15. Februar 2013, 10:41 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. „Die kulturelle Moderne in der Weimarer Republik und ihre Feinde“ ist Thema eines Vortrags von Dr. Jörg Osterloh (Frankfurt/Main) am Montag, 18. Februar, um 19 Uhr im Kulturraum „die flora“ (Florastraße 26). Der Eintritt ist frei.
Das Ende des Ersten Weltkriegs und das Ende des Kaiserreichs markierten auch einen tiefen Einschnitt im Kulturleben in Deutschland. Die künstlerischen Ausdrucksformen wandelten sich; zu den traditionellen Medien kamen neue hinzu: Fotografie und Film, Rundfunk und Schallplatte. Es entstand ein Neben- und Gegeneinander von Avantgardisten und Traditionalisten wie auch von Hoch- und neuer Massenkultur, das Bildungsbürgertum sah zunehmend seine kulturelle Deutungshoheit bedroht. Die Gegensätze zwischen Metropole und Provinz verstärkten sich: Die Landbevölkerung reagierte zumeist mit Unverständnis auf die „Unmoral“ der Großstädter. Die später so genannte Weimarer Kultur hatte viele Feinde: weite Teile des konservativen Bürgertums, den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund (nach dem Ersten Weltkrieg zunächst der größte und einflussreichste antisemitische Verband in Deutschland) und vor allem die Nationalsozialisten. Sie alle einte die Ablehnung der neuen Strömungen im Kulturleben, die als „jüdischer Kulturbolschewismus“ diffamiert wurden. Es blieb freilich nicht bei Beschimpfungen und Verunglimpfungen; Ausschreitungen und Gewalttätige begleiteten etwa die Aufführungen von Arthur Schnitzlers Stück „Der Reigen“ 1921 ebenso wie die Vorführungen des Films „Im Westen nichts Neues“ Ende 1930. In jenem Jahr konnten die Nationalsozialisten ihre kulturpolitischen Ziele während ihrer Regierungsbeteiligung in Thüringen zudem erstmals in die Praxis umsetzen.
Der Vortrag von Jörg Osterloh skizziert diese Entwicklung bis hin zu den ersten Maßnahmen des NS-Regimes auf kulturpolitischem Gebiet nach Januar 1933. Der Referent ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Zeitgeschichtsforschung des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt/Main.
Diese Veranstaltung ist ein Beitrag der flora zur Reihe „Gelsenkirchen erinnert sich: Vor 80 Jahren - was war 1933 und was bedeutet das für heute?“
Information: www.die-flora-gelsenkirchen.de.