03. Juni 2022, 13:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Kunst im öffentlichen Raum soll einerseits die Lebensqualität in einer Stadt steigern, andererseits aber auch zu Diskussionen oder zum Nachdenken einladen. Doch wie entscheidet eine Kommune darüber, welcher Kunst sie ein derartiges Forum im öffentlichen Raum bietet? Fragen wie diese will die Fachtagung „Kunst in der Kommune: Über die Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität deutscher Kunstpolitik nach 1945“ erörtern, die vom 22. bis zum 24. Juni in Gelsenkirchen stattfindet. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die kommunalen Entscheidungsprozesse gelegt, die in Nachkriegsdeutschland zu Ankaufprozessen führten.
Konträre Entscheidungen
Die Kunst wurde im Westen Deutschlands lange Zeit zu einem vermeintlichen Demokratisierungsparameter und die Kommune zum Ermöglichungsraum für unterschiedliche Kunstimpulse und -erzählungen. Allerdings war ihre Rolle ambivalent, da Räume für Kunst geschaffen und gleichzeitig verhindert wurden. Dieses Spannungsfeld zeigt sich beispielhaft an zwei konträren Entscheidungen der Stadt Gelsenkirchen: Einerseits beriet im Oktober 1957 eine Jury über die künstlerischen Arbeiten, welche im und am Bau des neuen Theaters in Gelsenkirchen integriert werden sollten. Die Künstler Robert Adams, Paul Dierkes, Jean Tinguely, Yves Klein und Norbert Kricke wurden ausgewählt. Klein beschrieb 1958 die Zusammenarbeit der Künstler mit dem Architektenteam als von einem „sehr ‚avantgardistische(n)‘ Geist“ geprägt. Die Arbeiten der fünf Künstler gelten bis heute als wegweisend und prägend für die Kunst der Stadt. Yves Kleins großformatige Schwamm-Relief-Arbeiten im Foyer des Musiktheaters im Revier wurden schnell zum Markenzeichen, die Stadt Gelsenkirchen wirbt zudem mit dem „Gelsenkirchener Blau“ für sich.
Andererseits erwarb die Stadt im selben Jahr die Olympia des Künstlers Fritz Klimsch und ließ die Skulptur nahe des Rathauses in Gelsenkirchen-Buer aufstellen. Klimsch – als „Gottbegnadeter“-Künstler von den Nationalsozialisten protegiert – arbeitete an der Olympia im Auftrag der nationalsozialistischen Heeresführung. Wie passen diese beiden konträren Kunstpositionen zusammen? Was wollten die „Entscheider“ auf kommunaler Ebene seinerzeit mit ihrer Ankaufpolitik bewirken?
Aktuelle Perspektiven der Kunstpolitik
Vor dem Hintergrund dieser Entscheidungen stellt die Tagung des Kunstmuseums Gelsenkirchen und des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen die Frage nach der Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität in der kommunalen Kunstpolitik in der langen westdeutschen Nachkriegszeit.
Die Tagung beginnt am Mittwoch, 22. Juni, mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kunst in der Stadt – Aktuelle Perspektiven der Kunstpolitik“ im Musiktheater im Revier und wird im Kunstmuseum Gelsenkirchen an den beiden Folgetagen mit Fachvorträgen zur Kommunalen Kulturpolitik, aber auch zu Sammlungs- und Museumspolitik in diversen Deutschen Städten an den Beispielen von Oldenburg, Rosenheim, Gelsenkirchen und Wolfsburg vertieft. Wie geht man mit „problematischen“ Schenkungen oder Ankäufen der Nachkriegszeit heute um? Und welche Parameter sollten bei der Förderung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst gelten? Welche Unterschiede zeigen sich im Osten und Westen Deutschlands im Umgang mit „Kunst in der Kommune“? Als Impulsgeber bei dieser Tagung fungieren Markus Ambach (Düsseldorf), Alexandra Apfelbaum (Dortmund), Wolfgang Brauneis (Köln), Stefan Goch (Düsseldorf), Jasmin Hartmann (Bonn), Josephin Heller (Leipzig), Gloria Köpnick (Quedlinburg), Fabian Köster (Münster), Alexander Kraus (Wolfsburg), Corinna Kühn (Münster), Hans-Jürgen Lechtreck (Essen), Christoph Lorke (Münster), Lisa Marei (Berlin), Noor Mertens (Bochum), Dorothea Schöne (Berlin), Felix Steffan (Nürnberg), Jörg van den Berg (Leverkusen), Anke von Heyl (Köln), Klara von Lindern (Göttingen) sowie Christiane Wanken, Dr. Daniel Schmidt und Annika Becker aus Gelsenkirchen.
Nähere Informationen zur Tagung und zum Thema gibt es beim Kunstmuseum Gelsenkirchen, Horster Straße 5-7 in 45897 Gelsenkirchen, auf der Internetseite www.kunstmuseum-gelsenkirchen.de sowie per E-Mail an Kunstmuseum@Gelsenkirchen.de.