27. Juni 2013, 11:19 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Ich denke, ich spreche für Sie alle, wenn ich sage: Man darf gespannt sein. Gespannt darauf, was drei Jahre intensives Forschen und Arbeiten über – ja, aber vor allem doch wohl: - mit den Menschen in Gelsenkirchen-Schalke an interessanten Schlussfolgerungen ergeben haben. Gespannt auch darauf zu hören, was eine Kommune tun kann, um Bedingungen zu schaffen, die Menschen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld sich nicht nur wohl fühlen lassen, sondern auch ermöglichen, dass sie sich einbringen können. Schließlich auch gespannt darauf zu erfahren, was sich davon denn womöglich auch über den Seniorenbereich hinaus anwenden lässt. Was auch wir als Verwaltung und Politik lernen und übertragen können. Lebenslanges Lernen ist bekanntermaßen ein wichtiges Thema im Alter. Aber man kann ja ruhig vorher schon mal damit anfangen…
Für mich schließt sich heute gewissermaßen ein Kreis. Ich war bei der ersten Seniorenkonferenz in Schalke mit dabei. Und ich darf Sie heute – drei Jahre später – zum Abschluss des Forschungsprojekts „Lebensqualität Älterer im Wohnquartier“ begrüßen. Was dazwischen lag, das habe ich aber ebenfalls immer wieder mitbekommen: Wie engagiert die älteren Schalkerinnen und Schalker bei der Sache waren. Wie intensiv sie sich mit ihrem Stadtteil beschäftigt und auseinandergesetzt haben. Und wie sehr sie sich schließlich auch – nicht zuletzt gefördert gerade durch diese Auseinandersetzung – mit ihrem Stadtteil, mit ihrer Heimat identifiziert haben.
Was macht eigentlich die Lebensqualität in einer Stadt, in einem Stadtquartier aus? Was brauche ich gerade als älterer Mensch, um mich wohl, um mich zu Hause zu fühlen? Diese Fragen führten in dem Projekt schnell zu einer - für einen Politiker ebenso reizvollen wie herausfordernden - Überlegung: Natürlich müssen eine ganze Reihe von „hard facts“, muss eine gute bauliche und soziale Infrastruktur vorliegen. Aber am Ende geht es eben nicht darum, dass eine Fürsorgepolitik die Parkbänke für ältere Bürgerinnen und Bürger aufstellt, auf denen sie dann sitzen und Tauben füttern, bis der Tag rum ist… Nein, das ist vermutlich gerade das genaue Gegenteil von dem, was Lebensqualität ausmacht. Selbst darüber mitentscheiden zu können, wo die Bänke hinkommen – das ist der richtige Weg. Ein kleiner Unterschied vielleicht. Aber ein Unterschied, der alles ausmacht.
Und das ist es ja, was in den Seniorenkonferenzen oft zum Ausdruck gekommen ist: Die Menschen wollen informiert werden, sie wollen mitreden können, mitentscheiden können und sich auf diese Weise ihr unmittelbares Lebensumfeld aneignen können. Sie wollen Beteiligte statt Betroffene sein. Aber diese Art von Partizipation ist nicht voraussetzungslos, das wissen Sie alle. Wie wir sie ermöglichen können, ist die entscheidende und schwierige Frage. Eine Frage, die auch weit über das Segment der älteren Generation hinausgeht. Es gibt in allen Bevölkerungsteilen gestiegene Erwartungen an Transparenz und Teilhabe – spätestens seit „Stuttgart 21“ ist das in aller Munde. Das ist zum einen ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass sich die Menschen mit ihrem Umfeld identifizieren. Das ist auf der anderen Seite aber – und das will ich nicht verhehlen – für einen Politiker auch ein wenig zweischneidig, weil wir natürlich klassische Beteiligungsformen haben. Das vorhandene Bedürfnis findet aber nicht oder nur unzureichend den Weg in diese klassischen Formen zum Beispiel einer kommunalen Selbstverwaltung mit ihren Bezirksvertretungen, ihren Ausschüssen und ihrem Stadtrat. Was muss passieren, damit beides wieder zusammenkommt – das Bedürfnis nach Teilhabe und die tatsächliche Beteiligung an einer lokalen Demokratie? Das ist für mich eine unglaublich spannende Frage auch über den Seniorenbereich hinaus. Dass diese Fragen nach Partizipation in unserer Stadt hier und heute zunächst für den Seniorenbereich beantwortet werden, zeigt mir aber auch ganz klar, was für starke Impulse von der älteren Generation ausgehen können und ausgehen, wie aktiv sie ist, ja, dass die Älteren eine ganz wesentliche Säule einer jeden Stadt sind.
Deshalb wünsche ich Ihnen und mir interessante Erkenntnisse und uns weitere neue Impulse für ein lebendiges Gemeinwesen.
Glück auf!