14. Juni 2013, 10:22 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Das heutige Erscheinungsbild des Schlosses bestimmen der an der Südwestseite um etliche Meter verkürzte, aber noch bis zum First erhaltene Nordwest- bzw. Eingangsflügel mit dem neu errichteten Nordturm in den Maßen seines Vorgängers.
Ebenso hat das unmittelbare Umfeld im Laufe der Zeit durchgreifende Veränderungen erfahren. Der größte Teil der Vorburginsel sowie die gesamte davor gelegene Freiheit verschwanden als Folge der Industrialisierung an Ruhr und Emscher bereits vor Jahrzehnten unter notwendig gewordenen Bau- und Verkehrsprojekten. Lediglich ein Restbestand von mehrfach umgebauten Ökonomiegebäuden aus der Zeit um 1856 sowie ein ergrabener Mauerabschnitt der ehemaligen Uferbegrenzung in der Rasenfläche vor dem Schloss erinnern an die einstige Vorburg. Von der Freiheit zeugt heute nichts mehr.
Der um 1920 gestaltete Landschaftspark, der den Schlossbau rückwärtig umfasst, veränderte die Form des einstigen großflächigen Hausteiches zu einer geometrisch angelegten Gräfte, welche die Kernanlage zunächst noch zu einem Dreiviertel umgab, sich aber heute lediglich als Rasensenke abzeichnet.
Neben Resten von Wehrmauern, einem Turm und Wirtschaftsgebäuden aus verschiedenen Bau- und Nutzungsphasen, deren Aussehen im 19. Jahrhundert das Gemälde von A. Hönighausen einschließlich des 1828 eingestürzten Torhauses wiedergibt, stießen die Archäologen auf einen ummauerten Kirchhof mit einigen hundert Bestattungen sowie die Grundmauern bzw. Fundamentausbruchgruben einer kleinen Kirche.
Schriftquellen erwähnen für Horst bereits 1295 einen Geistlichen und eine Urkunde von 1411 nennt das Patrozinium der Burgkapelle. Sie war dem Hl. Hippolytus geweiht, verehrt als Patron der Pferdezüchter. Vermutlich um 1590 zur Pfarrkirche erhoben, übertrug sich ihr Patrozinium 1753 auf den Neubau in der Freiheit und schließlich auf die 1898 geweihte heutige Hippolytuskirche.
Bei der ersten Kirche handelt es sich um einen Saalbau von etwa 13 zu 5 Metern mit um Mauerstärke eingezogenem und apsidial geschlossenem Chor. Das Fundament in Grätlagen (opus spicatum) datiert dessen Errichtung in das 12. Jahrhundert. Im Chorbereich fanden sich vier Grablegen. Deren herausgehobene Platzierung lässt vermuten, dass es sich hier um Mitglieder der Burgherrenfamilie handelt. Das immerhin 1,5 Meter starke Chorfundament mit Ansatzresten eines Gewölbes aus einer spätmittelalterlichen Umbauphase deutet auf einen jederzeit zugänglichen, kryptenartigen Unterbau des Chorraumes hin.
Im Verlauf des Mittelalters wurden der ältere Kirchbau eingewölbt, der Chor durch einen größeren Polygonalchor ersetzt sowie Anbauten an der Nordostseite angefügt. Die verwendeten Baumaterialien (Backstein und Fliesenboden) ordnen den letzten archäologisch fassbaren Umbau in die Zeit der Steinburg und deren Ausbau.
Bereits sehr früh umgab die Kirche ein Friedhof, was zumindest ein beschränktes Bestattungsrecht belegt. Diesen grenzte zunächst ein 1545 errichtetes hölzernes Geplänk von den Wirtschaftsbereichen der Vorburg ab. 1630 bezeugt ein Visitationsprotokoll eine nun steinerne Einfriedung, die auch bei den Grabungen der Archäologen freigelegt werden konnte. Nach Ausweis der Trachtbestandteile und Grabbeigaben fällt der überwiegende Teil der Bestattungen in die Zeit der Burgkapelle als Pfarrkirche.
Mit dem Schlossbau entstand auch ein repräsentativer Brückenzugang von der Vorburg zum Hauptschloss. Dieser führte in drei Bögen ansteigend zum Torbau im Nordwestflügel und war direkt vor diesem als Zugbrücke ausgebildet. Der archäologische Befund wies nach, dass der ursprüngliche Plan Rutgers, zugleich eine großzügige Umgestaltung der Vorburg durchzuführen, wohl an Burgkapelle und umgebendem Friedhof gescheitert ist. Deren Bestandsicherung (wahrscheinlich durch kirchliche Intervention) führte zu einer Umplanung der laufenden Baumaßnahmen an Brücke und Vorburg. So wurde die bereits angefangene schlossseitige Ufermauer der Vorburginsel, welche ansatzweise zunächst parallel zum Schlossgrundriss verlief, zugunsten von Kapelle und Friedhof, dem Verlauf der vorhandenen Kirchhofeinfassung angepasst, auf den zweiten Pfeiler der Brücke neu ausgerichtet und der erste Bogen deshalb wieder vermauert.
Heute führt eine moderne Brückenkonstruktion aus Stahl und Beton zum Haupttor. Unter ihr zeugen noch beträchtliche Reste der Bogenpfeiler von der aus Ziegeln und Haustein errichteten Vorgängerin.
Die nun nach intensiver archäologischer Untersuchung der Vorburgrestfläche mit den oben bereits erwähnten unerwartet spannenden Befunden und Funden sowie langer Planungs- und Bauzeit für ihre neue Bestimmung fertig gestellten Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert (1856) als die Familie von Fürstenberg im Besitz des Schlosses waren (1706 – 1988) und waren als reine Ökonomiegebäude (Scheune und Ställe) errichtet worden. Von den übrigen Gebäuden ist nichts mehr erhalten, lediglich durch die archäologischen Grabungen belegt, soweit diese möglich waren, da große Teile der ehemaligen Vorburginsel inzwischen von Straßen und Bahntrassen überbaut sind.
1957 wurden, wohl in Vereinbarung mit der benachbarten Firma Gelsenberg fünf Apartementwohnungen in die Wirtschaftsgebäude eingebaut. Einen Teil des großen Scheunengebäudes nutzte der Horster Rennverein zur Unterstellung von Pferden. Die meisten Wohnungen waren noch bis über die Mitte des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts bewohnt.
Eine erste Vorlage zur Umnutzung der Vorburggebäude als Stadtteilbibliothek wurde bereits am 1. Juni 1999, noch vor der Eröffnung des Schlosses als Kultur- und Bürgerzentrum dem Verwaltungsvorstand vorgelegt.
Dies war auch Auslöser für die bereits 2001 einsetzende erste Grabungskampagne der Archäologen. Die Kampgnen zogen sich über einige Jahre hin, da mit einem solchen Befundreichtum niemand gerechnet hatte.
Gleichzeitig wurden immer detailliertere Kostenaufstellungen erarbeitet und technische Gutachten in Bezug auf die vorgesehene Nutzung eingeholt. Die Mietverhältnisse wurden gleichzeitig fristgerecht aufgelöst.
Zwischenzeitlich wurde sogar eine Fertigstellung zur Fußballweltmeisterschaft 2006 ins Auge gefasst. Dann kam auch als weitere Nutzung das BÜRGERcenter West ins Spiel.
Eine Förderzusage des MBV NRW ließ das Ganze zudem immer realisierbar erscheinen.
Am 21. August 2007 entschied eine Jury, den Vorschlag des Architekturbüros Pfeiffer – Ellermann – Prekel, Lüdinghausen für den Umbau auszuwählen.
Im Herbst 2008 war Baubeginn. Wie so häufig bei Baumaßnahmen in historischer Substanz mussten seitdem mehrfach unerwartete bauliche Herausforderungen bewältigt werden. Das nun erstrahlende Ergebnis zeigt, wie erfolgreich Planer und Bauausführende letztendlich waren.