31. Juli 2013, 12:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Der Österreicher Ulrich Seidl (IMPORT EXPORT; HUNDSTAGE) gilt als einer der interessantesten Regisseure des deutschsprachigen Gegenwartskinos, zum einen, weil er kompromisslos menschliche Abgründe und gesellschaftliche Missstände erforscht, zum anderen, weil er auf unerwartete Situationen bei den Dreharbeiten stets spontan reagiert. Darüber hinaus versteht er es wie kaum ein anderer zeitgenössischer Filmemacher, Profischauspieler und Laien zu einem enorm eindringlich Zusammenspiel zu bewegen. Seidls PARADIES-Projekt sollte ursprünglich nur einen Spielfilm mit drei Handlungssträngen umfassen. Im Laufe der Produktion entschied er sich jedoch, die Geschichten auf drei eigenständige Filme auszudehnen. Thematisch verbunden sind sie durch die weiblichen Hauptcharaktere, die aus der gleichen Familie stammen und sich allesamt nach Liebe und Geborgenheit sehnen. Dabei werden sie auf ganz unterschiedliche Weise mit der harten Realität konfrontiert.
Im August startet das Kommunale Kino (KoKi) Gelsenkirchen jedoch zunächst mit dem neuen Dokumentarfilm „Die Nordsee – Unser Meer“ am Sonntag, 4. August, um 12:45 Uhr sowie am Montag, 5. August, um 18 und 20:30 Uhr im Schauburg Filmpalast (Horster Straße 6). Am Dienstag, 6. August, um 18 und 20:30 Uhr folgt dann am gleichen Ort „Paradies:Liebe“ in der aktuellen Monatsreihe. Die beiden anderen Filme der Seid-Reihe, „Paradies: Glaube“ und „Paradies: Hoffnung“, stehen dann am 13. bzw. 30. August auf dem KoKi-Programm.
Das KoKi zeigt außerdem im August die Autorenfilme „Before Midnight“ (11./12.) und „The Best Offer – Das höchste Gebot“ (18./19.) sowie „Promised Land“ (25./26.) als Filmwunsch und „The Place Beyond the Pines“ (27.) als Filmentdeckung.
Nach den erfolgreichen Kinodokumentationen RUSSLAND und DAS GRÜNE WUNDER – UNSER WALD lädt die NDR-Naturfilmschmiede Doclights nun mit „Die Nordsee – Unser Meer“ ein zu einer facettenreichen Leinwand-Reise durch den Lebensraum Nordsee, deren Fauna und Flora insgesamt 12 renommierte Kameramänner entlang der Küste und unter der Meeresoberfläche eingefangen haben. Gedreht wurde über einen langen Zeitraum mit modernster Technik an 60 Orten in Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schottland, England und den Niederlanden. Die beeindruckenden Bilder zeigen u. a. majestätische Riesenhaie vor der Kreideküste von Dover, kampflustige Kegelrobben am Strand von Helgoland, scheue Schweinswale mit ihren Jungtieren in den Gewässern vor Sylt, mächtige Tintenfische an der niederländischen Oosterschelde und die faszinierenden Schwärme der Zugvögel am Nordseehimmel. Als Erzähler fungiert der deutsche Schauspieler Axel Prahl, der nicht nur interessante Informationen vermittelt, sondern auch immer wieder wunderbar ironische Kommentare liefert. – Ausgezeichnet mit dem FBW-Prädikat „besonders wertvoll“.
Ulrich Seidls Auftaktfilm zur PARADIES-Trilogie überzeugt durch die kluge Verbindung von bitterem Sarkasmus, absurder Komik und abgrundtiefer Traurigkeit. Neben dem außergewöhnlichen Inszenierungsstil fasziniert auch die Hauptdarstellerin Margarethe Tiesel, die ihrer seelisch gestrandeten Figur ein Höchstmaß an Authentizität verleiht. Ausgezeichnet mit drei „Österreichischen Filmpreisen“ 2013 in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“. — Teresa (Margarethe Tiesel) ist 50 Jahre alt, alleinerziehend und einsam. Sex hat die korpulente Wienerin schon lange nicht mehr gehabt, aber mehr noch vermisst sie aufrichtige Zuneigung. Sie beschließt, nach Kenia zu reisen, um dem tristen Alltag vorübergehend zu entkommen. An den dortigen weißen Stränden genießen Teresas Freundinnen die Liebesdienste junger Einheimischer, die so ihren Lebensunterhalt verdienen. Bedrängt von attraktiven Afrikanern, denen Alter und Aussehen der „Sugarmamas“ egal zu sein scheinen, wird auch Teresa unversehens zur Sextouristin. Sie genießt die ständigen Avancen – und hofft zugleich, in einem der Verehrer doch noch einen Mann fürs Leben zu finden.