31. August 2017, 16:44 Uhr | Stadt Gelsenkirchen
GE. Meine sehr geehrten Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Minister (Herbert Reul),
liebe angehende wie erfahrene Polizistinnen und Polizisten,
ich begrüße Sie alle ganz herzlich in Gelsenkirchen – zur inzwischen schon zweiten Ernennungsfeier der Polizei hier im Hans-Sachs-Haus. Bereits im Vorjahr hat diese Veranstaltung hier stattgefunden, in diesem Jahr ist es wieder so, das freut mich, denn das legt ja nahe: So schlecht war es hier im vergangenen Jahr nicht.
Und in der Tat: Das Hans-Sachs-Haus ist ein besonderes Haus für uns Gelsenkirchener – und eines, das auch für alle anderen Besucher seinen Reiz hat. Denn mindestens eine Sache fällt ja doch auf: Es gibt da einen Kontrast. Dieses Gebäude wirkt im Inneren viel neuer als von außen. Darüber muss man nicht lange rätseln, dafür gibt es eine einfache Begründung: Hinter der alten Backsteinfassade aus den 1920ern haben wir vor wenigen Jahren ein komplett neues Haus errichtet. Das war nötig, weil das alte leider baufällig war.
Dieses Haus wieder so herzustellen, das war ein großer Aufwand, und dahinter steht auch eine recht lange Geschichte, die ich Ihnen jetzt – keine Sorge! – auf keinen Fall erzählen möchte. Trotzdem möchte ich mich noch für einen Moment mit diesem Haus beschäftigten. Warum? Weil es eine gewisse symbolische Kraft hat. Weil es vieles von dem repräsentiert, was den öffentlichen Dienst heute ausmacht – und der öffentliche Dienst, das ist ja nun mal die Welt, für die Sie sich mit Ihrem Studium, mit Ihrem erfolgreichen Abschluss und schließlich auch Ihrer Berufswahl entschieden haben. Die Welt, für die Sie von heute an stehen und mit einstehen.
Dieses Haus, der Schauplatz Ihrer Ernennungsfeier, das steht für einen öffentlichen Dienst, der erstens auf Traditionen aufbaut, der sich aber auch ständig erneuert und modernisiert. Es steht aber zweitens ebenso für eine öffentliche Einrichtung, die sichtbar ist, die sich nicht versteckt und die sich auch auf keinen Fall verstecken darf. Die ihren Platz mitten in der Stadt hat, mitten in unserem Gemeinwesen. Denn es ist ja ganz klar: Der öffentliche Dienst ist keine Insel, er kann und darf das nicht sein, er gehört in die Mitte dieser Gesellschaft. Er wirkt in sie hinein und wird auch stark von ihr beeinflusst. Das gilt für die Stadtverwaltung wie für die Polizei.
Sie alle haben es ja schon in den Praxisstationen Ihrer Ausbildung erlebt – und vielleicht war das auch eines der leitenden Motive, warum Sie sich für die Polizei entschieden haben: Als Polizistin, als Polizist stehen Sie mitten im Leben. Dort, wo das Leben auch mal Kapriolen schlägt, wo es turbulent zugehen kann. Wo Sie aber mit Ihrem Handeln einen Unterschied machen, eine Situation befrieden können, wo Sie jemandem Sicherheit geben können.
Diese Tätigkeit hat viele Facetten. Sie wird Sie herausfordern, manchmal mehr als Ihnen lieb ist. Leider steht auch die Polizei nicht viel besser da als die Stadtverwaltung, was das Verhältnis von Arbeitsaufkommen und Ressourcen angeht – obwohl da ja Veränderungen angekündigt wurden. Und Sie kennen ja auch die Berichte der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen über den gelegentlich auch schwierigen Umgang mit manchen Personen. Sie werden erfahren haben, dass zuletzt die Vorfälle zugenommen haben, bei denen Polizisten, Feuerwehrleute oder Sanitäter beleidigt oder teilweise sogar körperlich angegangen worden. Dafür gibt es, man kann es nicht oft genug sagen, keine, aber auch wirklich überhaupt keine Toleranz! Das mag eine gesellschaftliche Entwicklung sein, aber es ist eine, mit der wir uns befassen müssen. Und da haben Sie, dessen dürfen Sie sicher sein, auch in mir einen Mitstreiter!
Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist: Wir reden über eine Aufgabe, bei der Sie viel lernen können, an der Sie wachsen werden. Eine Aufgabe, die Ihre Persönlichkeit fordert und reifen lässt. Und damit ist diese Tätigkeit fast schon das Gegenteil von dem, was man so landläufig über den öffentlichen Dienst sagt – oft sehr zu Unrecht.
Nicht zuletzt übernehmen Sie eine Aufgabe, die unverzichtbar ist. Es steht ja außer Frage, dass unsere Gesellschaft eine Institution braucht, die für die Einhaltung von Regeln sorgt. Wir in den Städten brauchen sie, gerade in dieser Zeit. Unsere Zusammenarbeit mit der Polizei ist schon jetzt sehr eng – und vermutlich wird sie künftig noch enger. Auch darum sind wir in Gelsenkirchen gerne Gastgeber dieser Ernennungsfeier. Und es steht außer Frage, dass wir eine demokratische Polizei brauchen, eine demokratisch kontrollierte Polizei, aber auch Polizistinnen und Polizisten, die wissen, dass sie mit den zur Verfügung stehenden Zwangsmitteln sehr bewusst umgehen müssen.
Ja, meine Damen und Herren: In der Summe ist das ein sehr verantwortungsvoller und fordernder Beruf, für den Sie sich entschieden haben und den Sie von nun an bekleiden. Und Sie haben nun auch einen anspruchsvollen Ausbildungsgang absolviert. Ich gratuliere Ihnen darum ganz herzlich zum erfolgreichen Abschluss Ihres Studiums – und ich wünsche Ihnen alles Gute bei der Ausübung dieses Berufes! Glück auf!