Lage im Rahmen des Solidaritätspaktes Ost muss Unterstützung nach Bedürftigkeit in ganz Deutschland vorgenommen werden! Das föderalistische Kooperationsverbot muss aufgehoben werden, damit der Bund auch im Bildungsbereich Hilfen gewähren kann! Die Finanzausstattung einer Stadt wie Gelsenkirchen muss so sein, dass wir jedem jungen Menschen eine optimale Entwicklung ermöglichen können!“
Für die Stadtspitze ist das Motto „Bildung ist Zukunft“ Programm. Allerdings sind Ergebnisse nicht kurzfristig zu erwarten.