26. November 2013, 11:10 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Gelsenkirchen unterstützt am 30. November erneut die Aktion „Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe“. Die Anregung zu dieser Aktion kommt von Pfarrer Matthias Leineweber von der katholischen Gemeinschaft Sant´Egidio. Weltweit werden über 1.630 Städte in 89 Ländern, darunter 70 Hauptstädte, an diesem Tag repräsentative Gebäude illuminieren (z.B. das Kolosseum in Rom, in Berlin der Rathausturm, in Würzburg die Festung oder in Nürnberg die Straße der Menschenrechte).
In Gelsenkirchen wird an diesem Tag die Beleuchtung des Rathausturms in Buer symbolisch dem Kampf gegen die Todessstrafe gewidmet. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, wird wie schon in den Vorjahren die markante blaue Beleuchtung für diese Aktion durch eine grüne Beleuchtung ersetzt. Oberbürgermeister Frank Baranowski hatte sich 2006 grundsätzlich für eine Beteiligung Gelsenkirchens an der Gemeinschaft „Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe“ ausgesprochen. Der Rat der Stadt folgte seinem Vorschlag und beschloss am 14. Dezember 2006, der Kampagne gegen die Todesstrafe beizutreten.
Andere Städte führen besondere Aktionen durch, so wird in Leipzig 5 Minuten vor jeder vollen Stunde die Glocke im Carl-Goerdeler-Denkmal geläutet, es finden Dichterlesungen oder Konferenzen zum Thema Todesstrafe statt. Mit diesen Gesten und Veranstaltungen soll der Protest gegen die Unmenschlichkeit der Todesstrafe zum Ausdruck gebracht werden. In Deutschland ist die Zahl der beteiligten Städte in diesem Jahr auf 154 angestiegen (z.B. Berlin, Hamburg, Stuttgart, Mönchengladbach, Schwerin, Bremen, Weimar, Bielefeld, Freiburg und zahlreiche kleinere Städte wie Winnenden, das vor einigen Jahren beim Amoklauf in der Schule eine schreckliche Tragödie erlebte).
Im Dezember 2007 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum ersten Mal in der Geschichte mit großer Mehrheit eine Resolution für ein universales Moratorium der Todesstrafe verabschiedet. Im Dezember 2012 wurde eine solche Resolution an gleicher Stelle mit noch größerer Zustimmung (110 Ja-Stimmen und nur noch 39 Gegenstimmen) verabschiedet.
Die Kampagne konnte in letzter Zeit weitere Fortschritte verzeichnen: In den Vereinigten Staaten ist festzustellen, dass mit Illinois im Jahr 2011, mit Connecticut im April 2012 und Maryland im Mai 2013 mittlerweile 18 Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben. In den vergangenen sechs Jahren haben somit sechs Staaten der USA diese Strafe abgeschafft. In Asien hat das Parlament der Mongolei am 5. Januar 2012 das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet, und ist somit für das Land vor den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft die Verpflichtung eingegangen, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden. Dasselbe hat in Afrika Benin im Juli 2012 getan. Im Oktober 2013 hat der Jemen die Hinrichtung von Minderjährigen ausgesetzt.
Der internationale Tag „Cities for Life” ist die größte Mobilisierung für die Abschaffung der Todesstrafe auf internationaler Ebene. Sein Ziel besteht darin, einen Dialog mit der Zivilgesellschaft herzustellen und lokale Verwaltungen einzubeziehen, damit die Abschaffung der Todesstrafe und der Verzicht auf Gewalt zu einem Identitätsmerkmal der beteiligten Stadt und ihrer Bürger wird.
Mittlerweile haben 140 Staaten der Erde die Todesstrafe ganz abgeschafft oder wenden sie de facto nicht mehr an, nur eine Minderheit von 51 Staaten übt diese Praxis noch aus. Im vergangenen Jahr haben allerdings nur 21 Staaten Todesurteile vollstreckt. Seit 15 Jahren führt die Gemeinschaft Sant’Egidio eine besondere Kampagne mit einem Appell für ein weltweites Moratorium durch, seitdem hat sich das Zahlenverhältnis zwischen den Ländern mit und ohne Todesstrafe umgekehrt. Auf globaler Ebene erscheint die Tendenz zur Abschaffung der Todesstrafe mittlerweile unumkehrbar. Trotzdem gibt es noch besorgniserregende Tendenzen, wie z. B. die Wiederaufnahme von Hinrichtungen in Japan, Indien und Pakistan nach einem mehrjährigen Moratorium. Daher sind Engagement und Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema weiterhin weltweit gefordert und auch diese aktuelle Kampagne von großer Bedeutung, um die öffentliche Meinung für dieses Thema zu sensibilisieren.
Die Gemeinschaft Sant’Egidio ist eine christliche Laienbewegung mit über 60.000 Mitgliedern in über 70 Ländern der Welt, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Sie engagiert sich unter Beteiligung zahlreicher Organisationen im Kampf gegen die Todesstrafe und hat die Aktion „Cities for life – Städte für das Leben“ gegründet. Der 30. November wurde für den Aktionstag gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1786 das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt Folter und Todesstrafe für abgeschafft erklärte. Für die 1998 initiierte Unterschriftenkampagne für ein Moratorium der Todesstrafe hat die Gemeinschaft Sant’Egidio bisher ca. 5,5 Millionen Unterschriften gesammelt. Außerdem pflegen Mitglieder von Sant’Egidio weltweit Hunderte von persönlichen Brieffreundschaften mit Todeskandidaten und unterstützen viele im persönlichen Einsatz.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://nodeathpenalty.santegidio.org/en.aspx