19. März 2012, 11:10 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Seit den 1880er Jahren kamen infolge russischer Pogrome Hunderttausende Juden nach Deutschland, vor allem in die Ballungsgebiete. Während des Ersten Weltkriegs gelangten viele tausend Ostjuden als Rüstungsarbeiter ins Ruhrgebiet. Allein 4.000 arbeiteten als Kumpel unter Tage.
Zu dem Vortrag des Historikers Dr. Ludger Heid mit anschließender Diskussion lädt das Institut für Stadtgeschichte am Mittwoch, 28. März 2012, um 19 Uhr in die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“, Cranger Straße 323, 45891 Gelsenkirchen herzlich ein.
In sozialer, politischer, kultureller und religiöser Hinsicht war das Verhältnis zwischen den so genannten Ostjuden und der übrigen Ruhrgebietsgesellschaft schwierig, zum Teil vergiftet. Auch die deutsch-jüdischen Glaubensbrüder verhielten sich gegenüber den ostjüdischen Zuwanderern ablehnend. Im Oktober 1938 wurden Tausende Ostjuden in der ersten Massendeportation des „Dritten Reichs“ des Landes verwiesen: diese so genannte „Polenaktion“ war zugleich die unmittelbare Vorgeschichte des Novemberpogroms, der unter dem Namen „Reichskristallnacht“ unrühmlich in die deutsche Geschichte eingegangen ist. Die Geschichte der Ostjuden in Deutschland im Allgemeinen und im regionalen Raum im Besonderen ist auch eine Leidensgeschichte, über die kein Gras wachsen, die keine historische „Patina“ ansetzen darf.
Seit Ende der 1980er Jahre ist durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland ein neues Judentum entstanden: die „neuen“ Ostjuden haben ein neues Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte aufgeschlagen.