05. Juni 2012, 09:59 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Seien wir ehrlich: Wenn wir mit Fremden über Gelsenkirchen reden, wenn wir unsere Stadt vorstellen – dann kommen wir sehr rasch darauf zu sprechen, wie grün unsere Stadt ist. Darauf, was für schöne Orte rund um die Industriedenkmäler entstanden sind. Und natürlich auch darauf, dass unsere Stadt ein durchaus angenehmer Ort für Familien und für Kinder ist.
Sollten wir dabei das Thema Musik anschneiden, dann erwähnen wir zuerst unser Musiktheater – in dem es ohne Frage wunderbare Aufführungen zu sehen gibt, bei denen allerdings ohne Verstärker musiziert wird und der Ton nur dann ansteigt, wenn das die Partitur so vorsieht. Kurzum: Wir schildern einen Ort, an dem Lautstärke bei weitem nicht mehr die Rolle spielt, wie zu Zeiten, als die Schwerindustrie noch den Takt angegeben hat.
Das hat natürlich seine Berechtigung. Und doch fehlt etwas dabei. Es fehlt das, woran uns diese Ausstellung erinnert, die wir heute eröffnen. Es fehlt der Hinweis darauf, dass Gelsenkirchen nicht allein ein guter Ort zum Wohnen, sondern eben auch ein bedeutender Veranstaltungsort ist. Ein Ort aufregender und lauter Konzerte. Ein Ort, wo Bässe wummern und Gitarren schreien. Wo Robbie und Keith und all die andere Helden des Pop und Rock die Menschen begeistert haben – und auch künftig begeistern werden.
Die Fotos, die Frau Cub, Herr Conrad und Herr Willmes zusammengetragen haben, belegen recht deutlich, dass Gelsenkirchen nicht erst seit dem Bau der Arena ein spannender Ort für Rock- und Pop-Konzerte ist – sondern dass diese Geschichte schon etliche Jahrzehnte zurückreicht. Man kann sie mit Ray Charles und Fats Domino beginnen lassen, die in den frühen 1960er Jahren hier waren. Und sie setzt sich fort mit den Beat-Konzerten im Hans-Sachs-Haus, wo die Jugendlichen anfangs noch in Schlips und Kragen kamen. Aber wo es nicht lange so gesittet zuging: 1965 zerlegte das Publikum bei einem Konzert der Kinks die Stuhlreihen im Saal des Hans-Sachs-Hauses. Im Rückblick fragt man sich da schon, was aus diesen Jugendlichen zwanzig oder dreißig Jahre später wurde. Studienräte oder grantelige Nachbarn, die sich über die Jugend von heute beschweren?
Bei dieser Ausstellung werden viele Erinnerungen wach. Erinnerungen an Konzerte, die wir selbst erlebt haben – oder zumindest Erinnerungen an deren Schauplätze. An Konzerte in der Pappschachtel – wo BAP, Grönemeyer und die Toten Hosen noch als Unbekannte auftraten, ehe sie dann später als Stars die großen Bühnen bespielten. Das zur Fußballweltmeisterschaft 1974 errichtete Parkstadion zum Beispiel, das nach der Bundesgartenschau 1997 errichtete Amphitheater im Nordsternpark und schließlich ab 2001 die Arena.
Bleibt die Frage, warum das so gut funktioniert. Warum kommen die großen Namen so gerne hierher? Warum können Sie eine solche Ausstellung machen, bei der trotz all der großen Stars der Protagonist unsere Stadt ist? Eine mögliche Antwort wäre: weil dieser Ort Brüche hat und trotzdem so viel Kraft besitzt wie ein guter Rocksong. Weil sich die Menschen bei uns begeistern können und andere begeistern.
Ich danke den Ausstellungsmachern und der Wirtschaftsinitiative für diese schöne Idee und deren Umsetzung! Glück auf!