11. September 2018, 14:48 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
Es gilt das gesprochene Wort / Sperrfrist 16 Uhr
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Ehejubilare
persönlich habe ich Sie alle – soweit ich das überblicke – bereits begrüßt, unsere Begegnungen wurden ja sogar per Foto dokumentiert. Aber jetzt, da alle Platz gefunden haben, möchte ich Sie doch gerne noch einmal gemeinsam herzlich willkommen heißen. Schön, dass Sie dabei sind heute, bei unserer Feier für die Gelsenkirchener Ehejubilare!
Zu Beginn des Nachmittags haben Sie an etwas teilgenommen, was Ihnen vermutlich anfangs ein bisschen komisch vorgekommen ist: eine Stadtrundfahrt – durch die eigene Stadt. Durch unser Gelsenkirchen. Manche von Ihnen haben sich wohl schon Berlin bei einer Stadtrundfahrt angeschaut, vielleicht auch Paris oder London im roten Doppeldeckerbus – aber die eigene Stadt? Ich kann mir vorstellen, dass Sie sich, als Sie unsere Einladung in den Händen hielten, gefragt haben: Ja, was soll ich denn da? Hier kenn‘ ich doch alles!
Nun, was soll ich sagen? Zunächst mal: Schön, dass Sie trotzdem gekommen sind! Dass Sie dennoch da sind und mit uns feiern. Und vielleicht ist es inzwischen ja sogar so, dass Sie nun der gleichen Auffassung sind wie ich: Dass auch in der Heimat eine Stadtrundfahrt eine gute Idee sein kann. Warum? Weil wir alle in der eigenen Stadt doch normalerweise immer mehr oder weniger die gleichen Wege gehen oder fahren. Zum Einkaufen, zu den Kindern, zum Arzt. Da spricht nichts gegen, aber das hat schon zur Folge, dass man vieles von dem nicht mitbekommt, was sich abseits dieser Wege so tut.
Dabei ist das eine ganze Menge. Auch wenn es nicht immer so etwas Großes ist wie die inzwischen schon wieder eine ganze Weile zurückliegende Wieder-Eröffnung des Hans-Sachs-Hauses hier um die Ecke. Oder die Eröffnung des neu gestalteten Heinrich-König-Platzes. Oder der Umbau der Ebertstraße. Nein, eigentlich sind es ja die vielen kleinen Schritte, die in der Summe die große Veränderung ausmachen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Sie alle heute eine Facette unserer Stadt erlebt haben, die selbst Sie so noch nicht kannten!
Wir haben Sie aber nicht nur zu dieser Stadtrundfahrt eingeladen, weil sie Freude bereitet – sondern auch weil ich finde, dass darin ein schönes Bild steckt, ein schöner Vergleich. Denn so, wie man hin und wieder seine Stadt, sein Umfeld mit einem neuen Blick betrachten kann und soll – so geht es uns ja auch mit Menschen, die uns nahe stehen.
Denn der Partner, der Mensch, mit dem man zusammenlebt, der verändert sich ja auch. Der wird älter, na klar, der wird reifer, wächst an neuen Aufgaben und muss leider auch immer wieder mit Dingen zurechtkommen, die nicht so einfach zu bewältigen sind. Wenn Sie Tag für Tag mit Ihrem Mann, mit Ihrer Frau zusammen sind, dann fällt das zunächst nicht auf – schon allein deshalb, weil man sich ja zusammen verändert, zusammen entwickelt. Und doch ist da natürlich eine Veränderung, nicht bei den wichtigen Übergängen im Leben, aber dann natürlich besonders: Wenn die Kinder groß werden; wenn man im Beruf kürzer tritt; wenn man nochmal etwas Neues anfängt. Und darum ist es gut, wenn man darauf achtet, dass man genau dem Menschen gerecht wird, mit dem man es heute zu tun hat. Der jetzt neben einem sitzt. Wenn man auf seine Ideen, Wünsche, Vorstellung achtet – und nicht denkt: Alles wie immer.
Nun ist das kein Geheimnis, was ich da erzähle. Es ist wahrscheinlich exakt das, was Sie und Ihr Mann, Ihre Frau schon lange genauso halten, und das so viel erfolgreicher als viele andere. Schließlich haben Sie es geschafft, eine richtig lange Beziehung zu erhalten, eine richtig lange Ehe zu führen. 50 oder teilweise sogar noch mehr gemeinsame Jahre!
Eine Ehe wird ja gerne mit einer gemeinsamen Bootsfahrt verglichen. Zwei Menschen an Deck, die mit Wind und Wetter zurechtkommen müssen, die so manchem Sturm trotzen und getrotzt haben, die aber vor allem auch miteinander auskommen, ständig, es gibt keinen Ausweichraum. Bei Sonnenschein, bei Unwetter – und auch dann, wenn kein Wind weht. Und so ein Segelboot, das fährt ja in der Regel nicht geradeaus. Ja nach Wetterlage bewegt man sich mal mit dem Wind, mal gegen den Wind – und aus diesem Zickzack entsteht dann ein Weg. Wie im Leben: Mal bestimmt der eine die Richtung, mal der andere – und daraus wird ein Weg. Einer, den Sie schon 50 und 60 Jahre gemeinsam beschreiten.
Wobei wir heute, das will ich nicht unerwähnt lassen, unter uns gleich zehn Paare haben, die selbst in diesem Kreis noch einmal ein bisschen hervorstechen, weil sie eine Eiserne Hochzeit feiern, weil sie also schon sage und schreibe 65 Jahre Seite an Seite leben – was ich ganz und gar bewundernswert finde. Zumal ich davon ausgehe, dass Sie Ihre Ehe auch im 66. Jahr nicht in Rente schicken werden…
Das aber hinzubekommen – einem anderen Menschen so lange beizustehen, so viele Jahre und Jahrzehnte, in guten Zeiten wie auch in schlechten, denn die soll es ja durchaus auch geben – das ist alles andere als selbstverständlich. Ich jedenfalls finde das sehr beeindruckend, und wahrscheinlich sind Sie ja auch beeindruckt von dem, was Sie da miteinander erreicht haben. Denn es ist ja bestimmt so: Jahr für Jahr schenken Sie, meine Herren, Ihrer Frau Blumen zum Hochzeitstag – und Jahr für Jahr sind Sie, meine Damen, gerührt darüber, dass er den Tag nicht vergisst… Und dann, ja dann steht auf einmal eine große, runde Zahl da – und damit haben wir einen großen Anlass zum Feiern!
Und genau das wollen wir jetzt auch tun, wir alle gemeinsam. Aber vorher möchte ich gerne einige besondere Glückwünsche aussprechen: Herr Werner Czichon hat vorgestern seinen 70. Geburtstag gefeiert, Herr Siegfried Räckers am selben Tag seinen 83. Geburtstag und Frau Ingrid Sakowsky hat am Samstag ihren 80. Geburtstag gefeiert. Dazu nochmals herzlichen Glückwünsch!