21. Mai 2013, 11:03 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Mit einer Solidaritätsadresse wendet sich Oberbürgermeister Frank Baranowski im Namen der Demokratischen Initiative Gelsenkirchen (DI) an die Angehörigen der Opfer des Mordanschlags am 29. Mai 1993 in Solingen. Am Jahrestag wird eine Gruppe der DI in Solingen an der Gedenkveranstaltung am Mahnmal des Mildred-Scheel-Berufskollegs teilnehmen.
Auf den Anfang der 1990er Jahre und die seinerzeitigen ausländerfeindlichen Übergriffe in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und in Solingen geht auch die Gründung der Demokratischen Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen zurück.
In der Demokratischen Initiative Gelsenkirchen haben sich demokratische Parteien, Kirchen, karitative Einrichtungen, Gewerkschaften und weitere relevante Gruppen Gelsenkirchens zusammengeschlossen, um für ein demokratisches Miteinander in Gelsenkirchen einzutreten. Zurzeit sind in der DI 24 Organisationen aktiv.
Hier der Wortlaut der Solidaritätsadresse des Oberbürgermeisters:
„Am 29. Mai 1993 wurden in Solingen zwei Frauen und drei Mädchen türkischer Abstammung durch einen von Neonazis verübten Brandanschlag getötet, zahlreiche Mitbewohnerinnen und Mitbewohner erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen.
Die vier Täter sind inzwischen längst wieder auf freiem Fuß, die überlebenden Opfer hingegen tragen zeitlebens die Last der körperlichen Brandmale, und viel mehr noch, die unbeschreibliche seelische Last, mit der sie die feigen, hinterhältigen Verbrecher beladen haben.
Auch 20 Jahre nach der grausamen Tat sind wir entsetzt und wütend darüber, dass mitten in unserer Gesellschaft Neonazis in radikalster Weise aktiv sein konnten - und, schlimmer noch, es weiterhin sind.
So wurden und werden in einem verblendeten Wahn wehrlose, unschuldige Menschen feige und hinterhältig mitten aus dem Leben gerissen!
Stets wird mit allen erdenklichen rechtsstaatlichen Mitteln nach Aufklärung gesucht, und es ist zumindest ein schwacher Trost, wenn diese Aufklärung dann auch gelingt.
In Solingen sehr schnell, bei den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds hingegen leider erst nach mehrjähriger, grausamer Mordserie.
Der organisierten, menschenverachtenden Gewalt ewig gestriger Rechtsextremer muss nicht nur politisch und juristisch die Stirn geboten werden, sondern auch im breiten gesellschaftlichen Schulterschluss. Den Tätern darf es nicht gelingen, einen Keil zwischen unsere Kulturen zu treiben!
Dafür treten auch wir in Gelsenkirchen mit Nachdruck ein. Braunes Gedankengut oder gar Tun hat in unserer Gesellschaft keinen Platz!
Die Demokratische Initiative gegen Diskriminierung und Gewalt, für Menschenrechte und Demokratie - Gelsenkirchen steht jederzeit auch in Taten an der Seite der zugewanderten Bevölkerung und bekundet hiermit den Angehörigen der Opfer des Mordanschlages vom 29. Mai 1993 und der türkischstämmigen Bevölkerung in Solingen ihre ausdrückliche Solidarität.“