27. April 2026, 15:29 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Thomas Sternberger, Präsident der Kunststiftung NRW, Andrea Firmenich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, Frau Ina Brandes, MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Julia Höner, Museumsleitung, Andrea Henze, Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. Bildrechte: Stadt Gelsenkirchen - Gerd Kaemper
GE. Der Kunstpreis der Kunststiftung NRW, der „Nam June Paik Award“, ist in diesem Jahr eng mit Gelsenkirchen verbunden: Im hiesigen Kunstmuseum an der Horster Straße wurden am Sonntag, 26. April, nicht nur gleich zwei Preisträger ausgezeichnet, auch ihre Werke werden hier verwirklicht.
Der in Berlin und Aachen lebende Künstler Michael Beutler wurde mit dem international renommierten Kunstpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.
Das Juryverfahren umfasste zwei Stufen: Nach der Nominierung durch eine Vorschlagsjury wurden die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler gebeten, einen ortspezifischen Entwurf für die historische weiße Villa des Kunstmuseums Gelsenkirchen einzureichen. Der passendste Entwurf für das Haus wurde anschließend ausgewählt.
Ina Brandes MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, machte sich bei der Preisverleihung vor Ort live ein Bild von der Umsetzung: „Der Kunstpreis der Kunststiftung NRW ist sowohl eine international renommierte Auszeichnung, als auch ein Schaufenster für neue Kunst. So lädt uns Michael Beutler dazu ein, die Entstehung seiner Kunstwerke im Museum mitzuverfolgen. Das passt gleich in mehrfacher Hinsicht besonders gut ins Kunstmuseum Gelsenkirchen: Aus Altem wird Neues, Kunst wird mit Werkzeugen und Maschinen inszeniert, und das künstlerische Schaffen wird in seiner Produktion erleb- und begreifbar. Damit wird das Kunstmuseum Gelsenkirchen seinem Anspruch als ‚Museum für alle‘ sehr eindrucksvoll gerecht.“
Dass die Wahl des Kunst-Ortes auf Gelsenkirchen gefallen war, freute auch Oberbürgermeisterin Andrea Henze: „Das ist natürlich auch eine große Ehre für Gelsenkirchen und zeigt, dass unser Kunstmuseum auch überregional einen guten Ruf genießt“, betonte sie in ihrer Eröffnungsrede.
Andrea Firmenich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, sagte dazu: „Als wechselnde Austragungsorte unseres Kunstpreises wählen wir bewusst Museen in Nordrhein-Westfalen, die auch unter schwierigen Bedingungen eine herausragende Arbeit leisten. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen hat dies in den vergangenen drei Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“
Ein „Tapetenwechsel“ für das Museum
Michael Beutler wurde für seine raumgreifende Installation „Tapetenwechsel“ ausgezeichnet, die die ehemalige Industriellenvilla aus dem späten 19. Jahrhundert in eine künstlerisch-handwerkliche Produktionsstätte verwandelt – eine mehrstöckige Werkstatt, in der Altpapier zu skulpturalen Objekten verarbeitet wird.
Der Herstellungsprozess selbst wird dabei zum zentralen Bestandteil der Ausstellung. In eigens konstruierten Apparaturen werden alte Bücher, Kataloge und andere Materialien zu Pulpe verarbeitet und daraus lange Papierbahnen geschöpft, die anschließend die Räume der Villa neu einkleiden. Maschinen, Werkzeuge und Produktionsabläufe bleiben sichtbar und machen die Transformation des Materials unmittelbar erfahrbar. Die ortsspezifische Arbeit verbindet die industrielle und handwerkliche Geschichte der Stadt Gelsenkirchen mit der Idee des Museums als schöpferischem Ort, an dem Kunst zum gemeinsamen Erleben und Weiterdenken anregt, ein Aspekt, der Michael Beutler besonders wichtig ist. „Mit ihrer interaktiven Komponente spannt die Arbeit zudem einen Bogen zum kinetischen Sammlungsschwerpunkt des Hauses“, freut sich Museumsleiterin Julia Höner.
Ein Ort zum Nachdenken und Erleben
Auch der Förderpreis der Kunststiftung, der ebenfalls am Sonntag vergeben wurde, zeichnet ein Werk aus, das in Gelsenkirchen umgesetzt wird: Gefördert wird die Künstlerin und Kuratorin Lisa Klosterkötter, die für ihre Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt ist. Für Gelsenkirchen hat sie unter dem Titel „Ein Dorf“ ein mehrteiliges Ausstellungs- und Veranstaltungsformat geplant, das sich mit Formen von Gemeinschaft, Nachbarschaft und öffentlichem Zusammenleben auseinandersetzt.
Lesungen, künstlerische Elemente und Aufführungen an unterschiedlichen Orten im Außen- und Innenraum sollen das Selbstverständnis des Kunstmuseums als Reflexions- und Erlebnisort für die breite Öffentlichkeit aufgreifen. Ihr Startschuss fiel am 26. April mit der kulissenhaften Bespielung des Rondells rund um den Museumsbrunnen und einer Lesung auf dem Museumsplatz. Das 24-Stunden-Museum präsentiert sich textil ausgekleidet als künstlerische Bibliothek, die zum Verweilen einlädt. Als weitere Höhepunkte sind für Donnerstag, 21. Mai, um 19 Uhr ein Literarischer Spaziergang um das Museumsgebäude mit Texten aus dem Ruhrgebiet unter dem Motto „Über den Dächern“, und für Sonntag, 12. Juli, von 14 bis 17 Uhr ein Fest „Unter der Markise“ mit Performances, Spielen, kulinarischen Überraschungen und Kinderprogramm im Museumsgarten geplant.
Michael Beutlers „Tapetenwechsel“ ist ab dem morgigen Dienstag bis zum 16. August im Kunstmuseum Gelsenkirchen an der Horster Str. 5-7 in 45897 Gelsenkirchen zu sehen, das Haus ist jeweils von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist immer kostenfrei. Weitere Informationen zur Ausstellung und zu den geplanten Aktionen von Lisa Klosterkötter gibt es im Internet auf www.kunstmuseum-gelsenkirchen.de.
Der Kunstpreis
Zum Hintergrund: Als größte unabhängige Fördereinrichtung Nordrhein-Westfalens vergibt die Kunststiftung NRW ihren internationalen Kunstpreis bereits seit über 20 Jahren. Der Preis zeichnet Künstlerinnen und Künstler aus, deren Werk sich in besonderer Weise mit zeitgenössischen Formen und Konzepten auseinandersetzt.
Seit 2023 wird der Preis in Kooperation mit wechselnden Museen in NRW vergeben, die mit ihrem Programm höchst erfolgreich eine breite gesellschaftliche Wirkung entfalten. Im Jahr 2026 fiel die Wahl auf das Kunstmuseum Gelsenkirchen, dessen innovative programmatische Arbeit der zurückliegenden drei Jahre damit gewürdigt wird.
Das angehängte Foto zeigt von links nach rechts:
Thomas Sternberger, Präsident der Kunststiftung NRW, Andrea Firmenich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, Frau Ina Brandes, MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Julia Höner, Museumsleitung, Andrea Henze, Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen – Foto Gerd Kaemper