29. Juli 2014, 12:00 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Die jetzt offiziell durch den Betreiber verkündete Schließung des Edeka-Marktes in Gelsenkirchen-Heßler beeinträchtigt die dortige Nahversorgung und das dort noch funktionierende Stadtteilzentrum. Auf die sich stellenden Fragen, hat die Stadt Gelsenkirchen einige Antworten und Optionen zusammengestellt. Sie können im Internet auf der Homepage der Stadt Gelsenkirchen (www.gelsenkirchen.de) nachgelesen werden:
Warum schließt der Edeka-Markt am Fersenbruch in Heßler?
Der Betreiber des Edeka-Marktes am Fersenbruch in Heßler, Marc Zierles, hat gegenüber der Stadt Gelsenkirchen erklärt, dass der Markt zum 30. April 2015 endgültig geschlossen wird. Eine zunächst für den 1. Juli 2014 angekündigte Schließung war zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Nach Aussage des Betreibers kann der EDEKA-Markt am Fersenbruch in Heßler aufgrund einer zu geringen Verkaufsfläche nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.
Bei Gesprächen der Stadt Gelsenkirchen im Mai 2013 hatte EDEKA Rhein-Ruhr deutlich gemacht, dass der bestehende Markt geschlossen würde, sofern nicht die Möglichkeit eines Neubaus auf dem bestehenden Sportplatz an der Grothusstraße in Frage käme Die Größenordnung wurde mit 2.000 bis 2.500 qm Verkaufsfläche als nicht wesentlich verhandelbar angegeben.
Warum versucht die Stadt den Lebensmittelmarkt in Heßler am Standort zu halten und geht nicht den einfachen Weg einer Verlagerung an die Grothusstraße?
Eine Verlagerung des Supermarktes an die Grothusstraße und damit an den Rand Heßlers würde die Einkaufssituation am Fersenbruch noch weiter schwächen. Abgesehen davon, dass ein neuer Leerstand entstehen würde, hätte das auch unmittelbare Auswirkungen auf die Apotheke, den Bäcker oder auch das Blumengeschäft. Da es nicht das Ziel sein kann, den Einzelhandelsstandort Heßler komplett zu verlieren, geht die Stadt den mühsameren Weg und will nach Möglichkeit den Supermarkt-Standort in der Mitte Heßlers erhalten.
Steht der Sportplatz überhaupt zur Verfügung?
Die Stadt Gelsenkirchen hat auch geprüft, ob der Sportplatz für eine Umnutzung überhaupt zur Verfügung steht. Nach Gesprächen mit Vertretern des Vereins Heßler 06, des Fußballkreises Gelsenkirchen und mit Gelsensport hat die Sportverwaltung dargelegt, dass der Sportplatz aus sportfachlicher Sicht nicht für eine sportfremde Nutzung zur Verfügung steht. Die Bezirkssportanlage wird von zwei Fußballvereinen mit 13 Jugend- sowie fünf Seniorenmannschaften und einem Leichtathletikverein genutzt. Zudem betreibt der DFB hier einen „DFB-Stützpunkt Jungen“. Des Weiteren wird der Platz für den Schulsport genutzt. Der Verlust eines Spielfeldes kann auch durch Umwandlung des Rasen- in einen Kunstrasenplatz nicht kompensiert werden, da eine dann erforderliche Verlagerung einzelner Nutzer, insbesondere der Leichtathleten, nicht durchführbar ist.
Wurden weitere Standorte geprüft?
Im September 2013 hat sich die Stadt Gelsenkirchen mit dem Vorstand der Deutschen Annington Immobilien in Verbindung gesetzt, um gemeinsam eine neue Quartiersentwicklung für Heßler durch Umwandlung eines Wohnbereichs an der Grimmstraße in einen gemischt genutzten Standort sowohl für Einzelhandel als auch für Wohnen zu diskutieren und voranzubringen.
So wurde untersucht, ob an der Ostseite der Grimmstraße unmittelbar hinter dem bestehenden Markt, einen Standort für einen Lebensmittelmarkt in angemessener Größe in Kooperation mit der Deutschen Annington zu realisieren ist. Nach Mitteilung der Deutschen Annington stehen die Wohngebäude Grimmstraße 32 bis 40 angrenzend an die EDEKA-Immobilie aufgrund der bestehenden Vollvermietung und der geplanten Modernisierung nicht zur Verfügung.
Das Eckgrundstück Grimmstraße/Fersenbruch 38/40 (“Villa der Deutschen Annington“) wird daraufhin überprüft, ob der Abriss bestehender Bausubstanz und der Neubau von seniorengerechten Wohnungen wirtschaftlich sind.
Für den Fall, dass eine Erweiterung des bestehenden EDEKA-Marktes an der Grimmstraße 28/30 anstehe, ist die Deutsche Annington bereit, über den Verkauf des angrenzenden Gebäudes Grimmstraße 32 zu verhandeln.
Die Stadt Gelsenkirchen befindet sich weiter in Gesprächen mit der Deutschen Annington.
Was sagen die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Einzelhandelsverband (EHV) zu einem neuen großen Volldiscounter an der Grothusstraße in Heßler?
Die Stadt Gelsenkirchen hat im Arbeitskreis Einzelhandel die Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie den Einzelhandelsverband (EHV) um Stellungnahme zum Neubau eines mindestens 2.000 qm großen EDEKA-Marktes auf dem Sportplatz auf der Grothusstraße gebeten. Sowohl IHK als auch EHV haben deutlich davor gewarnt, ein solches Vorhaben zu realisieren, da die Verlagerung an die Grothusstraße dazu führen würde, dass sämtlicher Einzelhandel im zentralen Versorgungsbereich aufgrund der dann fehlenden Frequenz mittelfristig gefährdet würde, gleiches gelte auch für den Wochenmarkt. Zudem kritisierten sie die angestrebte Größenordnung von mindestens 2.000 qm Verkaufsfläche. Diese sei angesichts der Einwohnerzahl und des Kaufkraftvolumens in Heßler nicht tragfähig. Daher müsse der EDEKA-Markt aus angrenzenden Stadtteilen Kaufkraft abziehen, was ihm bei einer Lage an der Grothusstraße auch wohl gelingen würde. Die Stadt hat zur Frage der Größenordnung eines Marktes eine Tragfähigkeitsanalyse erstellen lassen. Der Gutachter bescheinigt, dass sich für den Stadtteil Heßler ein Markt mit einer maximalen Verkaufsfläche von 1.500 m² tragen würde.
Wenn EDEKA den Standort aufgibt, kann sich dann nicht ein anderer Lebensmittelmarkt dort ansiedeln?
Die Stadt Gelsenkirchen prüft alternativ, ob sich in der Bestandsimmobilie des derzeitigen EDEKA-Markts eine Nachfolgenutzung im Lebensmittelbereich realisieren lässt. Hierzu hat bereits Anfang Oktober 2013 eine Ortsbegehung sowie ein erstes Gespräch mit dem Betreiber eines Vollsortimenter-Kleinflächen-Konzepts stattgefunden. Der Standort ist bei dem potenziellen Betreiber auf Interesse gestoßen. In diesem Zusammenhang hat die Stadt Gelsenkirchen auch Kontakt zu dem Eigentümervertreter der Bestandsimmobilie aufgenommen und diesen über die Überlegungen der Stadt Gelsenkirchen informiert sowie über eine Erweiterungsmöglichkeit der bestehenden Einzelhandelsimmobilie gesprochen.
Gibt es in Gelsenkirchen bereits Nachbarschaftsläden, die an die Stelle von Supermärkten getreten sind?
Ja, im Schaffrath hat im Mai ein solcher Markt eröffnet. Nachdem dort Danis Markt geschlossen hatte, stand der Ortsteil ohne Lebensmittelversorgung da. Am gleichen Standort hat dort der „Frischmarkt“ die Lücke in der Nahversorgung geschlossen. Der Markt bietet dort ein Vollsortiment auf 400 Quadratmetern Verkaufsfläche an.
Wird weiterhin auch mit EDEKA verhandelt?
Die Stadt Gelsenkirchen wird weiter an der Erarbeitung von Lösungsalternativen zur Sicherung der Nahversorgung im zentralen Bereich von Heßler mit den wesentlichen Akteuren arbeiten. Insofern hat sie EDEKA angeboten, auch weiterhin für Gespräche zur Verfügung zu stehen, um gemeinsam konstruktiv an Konzepten zur Stabilisierung des Stadtteils Heßler als attraktiven Wohnstandort zu arbeiten.
Ziel der Stadt Gelsenkirchen ist die nachhaltige Stabilisierung des Stadtteils Heßler als attraktiver Wohnstandort, zu dem auch eine funktionierende Nahversorgung gehört.