24. Juni 2014, 13:39 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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Lieber Jürgen Micheel,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
einmal im Jahr macht die Stadtverwaltung Gelsenkirchen das, was man – wie ich finde – als guter Arbeitgeber regelmäßig tun sollte: Wir bedanken uns bei unseren langjährigen Beschäftigten. Also laden Personalreferat und Personalrat sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem runden Dienstjubiläum ein. Und als Mit-Gastgeber habe ich dann Jahr für Jahr das Privileg, immer neu über Lebenswege und langjährige Jubiläen staunen zu dürfen. Insbesondere staune ich dann über die Kolleginnen und Kollegen, die es geschafft haben, ein halbes Jahrhundert für unsere Stadtverwaltung tätig zu sein. Das finde ich einfach bemerkenswert – schon allein, weil die Aussicht darauf für junge Leute inzwischen sehr unwahrscheinlich geworden ist…
Sie ahnen längst, warum ich das erzähle: Vor kurzem durfte ich bei dieser Feier just dem Mann eine Urkunde für ein halbes Jahrhundert Dienst in der Stadtverwaltung überreichen, der als Personalratsvorsitzender ebenfalls Gastgeber dieser Veranstaltung war. Und der Sie und mich auch heute eingeladen hat. 51 Jahre und drei Monate hat er es insgesamt bei der Stadt ausgehalten; 27 Jahre als freigestelltes Mitglied im Personalrat, mehr als 20 Jahre als Vorsitzender des Personalrates. Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Heute verabschiedet sich jemand, der es nun wirklich überhaupt nicht gewohnt ist, „Auf Wiedersehen!" zu sagen. Jedenfalls nicht, weil er selbst geht.
Und doch kommt es nun so. Heute wirst Du, werden wir, lieber Jürgen, wirklich „Auf Wiedersehen“ sagen. Und darum wird von nun an jemand fehlen, der einen so außergewöhnlich langen Atem unter Beweis gestellt hat – und dabei trotzdem kein einsamer Langstreckenläufer war, sondern immer auch ein echter Teamplayer und fairer Verhandlungspartner.
Als ich der Oberbürgermeister wurde, warst Du schon lange Jahre da. Und ein Ruf eilte Dir voraus. Wir haben uns dann in vielen Gesprächen rasch zusammengefunden. Das, was per Gesetz so vorgeschrieben ist, fand ich immer etwas pedantisch: Behördenleiter und Personalratsvertreter sollen sich einmal im Vierteljahr zum Gespräch treffen zum Beispiel. Natürlich haben wir das getan. Aber auch sonst immer wieder.
Doch so selbstverständlich wie es sich jetzt anhört, war das nicht. Ich weiß von Behörden, wo Verwaltungsspitze und die Vertreter der Belegschaft vor allem schriftlich miteinander verkehren. Davon waren wir immer weit entfernt. Obwohl es – angesichts der unzureichenden Finanzausstattung unserer Stadt – mehr als anspruchsvoll ist, den Interessen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich gerecht zu werden. Das ist ein vorprogrammierter Härtetest für beide, für Personalverantwortliche wie Personalvertreter.
Umso wichtiger ist es deshalb, im Gespräch zu bleiben. Sich auszutauschen. Vertrauen zueinander zu gewinnen. Verständnis nicht nur für das eigene Anliegen, das der eigenen Gruppe zu haben, sondern auch für den Partner auf der anderen Seite des Tisches. Das galt gerade auch während der Phase, als eine inzwischen nicht mehr amtierende Landesregierung das Personalvertretungsrecht einschränkte. Ich habe von diesen Einschnitten nichts gehalten, der Personalrat und sein Vorsitzender auch nicht und darum haben wir dort, wo Mitbestimmungstatbestände einkassiert wurden, weiter unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt. Wir haben einfach wie zuvor über sämtliche Fragen rechtzeitig eine Verständigung gesucht – und auch stets erzielt.
Mir war das wichtig, weil ich will, dass die Kolleginnen und Kollegen sagen können: Das ist meine Stadtverwaltung. Ich arbeite gerne hier und bin stolz darauf. Und wenn ich etwas vorschlagen will, wenn ich etwas verbessern will oder anbringen möchte, was in meinen Augen nicht so gut läuft – dann geht das. Aber: Dauerhaft geht das nur, wenn Beamte wie Beschäftigte auch eine echte Mitsprache- und Mitbestimmungsmöglichkeit haben.
Als Mitglied im Personalrat und als sein Vorsitzender hast Du sehr stark dazu beigetragen, das wir in der Stadtverwaltung Gelsenkirchen eine gute Kultur der Mitbestimmung haben; selbst in finanziell ausgesprochen schwierigen Zeiten. Mir als Verwaltungschef steht es ja nicht zu, die Arbeit eines Interessenvertreters zu bewerten. Aber die Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung werden schon wissen, warum sie Dich immer wieder gewählt haben! Und auch ich habe in all den Jahren sehr gerne mit Dir zusammengearbeitet. Wir haben immer wieder gute Lösungen gefunden. Dafür, dass die Stadtverwaltung Gelsenkirchen trotz aller Einsparungen immer noch ein sozialer Arbeitgeber ist!
Und nun bin ich mir sicher, dass es uns gelingen wird, diese gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch weiter fortzuführen. Darum möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Bitter, zur Wahl als neue Personalratsvorsitzende gratulieren – und Sie herzlich willkommen heißen! Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit!
Und Dir, lieber Jürgen, wünsche ich einen guten Übergang in eine möglichst spannende Zeit, die sich an das halbe Jahrhundert bei der Stadtverwaltung anschließt. Das wird, nach so langer Zeit, vielleicht eine Phase sein, an die Du Dich erst langsam wirst gewöhnen müssen. Aber ich bin mir sicher, dass Du Deinen Ruhestand ebenso gut meistern wirst wie viele andere knifflige Situation, die wir gemeinsam überstanden haben. Meinen herzlichen Dank für Deine Ausdauer, Deine Beharrlichkeit und Engagement – und alles Gute!
Glück auf!