14. März 2022, 17:04 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Diese Meldung ist vom 14. März 2022, 17:04 Uhr. Gegebenenfalls sind einzelne Inhalte oder der gesamte Artikel nicht mehr aktuell. Für aktuelle Meldungen der Stadt Gelsenkirchen klicken Sie bitte auf https://www.gelsenkirchen.de/aktuelles
GE. Wie Comics auf ihre ganz eigene Art mit Antisemitismus, Holocaust und Shoah umgingen, thematisieren zwei entgeltfreie Online-Vorträge der Volkshochschule Gelsenkirchen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Am Donnerstag, 17. März 2022, um 19 Uhr spricht der Historiker Markus Streb unter dem Titel „Mäuse, Golems und Sündenböcke – Wie Comics in den 1940er Jahren Antisemitismus bekämpften“ über Comics der frühen 1940er-Jahre. Diese entstanden zeitgleich mit der Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, nehmen darauf aber kaum direkten Bezug. Die Comics haben vielmehr ganz eigene Wege gefunden, sich kritisch mit Antisemitismus auseinanderzusetzen. Mal nutzen sie Humor, mal präsentieren sie Fakten oder beziehen sich auf wissenschaftliche Erklärungsansätze. Ein breites Spektrum an (jüdischen) Perspektiven und Gegenstrategien wird im Vortrag vorgestellt und diskutiert.
Eine Woche später, am Donnerstag, 24. März 2022, um 18 Uhr, referiert die Medienwissenschaftlerin Dr. Véronique Sina ebenfalls digital über „Art Spiegelmans MAUS und die Thematisierung der Shoah im Comic“. Sowohl im öffentlichen wie auch wissenschaftlichen Diskurs wird die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der künstlerisch-medialen Repräsentation des Holocaust bis heute kontrovers diskutiert. Dass sich nun gerade der Comic als populärkulturelles Medium an die Darstellung des vermeintlich Un-Darstellbaren heranwagt, stößt bei vielen Kritikerinnen und Kritikern immer wieder auf Vorurteile und Unverständnis. Dabei lassen sich in der internationalen Comiclandschaft zahlreiche Werke ausmachen, die sich auf dezidierte und vielfältige Art und Weise mit den Schrecken des Holocaust auseinandersetzen. Anhand des mit Pulitzerpreis ausgezeichneten Werks „MAUS. A Survivor’s Tale“ (1986/1991) des jüdisch-amerikanischen Comickünstlers Art Spiegelman setzt sich Dr. Véronique Sina in ihrem Vortrag mit der Thematisierung des Holocaust in der sequenziellen Kunst auseinander.
Beide Vorträge sind eine Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen und der öAG Arbeit und Leben Gelsenkirchen. Die Teilnahme ist entgeltfrei, technische Voraussetzungen sind ein internetfähiges Endgerät mit Lautsprechern oder Kopfhörern. Als digitales Konferenztool wird die Plattform „Zoom“ genutzt. Die Zugangsdaten werden für angemeldete Teilnehmende rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn per Mail zugeschickt. Eine Anmeldung ist auf www.vhs-gelsenkirchen.de erforderlich.
Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus ist im Bildungszentrum außerdem die Ausstellung „Jecheskiel David Kirszenbaum. Karikaturen eines Bauhäuslers zur Weimarer Republik“ zu sehen. Kirszenbaum (1900-1954) war ein Maler und Karikaturist von hoher künstlerischer Qualität, was ihm Anerkennung am Bauhaus in Weimar ebenso wie in der Berliner Kunstszene der Zwanzigerjahre und später auch in Paris verschaffte. Gleichermaßen beeindruckend wie zutiefst bedrückend ist allerdings auch sein Lebensweg vom polnischen Schtetl Staszów über Duisburg, Weimar und Berlin zum Montmartre in Paris, mehrfach verbunden mit erheblichen kulturellen Brüchen und Neuanfängen und nicht zuletzt mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Ermordung seiner Ehefrau in Auschwitz. Kirszenbaums Karikaturen trafen den Zeitgeist der Weimarer Republik: Windige Kaufleute, die skrupellos Gewinne mit dubiosen Geschäften machen, Korruption in der Politik, die Gleichstellung der Frau oder aber auch der erstarkende Antisemitismus – Themen, die in der politischen Auseinandersetzung an Relevanz nicht verloren haben. Anlässlich der immer wieder stattfindenden antisemitischen Übergriffe in Deutschland wird deutlich, dass die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland eine fortwährende Aufgabe darstellt.
Der Besuch der Ausstellung ist vom 16. bis 26. März 2022 unter Wahrung der geltenden Hygiene-Regelungen montags bis freitags von 11 bis 19 und samstags von 10 bis 13 Uhr kostenfrei möglich. Die jeweils geltenden Coronaregelungen sind auf www.vhs-gelsenkirchen.de veröffentlicht.