10. August 2022, 15:54 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen lädt im Rahmen der aktuellen „Olympia“-Präsentation zu einem Gespräch zum Umgang mit NS-Kunst im öffentlichen Raum ein.
Das Museumsteam freut sich besonders, für diese Veranstaltung den Kurator Wolfgang Brauneis gewonnen zu haben, der seine Erkenntnisse am
Donnerstag, 18. August,
um 18 Uhr
im Kunstmuseum Gelsenkirchen an der
Horster Straße 5-7 in
45897 Gelsenkirchen
mit den Besucherinnen und Besuchern teilen wird. Der Eintritt zum Kunstmuseum sowie die Teilnahme an der Veranstaltung sind kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wolfgang Brauneis lebt und arbeitet als freischaffender Kunsthistoriker und Kurator in Köln, Berlin und Nürnberg. Seit Mai ist er Direktor des Kunstvereins Nürnberg. Er war als Dozent an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und als Gastprofessor an der Kunstakademie Münster tätig. Im vergangenen Jahr hat er die Ausstellung „Die Liste der ‚Gottbegnadeten‘. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin kuratiert. Seine Ausstellung zu Hermann Kaspar, „Weisen Sie das Geschenk zurück! Die Kontroverse um Die Frau Musica“, ist aktuell in der Meistersingerhalle Nürnberg zu sehen. Brauneis ist seit 1. Mai 2022 Direktor des Kunstvereins Nürnberg und untersucht im Rahmen eines Forschungs- und Ausstellungsprojektes dessen Geschichte im Nationalsozialismus und in den Nachkriegsjahrzehnten vor dem Hintergrund der Nürnberger Kunstpolitik.
Zum Hintergrund der Olympia-Ausstellung im Kunstmuseum Gelsenkirchen:
1957 wurde im Goldbergpark in Gelsenkirchen Buer die Skulptur einer sitzenden nackten Frau aufgestellt. Das Medienecho damals war beachtlich. Denn bereits damals wurde der ideologische Hintergrund dieser „Olympia“ und ihres Erschaffers, des Bildhauers Fritz Klimsch, thematisiert.
Die Skulptur wurde 1936 von der NS-Heeresleitung in Auftrag gegeben. Ein Abguss der Skulptur stand im Garten der Neuen Reichskanzlei, dem Amtssitz Adolf Hitlers. Der Bildhauer Fritz Klimsch stand auf der 1944 im Auftrag von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zusammengestellten „Gottbegnadeten-Liste“. Die darauf verzeichneten 114 Bildhauer und Maler galten als „unabkömmlich“ und blieben vom Front- und Arbeitseinsatz verschont. All diese Künstler waren einer nationalsozialistischen Kulturpolitik und Ästhetik zutiefst verpflichtet und illustrierten damit quasi die Philosophie des Regimes. So zeigten sie die vermeintliche „Herrenrasse“ und die Verkörperung der rassistischen und unheilvollen Idee des „gesunden Volkskörpers“.
Ausstellung mit Hintergrundinformationen
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen zeigt noch bis zum 21. August 2022 die Skulptur in den eigenen Räumen und greift diese Thematik auf. Die Olympia wird in dieser kleinen Schau in ihren zeithistorischen Diskurs gesetzt und auf ihre NS-Vergangenheit hin befragt. Die Ausstellung soll ein Forum bieten, um über die Darstellung rassistischer Ideale und den Verbleib der Skulptur im Stadtraum zu diskutieren.