10. Juni 2026, 13:19 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Die Geschichte des Ruhrgebiets und die Geschichte Gelsenkirchens sind unzertrennbar mit der Geschichte des Arbeitskampfs verbunden. Man denke an den Widerstand der Bergleute gegen die Schließung der Zeche Graf Bismarck in den 1960er Jahren, aber auch an den Protest der so genannten „Heinze-Frauen“, die Anfang der 1980er Jahre in Gelsenkirchen für die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen auf die Straße gingen – und damit nicht nur für ihren Lohn, sondern auch für die Geschlechtergerechtigkeit stritten. Ihr Erfolg war durchaus nachhaltig, wie wir heute wissen.
Doch was bleibt darüber hinaus nach den Streiktagen? Welche Bilder und welcher Klang schaffen den Sprung in die Geschichtsbücher? Dieser Frage geht das Kunstmuseum Gelsenkirchen mit der Ausstellung „Radikale Hoffnung“ nach, die sich den Themen Streik und Arbeitskampf widmet und eine Linie von der Kunst der frühen Moderne bis in die Gegenwart nachzeichnet.
Kunst und gesellschaftliches Engagement
„Diese Ausstellung macht Verbindungen zwischen Kunst und gesellschaftlichem Engagement sicht-bar und zeigt, wie Arbeitskämpfe eine eigene künstlerische Praxis hervorgebracht haben – über Plakate, Texte, Musik oder Theater“, betont Museumsleiterin Julia Höner mit Blick auf die Exponate. Zur Auswahl zählen auch Werke, in denen Künstlerinnen und Künstler die Ästhetik des Protests aufgreifen sowie ausgewählte Streikobjekte aus dem Arbeitskämpfen der Region.
Dabei lassen sich im Kunstmuseum an der Horster Straße die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitskampf erkennen: Vielfältig und global haben sich Kunstschaffende mit den Themen des Protests und des Streiks auseinandergesetzt – mal dokumentarisch, mal poetisch, kritisch oder radikal und oft mit einer persönlichen Note. Denn als Arbeitende verstehen sie sich häufig selbst als Teil der Prozesse, die sie sichtbar machen.
Stillstand und Hoffnungsfunken
Von Käthe Kollwitz bis Gustav Metzger, von Jeremy Deller bis Claire Fontaine macht die Werkauswahl, die Julia Höner und die Kunsthistorikerin Prof. Friederike Sigler von der Universität Wien für Gelsenkirchen getroffen haben, unterschiedlichste Perspektiven sichtbar – bis zu aktuellen Arbeitskämpfen, die mit kraftvollen Bildern des Stillstands in das öffentliche Leben eingreifen. Dabei hinterfragen die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler immer auch die künstlerische Arbeit und die Produktionsbedingungen, unter denen sie entstand, selbst.
Die „Radikale Hoffnung“ wird mit Arbeiten von Juan Pérez Agirregoikoa, Jeremy Deller, dem Kunstkollektiv Claire Fontaine, Milli Gandini, Nicolás Guagnini, Lee Lozano, Anna Malagrida, Irène Mélix, Gustav Metzger, Malgorzata Mirga-Tas, Jean-Luc Moulène, Mariuccia Secol, Selma Selman, Nicole Wermers sowie Streikobjekten aus lokalen und internationalen Protestbewegungen gespiegelt.
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen bezieht mit Grafiken von Käthe Kollwitz und Werken des Künstlers Takis, der sich 1969 in New York mit der „Art Workers’ Coalition“ für eine gewerkschaftsähnliche Organisierung von Künstlerinnen und Künstlern einsetzte, auch Werke aus der eigenen Sammlung mit ein.
Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Kunstfonds und der Kunststiftung NRW. Zur Eröffnung am
Freitag, 12. Juni, um 19 Uhr im
Kunstmuseum Gelsenkirchen an der
Horster Straße 5-7 in 45897 Gelsenkirchen
sind Interessierte herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist danach vom 13. Juni bis zum 4. Oktober jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Der Besuch des Kunstmuseums ist kostenfrei.
Die Ausstellung wird eingerahmt von einem vielseitigen Begleitprogramm: So wird am 4. und 9. Juli das Manifesta16 Ruhr+-Programm „Sing our Songs“ in der nahegelegenen ehemaligen Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt an der Goldbergstraße 11 in 45894 Gelsenkirchen mit Arbeiterliedern für eine musikalische Komponente die Ausstellung bereichern. Am 23. September wird ein Vortrag von Nesrin Tançs auf den Spuren der Arbeitskämpfe in der Literatur wandeln. Zum Abschluss der Ausstellung wird am 4. Oktober im gegenüberliegenden Schauburg Filmpalast an der Horster Straße 6 der Film „We want Sex“ des britischen Regisseurs Nigel Cole über einen Streik von Näherinnen gezeigt.
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm gibt es über die Internetseite www.kunstmuseum-gelsenkirchen.de.