01. April 2022, 16:27 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Über 50 Menschen gedachten trotz regnerischen Wetters der deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Bildrechte: Gerd Kaemper
GE. Der Wildenbruchplatz in Gelsenkirchen – hier haben sich am Donnerstag, 31. März, über 50 Menschen bei regnerischem Wetter zum Gedenken versammelt. Sie gedachten der Menschen, denen an diesem Platz vor 80 Jahren Unmenschliches angetan wurde, „das niemals hätte geschehen dürfen“, so Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge in ihrer Rede.
Seit dem 27. Januar dieses Jahres ist der Wildenbruchplatz ein Erinnerungsort, auf dem eine Tafel daran erinnert, dass hierhin mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens aus Gelsenkirchen, dem nördlichen Ruhrgebiet und dem Münsterland gebracht wurden, um sie einzusperren und in die Ghettos von Riga, Warschau und Theresienstadt zu transportieren. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.
Der 31. März wurde zum Gedenken gewählt, weil an diesem Tag vor 80 Jahren weitere Menschen aus Gelsenkirchen deportiert wurden. Vom damaligen Gelsenkirchener Güterbahnhof wurden 42 Menschen ins Warschauer Ghetto deportiert. Niemand von ihnen überlebte. Mit einem Schweigemarsch vom ehemaligen Güterbahnhof zum Wildenbruchplatz wurde ihrer gedacht.
In ihrer Rede auf dem Wildenbruchplatz verdeutlichte Oberbürgermeisterin Welge, dass Gedenktage und Erinnerungsorte nur ein Anstoß seien: „Das Erinnern und Gedenken müssen wir selbst leisten.“ Doch die Oberbürgermeisterin betonte auch, dass es nicht beim Gedenken und Erinnern bleiben dürfe. Denn wie wenig vergangen unsere Vergangenheit sei und wie notwendig es sei, sich mit ihr zu beschäftigen, zeige der Krieg in der Ukraine: „Putins krude Kriegsbegründung – die Ukraine sei keine eigenständige Nation, die ukrainische Staatsführung sei durchsetzt mit Nazis – die macht deutlich: Es ist wichtig, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. Aber nicht, um Rechtfertigung für seine Machtansprüche zu fabrizieren. Sondern um aus ihr für ein besseres, friedlicheres, gewaltfreies Zusammenleben zu lernen!“
Ausdrücklich dankte die Oberbürgermeisterin den Schalke-Fans der Arbeitsgruppe (AG) Wildenbruch, aber auch der Jüdischen Gemeinde, dem FC Schalke, dem Schalker Fanprojekt sowie dem Institut für Stadtgeschichte. In enger Zusammenarbeit wurde die Erinnerungsorte-Tafel auf dem Wildenbruchplatz erstellt.
Die Geschehnisse in Gelsenkirchen sind zudem in einer Ausstellung mit dem Titel „Die Deportation von Gelsenkirchen nach Riga am 27. Januar 1942“ dokumentiert, die ab Freitag, 8. April, im Wissenschaftspark, Munscheidstraße 14, zu sehen ist. Die Ausstellung „Riga: Deportationen – Tatorte – Erinnerungskultur“ kann bereits jetzt im Wissenschaftspark besucht werden.