20. August 2026, 16:51 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Sigrun Widmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Gelsenkirchen, (r.) hat den Jahresbericht gemeinsam mit NRW-Regionalleiterin Manuela Duda (l.) an Oberbürgermeisterin Andrea Henze (m.) übergeben. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen - Gerd Kaemper
GE. Kredit- und Finanzprobleme gehörten im vergangenen Jahr zu den häufigsten Anliegen, mit denen sich Verbraucherinnen und Verbraucher an die Verbraucherzentrale Gelsenkirchen gewandt haben. 43 Prozent der Beratungsanfragen entfielen 2025 auf diesen Themenbereich. Rund ein Fünftel der Anfragen betraf Fragen rund um das Thema Energie.
Sigrun Widmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Gelsenkirchen, hat den Jahresbericht am Donnerstag, 20. August, gemeinsam mit NRW-Regionalleiterin Manuela Duda an Oberbürgermeisterin Andrea Henze übergeben. Der Bericht gibt nicht nur einen Überblick über die Beratungsschwerpunkte des vergangenen Jahres, sondern zeigt auch, vor welchen neuen Herausforderungen Verbraucherinnen und Verbraucher stehen.
Oberbürgermeisterin Andrea Henze würdigte bei der Übergabe des Jahresberichts die Bedeutung der Verbraucherberatung für die Menschen in Gelsenkirchen. Gerade angesichts zunehmend komplexer Vertrags- und Geschäftsmodelle sei eine kompetente und verlässliche Anlaufstelle für Verbraucherinnen und Verbraucher in Gelsenkirchen von großer Bedeutung, so Andrea Henze.
Verbraucheranliegen werden komplexer
Die Probleme, mit denen Ratsuchende die Verbraucherzentrale aufsuchen, werden zunehmend komplexer. Neue Gesetze, Verordnungen und Richtlinien erfordern eine fallbezogene Auslegung und entsprechendes Fachwissen. Gleichzeitig führen neue digitale Geschäftsmodelle zu zusätzlichen Fragestellungen und machen häufig eine sorgfältige Prüfung des Einzelfalls erforderlich.
Auch komplizierte Vertragsgeflechte erschweren die Rechtsdurchsetzung. Immer häufiger sind zudem Beratungen notwendig, die mehrere Themenbereiche miteinander verbinden. Gleichzeitig zeigen sich bei verschiedenen Verbrauchergruppen zunehmend Überforderung und ein Bedarf an passgenauen Hilfestellungen.
Künstliche Intelligenz verändert auch die Verbraucherberatung
Eine neue Herausforderung ist der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). So werden Anliegen teilweise mit Hilfe von KI sehr präzise und ausführlich schriftlich formuliert. In der anschließenden persönlichen Beratung können sich jedoch Verständigungsprobleme ergeben, wenn die formulierten Anliegen nicht vollständig dem tatsächlichen Problem entsprechen.
Problematisch sind zudem fehlerhafte rechtliche Einschätzungen durch KI-Systeme. Sie können bei Ratsuchenden Erwartungen wecken, die sich rechtlich nicht durchsetzen lassen. Auch sogenannte KI-Halluzinationen, also frei erfundene oder fehlerhafte Informationen, können Verbraucherinnen und Verbraucher zu vermeintlichen Beratungsangeboten oder falschen rechtlichen Schlussfolgerungen führen.
„Unsere Aufgabe ist es dann, die Erwartungen der Ratsuchenden mit der tatsächlichen Rechtslage abzugleichen und realistische Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen“, erläutert Sigrun Widmann. Das könne auch bedeuten, Erwartungen zu korrigieren oder Ratsuchende darauf hinzuweisen, dass sich ein gewünschtes Ergebnis rechtlich nicht erreichen lasse.
Gleichzeitig prüft auch die Verbraucherzentrale Möglichkeiten, künstliche Intelligenz künftig gezielt zur Unterstützung der Beratung einzusetzen.
Onlinehandel bringt neue Probleme
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Herausforderungen des digitalen Konsums. Das Einkaufsverhalten verlagert sich zunehmend ins Internet. Nach einer aktuellen Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands hatten 78 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren Probleme bei Onlinekäufen. Genannt wurden unter anderem Schwierigkeiten mit Lieferzeiten und Produktqualität, versteckte Kosten, Betrugsfälle sowie manipulative Gestaltung von Internetangeboten.
Auch Zahlungsdienstleister beschäftigen die Verbraucherberatung. Der von Anbietern beworbene Käuferschutz greift nicht in allen Fällen so, wie Verbraucherinnen und Verbraucher dies erwarten.
Ziel des Verbraucherschutzes ist es deshalb, bestehende Schutzlücken im digitalen Raum zu schließen und gleichzeitig stärker auf präventive Verbraucherinformation zu setzen.
Verbraucherzentrale als wichtige Frühwarnstelle
Die Arbeit der Verbraucherzentrale kommt dabei nicht nur den einzelnen Ratsuchenden zugute. Instrumente des kollektiven Rechtsschutzes ermöglichen es, gegen unseriöse Geschäftspraktiken vorzugehen und Verbraucherinnen und Verbraucher auch bei Massenschäden zu unterstützen.
Die Beratungsstelle fungiert zugleich als wichtiger Sensor für Entwicklungen auf den Märkten. Die Erfahrungen aus der täglichen Beratung zeigen frühzeitig, wo sich neue Probleme und unseriöse Geschäftspraktiken entwickeln. Damit leistet die Verbraucherzentrale einen wichtigen Beitrag zur Marktbereinigung und zur effektiven Durchsetzung von Verbraucherrechten.
Verbraucherberatung in Zahlen:
Verbraucheranliegen 6367
davon Rechtsberatungen und -vertretungen 2126
Veranstaltungen 168
Veranstaltungskontakte 3073
Kontakt:
Verbraucherzentrale NRW
Beratungsstelle Gelsenkirchen
Robert-Koch-Straße 4, 45879 Gelsenkirchen
T+49 211 54222211
www.verbraucherzentrale.nrw/gelsenkirchen