01. September 2014, 11:08 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
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GE. Es ist merkwürdig: Ausgerechnet in diesem Jahr, in dem wir uns an den Beginn gleich zweier Weltkriege erinnern, an vergangene, an zum Glück längst beendete Kämpfe – ausgerechnet da ist Krieg wieder ein enorm aktuelles Thema. Und das in einem Ausmaß, das wir kaum mehr kannten und das erschreckend ist. In Syrien und im Irak wurde und wird derzeit Krieg geführt, in Libyen und dem Gaza-Streifen; und auch im Osten Europas, in der Ukraine erleben wir kriegerische Handlungen.
Ja, der Krieg ist wieder nahe gerückt, er dominiert in diesem Sommer die Nachrichten. Nachrichten, die auch uns angehen: Weil wir wissen, dass Flüchtlinge aus Syrien auch bei uns Schutz finden möchten. Weil wir davon hören und es doch nicht glauben mögen, dass auf Seiten der IS irrgeleitete junge Deutsche mitkämpfen. Und weil Kriege, egal wo sie sich zutragen, immer ein Skandal sind – weil inner- wie zwischenstaatliche Konflikte letztlich immer gewaltlos befriedet werden können und müssen. Ohne Soldaten, Söldner oder Freischärler.
Nie wieder Krieg!: Es ist eine bittere Erfahrung, dass dieser Satz erneut eine so aktuelle Bedeutung hat. Dass er mehr ist als ein Echo vergangener Ereignisse – jener Ereignisse, an die dieser Tag, der Antikriegstag erinnern soll. An die wir uns gerade in Deutschland noch heute und auch in Zukunft erinnern müssen.
Schließlich ging von unserem Land der Zweite Weltkrieg aus, mit dem Überfall auf Polen, am 1. September 1939, heute auf den Tag vor 75 Jahren. In diesem Krieg haben Deutsche beispiellose Verbrechen begangen, die wir nicht vergessen dürfen: Der Völkermord an den europäischen Juden; der Vernichtungskrieg gegen Osteuropa; die Bombenangriffe und die Besetzung vieler Nachbarländer. Und auch der Erste Weltkrieg, der vor 100 Jahren seinen Anfang nahm, kostete Millionen Menschen das Leben, darunter auch tausenden jungen Männern aus unserer Stadt.
Nach all diesen Erfahrungen der vergangenen hundert Jahre ist es wichtig, dass wir uns erinnern – an die Forderung „Nie wieder Krieg!“ und an eine zweite Forderung, die untrennbar damit zusammenhängt: „Nie wieder Faschismus!“. Nie wieder eine politische Ordnung, in deren Zentrum Menschenverachtung, Mord, Verfolgung, Gewalt stehen!
Und darum ist es auch wichtig, dass wir wachsam sind, wenn plötzlich wieder Zeichen und Elemente des Faschismus‘ zu Tage treten. Denn das kann ganz überraschend geschehen. Wir haben das vor wenigen Wochen leider in unserer Stadt erleben müssen: Das kann selbst bei Kundgebungen gegen Kriege geschehen. Unter dem Deckmantel von Demonstrationen gegen den Krieg zwischen dem Staat Israel und der Hamas wurden hier bei uns in Gelsenkirchen antisemitische Parolen geäußert und sogar die Synagoge attackiert.
Diese Vorgänge sind in keiner Weise zu tolerieren. Erstens hat die jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen nichts mit dem Konflikt im Nahen Osten zu tun; wir werden nicht zulassen, dass irgendeine gesellschaftliche Gruppe in Gelsenkirchen zur Konfliktpartei erklärt wird – oder sich umgekehrt jemand selbst als Konfliktpartei aufspielt.
Zweitens muss ganz klar sein: Antisemitismus wird bei uns nie wieder geduldet werden! Wir alle sind gefordert, dagegen Stellung zu nehmen – wann und wo auch immer uns Rassismus und Antisemitismus begegnen. Und auch am heutigen Tag, dem Antikriegstag 2014 ist dieses öffentliche Statement nötig und richtig. Darum danke ich dem DGB, dass er zu dieser Kundgebung aufgerufen hat – und ich danke Ihnen und Euch allen, die heute mit dabei sind!